Teil von: Garnelen Haltung — Der komplette Anfänger-Guide
Filter für Garnelenbecken: HMF, Schwammfilter & Co.
HMF, Schwammfilter oder Rucksackfilter? Der beste Filter für dein Garnelenbecken im ehrlichen Vergleich.
Warum Garnelen spezielle Filter brauchen
In einem Fischaquarium greifst du zum Außenfilter und fertig. Bei Garnelen ist die Sache etwas anders. Das Problem: Standard-Außenfilter saugen Jungtiere ein. Die winzigen Babygarnelen passen durch jedes normale Ansauggitter und landen im Filter. Dort überleben sie manchmal erstaunlich lange, aber ideal ist das nicht.
Die Lösung: Garnelensichere Filter. Das sind Filter, deren Ansaugöffnungen so fein sind, dass nicht einmal frisch geschlüpfte Garnelen hindurchpassen. Oder Filter, die gar keinen Sog erzeugen, der für Jungtiere gefährlich wird.
Außerdem brauchen Garnelenbecken weniger Filterleistung als Fischbecken. Garnelen produzieren kaum Abfall im Vergleich zu Fischen. Ein 30-Liter-Becken mit 30 Neocaridina braucht nicht den gleichen Filter wie ein 30-Liter-Becken mit 10 Guppys.
Die drei gängigsten Filtertypen in der Garnelenhaltung sind: Schwammfilter, HMF (Hamburger Mattenfilter) und Rucksackfilter mit Garnelenschutz. Jeder hat seine Stärken.
Der Schwammfilter: Einfach und effektiv
Der Schwammfilter ist der Standard in der Garnelenhaltung weltweit. Er besteht aus einem Schwamm, der auf ein Rohr gesteckt wird. Eine Luftpumpe treibt Luft durch das Rohr, erzeugt einen Auftrieb, und dieser Auftrieb zieht Wasser durch den Schwamm.
Vorteile:
- Absolut garnelensicher — keine Jungtiere werden eingesaugt
- Riesige biologische Filterfläche im Schwamm
- Liefert gleichzeitig Sauerstoff (durch die Luftblasen)
- Erzeugt sanfte Strömung — ideal für Garnelen
- Sehr günstig (5-15 Euro + Luftpumpe)
- Einfach zu reinigen
Nachteile:
- Optisch nicht jedermanns Sache
- Geräusch der Luftpumpe (moderne sind leise)
- Keine mechanische Feinfiltration
Reinigung: Den Schwamm alle 2-4 Wochen in abgesaugtem Beckenwasser ausdrücken. Den Schwamm nie komplett auswaschen, immer etwas Biofilm stehen lassen.
Tipp: Doppelschwammfilter verwenden. Dann kannst du immer einen Schwamm reinigen, während der andere die Bakterienkultur aufrechterhält.
HMF: Der Hamburger Mattenfilter
Der HMF ist in der deutschen Garnelenszene legendär. Er besteht aus einer Schaumstoffmatte (PPI 45 für Garnelensicherheit — PPI 30 ist für Babygarnelen zu grob), die eine Ecke oder eine Seite des Beckens abtrennt. Hinter der Matte sitzt ein Luftheber oder eine kleine Pumpe.
Das Prinzip: Wasser wird durch die gesamte Mattenfläche gezogen. Die riesige Filterfläche ermöglicht eine extrem effektive biologische Filterung bei minimaler Durchflussgeschwindigkeit.
Vorteile:
- Unschlagbare biologische Filterleistung
- Komplett garnelensicher
- Praktisch wartungsfrei (Reinigung alle 6-12 Monate)
- Kein stromführendes Kabel im Wasser (mit Luftheber — die Luftpumpe steht außerhalb)
- Extrem leise
- Bietet zusätzliche Biofilmfläche für Garnelen
Nachteile:
- Nimmt Platz im Becken weg (eine Ecke ist "weg")
- Optisch gewöhnungsbedürftig (kann mit Moos begrünt werden)
- Selbstbau nötig oder teure Fertiglösungen
HMF Selbstbau: Filtermatte (PPI 45, 3-5 cm dick) auf Beckengröße zuschneiden. Mit Saugnapf-Haltern in die Ecke klemmen. Dahinter einen Luftheber setzen. Fertig. Kosten: unter 10 Euro.
Viele Züchter schwören auf HMF, weil sie ein extrem stabiles Ökosystem schaffen. Die Matte wird mit der Zeit zu einem eigenen kleinen Biotop voller Mikrofauna.
Außen- und Rucksackfilter mit Garnelenschutz
Wer einen Außenfilter oder Rucksackfilter verwenden möchte, kann das tun — mit einer wichtigen Modifikation: dem Ansaugschutz.
Möglichkeiten:
- Filterschwamm über dem Ansaugrohr: Einen feinen Schwamm über das Ansaugrohr des Filters stülpen. Das verhindert, dass Jungtiere eingesaugt werden. Regelmäßig ausspülen, sonst verstopft er.
- Edelstahl-Ansaugschutz (Filter Guard): Wird auf das Ansaugrohr gesteckt. Gibt es fertig zu kaufen, sieht edel aus.
- Feines Netz: Notlösung — Strumpfhose über das Ansaugrohr funktioniert tatsächlich.
Rucksackfilter (Hang-on-Back):
Sitzen am Beckenrand und erzeugen einen Wasserfall. Manche Garnelenhalter mögen sie, andere nicht. Vorteil: platzsparend, kein Platz im Becken nötig. Nachteil: Die Strömung kann für Garnelen zu stark sein, und der Ansaugschutz muss regelmäßig gereinigt werden.
Außenfilter:
Für Becken ab 60 Litern eine Option. Leise, starke Filterleistung, unsichtbar. Aber: Mehr Strömung als nötig, höherer Stromverbrauch, teuer. Ansaugschutz ist Pflicht.
Meine Empfehlung: Für Becken bis 60 Liter ist ein Schwammfilter oder HMF die bessere Wahl. Günstiger, sicherer, weniger Technik. Außenfilter lohnen sich erst bei größeren Becken, in denen auch Fische mitschwimmen.
Filter einfahren und pflegen
Ein neuer Filter ist biologisch tot. Keine Bakterien, keine Reinigungsleistung. Das ändert sich in den ersten Wochen — aber nur, wenn du es richtig machst.
Filter einfahren:
- Den Filter ab Tag 1 laufen lassen, auch wenn noch keine Garnelen im Becken sind
- 3-6 Wochen einfahren, bis der Stickstoffkreislauf stabil ist
- Optional: Filtermaterial aus einem laufenden Becken übernehmen (verkürzt auf 1-2 Wochen)
- Bakterienstarter können helfen, sind aber kein Ersatz für Zeit
Filterpflege:
| Filter-Typ | Reinigungsintervall | Methode |
|---|---|---|
| Schwammfilter | Alle 2-4 Wochen | In Beckenwasser ausdrücken |
| HMF | Alle 6-12 Monate | Oberfläche leicht absaugen |
| Außenfilter | Alle 6-12 Monate | Filtermaterial in Beckenwasser spülen |
Goldene Regeln der Filterpflege:
1. Filtermedien in abgesaugtem Beckenwasser reinigen — nicht unter heißem Leitungswasser (Temperaturschock tötet Bakterien)
2. Nie alle Filtermedien gleichzeitig austauschen
3. Filter nie ausschalten (auch nicht nachts)
4. Bei Stromausfall mit Außenfilter: Nach Rückkehr des Stroms das stehende Wasser im geschlossenen Filtergehäuse verwerfen (sauerstoffarm, kann Schwefelwasserstoff enthalten), dann wieder anschalten. Bei Schwammfiltern und HMF ist das nicht nötig — die stehen im Beckenwasser
5. Nach der Filterreinigung einige Tage zurückhaltend füttern
Ein gut eingefahrener Filter ist das Rückgrat deines Beckens. Behandle ihn gut.