Garnelen füttern — Was, wann und wie viel
Garnelen füttern: Biofilm, Fertigfutter, Naturkost, Mineralien und warum weniger fast immer mehr ist.
Inhaltsverzeichnis
- Garnelen richtig füttern: Was, wie oft, wie viel
- Laub und Erlenzapfen: Natürliche Wasseraufbereitung
- Mineralien für Garnelen: Kalzium, Magnesium & Co.
- Infusorien und Mikrofauna: Die unsichtbare Welt im Becken
- Seemandelbaumblätter für Garnelen: Wirkung und Anwendung
Was Garnelen eigentlich fressen
Wenn du eine Garnele beobachtest, siehst du ein Tier, das ununterbrochen frisst. Die kleinen Scheren zupfen an Steinen, raspeln über Blätter, picken im Moos herum — das geht den ganzen Tag so. Und die ganze Nacht.
Was da passiert: Garnelen fressen Biofilm. Diese hauchdünne Schicht aus Bakterien, Algen, Pilzen und Mikroorganismen, die sich auf jeder Oberfläche im Aquarium bildet. Auf Steinen, auf Wurzeln, auf Pflanzenblättern, auf dem Bodengrund, auf den Scheiben — überall.
Biofilm ist die Hauptnahrungsquelle. Nicht das Futter, das du reinwirfst. Das ist nur Ergänzung. In einem gut eingefahrenen Becken mit vielen Oberflächen (Javamoos, Wurzeln, Lavasteine) finden deine Garnelen den Großteil dessen, was sie brauchen, ganz ohne dein Zutun.
Das erklärt auch, warum Garnelen in frisch eingerichteten Becken oft Probleme haben: Kein Biofilm = keine Nahrungsgrundlage. Erst nach ein paar Wochen ist genug Aufwuchs vorhanden.
Neben Biofilm fressen Neocaridina:
- Algenbeläge (Grünalgen, Kieselalgen — willkommen!)
- Abgestorbene Pflanzenteile
- Laub und Zapfen (Seemandelbaumblätter, Eichenlaub, Erlenzapfen)
- Tierische Reste (tote Schnecken, Häutungshüllen, Insektenlarven)
- Und ja: Das Futter, das du ihnen gibst
Garnelen sind Allesfresser mit Schwerpunkt auf pflanzlicher Kost. Etwa 70-80 % ihrer Ernährung sollte pflanzlich sein, der Rest tierisch-proteinreich. Wer das Verhältnis umdreht und hauptsächlich proteinreich füttert, riskiert langfristig Wasserprobleme und belastet die Filterbiologie unnötig. Protein zerfällt schneller als Pflanzenmaterial und produziert mehr Ammoniak.
Wann fressen Garnelen?
Die kurze Antwort: Immer. Aber es gibt Muster. Garnelen sind tendenziell dämmerungsaktiver — in den Abendstunden und nachts siehst du die meiste Aktivität. Deshalb lohnt es sich, abends zu füttern. Die Garnelen sind dann aktiver und nehmen das Futter schneller an. Morgens fressen sie auch, aber eher gemächlich.
In einem Becken mit Fischen hat das Abend-Füttern einen weiteren Vorteil: Viele Fische ruhen abends und fressen weniger. Die Garnelen haben dann Ruhe und können in Frieden an ihrem Stick knabbern, ohne dass ihnen ein gieriger Guppy das Futter vor der Nase wegreißt.
Fertigfutter — was taugt und was Geldverschwendung ist
Der Markt ist voll mit Garnelenfutter. Sticks, Pellets, Granulat, Pudding, Paste, Lollies — da kann man schnell 50 Euro für zehn verschiedene Dosen ausgeben. Muss man aber nicht.
Die Top-Marken, denen ich vertraue:
- GlasGarten: Shrimp Baby Food (für Jungtiere unschlagbar), Bacter AE (fördert Biofilm), Mineral Junkie (Mineralpellets). Durchdachte Produkte von Leuten, die Garnelen verstehen.
- Dennerle Shrimp King: Breite Palette, solide Qualität. Complete ist ein gutes Alleinfutter, Protein ist gut als wöchentliche Ergänzung.
- NatureHolic: Die Futter-Lollies sind genial — du steckst sie an einem Stab ins Becken und siehst sofort, wie die Garnelen drauf abgehen. Perfekt zum Beobachten.
Worauf du bei der Zutatenliste achten solltest:
- Pflanzliche Hauptzutat (Spirulina, Chlorella, Brennnessel, Moringa)
- Kupfer als Spurenelement ist unbedenklich und sogar notwendig (Garnelen brauchen es für ihren Sauerstofftransport) — nur konzentriertes Kupfer (Kupfersulfat in Medikamenten) ist gefährlich
- Keine künstlichen Farbstoffe
- Proteinquelle als Ergänzung (Artemia, Daphnia, Insektenmehl)
Was du NICHT brauchst:
- Zehn verschiedene Futtersorten gleichzeitig
- Teures „Premium-Futter" für 15 Euro pro 30 Gramm
- Fischfutter als Garnelenersatz (zu proteinreich, nicht auf Garnelen abgestimmt)
Starte mit einem guten Alleinfutter und einem Blatt Seemandelbaumblätter als Dauerfutter. Das reicht für den Anfang komplett. Mehr brauchst du erst, wenn du gezielt züchten oder Farben verstärken willst.
Wie lange hält eine Dose Futter?
Länger als du denkst. Eine 30-Gramm-Dose Garnelensticks reicht für ein 20-Liter-Becken mit 20 Tieren locker 3-4 Monate. Garnelen brauchen winzige Mengen. Viele Einsteiger kaufen fünf verschiedene Futtersorten und stellen nach einem Jahr fest, dass vier davon noch fast voll sind.
Futter richtig lagern:
Trockenfutter kühl und dunkel aufbewahren, Dose nach dem Öffnen immer verschließen. Feuchtigkeit = Schimmel. Frostfutter im Tiefkühler. Frisches Gemüse erst am Fütterungstag vorbereiten (blanchieren). Laub und Zapfen trocken und luftig lagern — die halten quasi ewig. Geöffnete Dosen sollten innerhalb von 6 Monaten aufgebraucht werden — danach lassen Vitamine und Nährstoffe nach. Bei der geringen Futtermenge, die Garnelen brauchen, wird das aber selten ein Problem. Eher staubst du nach einem Jahr drei halbvolle Dosen ab und merkst, dass eine gereicht hätte.
Weiterlesen: Garnelen richtig füttern: Was, wie oft, wie viel
Naturkost — das beste Futter kostet nichts
Manche der besten Garnelensnacks findest du nicht im Zooladen, sondern in der Küche, im Garten oder im Wald.
Laub — das Dauerfutter Nummer eins:
Seemandelbaumblätter (Catappa) sind der Klassiker. Antibakterielle Gerbstoffe, senken leicht den pH-Wert, und die Garnelen fressen sie komplett auf. Ein Blatt pro 20 Liter, wenn es skelettiert ist, neues rein. Einfacher geht Fütterung nicht.
Eichenlaub, Buchenlaub und Walnussblätter funktionieren genauso gut. Im Herbst sammeln, trocknen lassen, fertig. Kein Laub von Straßenbäumen (Abgase, Pestizide!), sondern aus dem Wald oder dem eigenen Garten. Mehr dazu im Laub-und-Zapfen-Guide.
Gemüse — blanchiert und beschwert:
- Spinat — Eisenreich, wird gern gefressen. Kurz mit kochendem Wasser überbrühen. Nur sparsam verwenden: Spinat enthält Oxalsäure, die Kalzium bindet und bei häufiger Gabe die Häutung beeinträchtigen kann.
- Brennnessel — Der absolute Geheimtipp. Frisch pflücken, trocknen oder blanchieren. Mineralstoff-Bombe.
- Zucchini — In dünne Scheiben, blanchieren, mit einer Gabel beschweren. Wird langsam angenommen.
- Möhre — Dünn geschnitten, blanchiert. Enthält natürliches Beta-Carotin, das die rote Farbe unterstützt.
- Gurke — Wie Zucchini, aber weniger nahrhaft. Eher Sommer-Snack.
Proteinquellen:
Einmal pro Woche etwas Tierisches: aufgetaute Mückenlarven, getrocknete Daphnia, ein erbsengroßes Stück überbrühtes Fischfilet. Proteinreiches Futter fördert die Eiproduktion bei Weibchen und unterstützt das Wachstum von Jungtieren. Wichtig bei Fischfilet: Nur erbsengroße Mengen verwenden, Reste nach 2 Stunden entfernen — Fischfilet belastet kleine Becken schnell.
Regel: Gemüse und Proteinreste nach 3-4 Stunden entfernen. Laub kann dauerhaft im Becken bleiben. Im Wasser vergammeltes Gemüse belastet die Werte schneller, als du "Nitrit" sagen kannst.
Löwenzahn und Wegerich — die übersehenen Superfoods:
Löwenzahn findest du im Frühling auf jeder Wiese. Blätter pflücken (nicht vom Straßenrand!), abspülen und trocknen lassen — fertig ist ein mineralreiches Garnelenfutter, das nichts kostet. Spitzwegerich funktioniert genauso. Beide Pflanzen sind kalziumreich und unterstützen die Häutung. Die getrockneten Blätter einfach ins Becken legen, sie sinken nach ein paar Stunden von allein. Deine Garnelen werden sie innerhalb einer Woche komplett skelettieren.
Futter selber machen:
Für Experimentierfreudige: Eigenes Garnelenfutter herzustellen ist simpel. Spirulina-Pulver, getrocknete Brennnessel, etwas Paprikapulver für Farbe, ein Spritzer Fischöl — alles mischen, mit etwas Wasser zu einem Teig kneten, in kleine Portionen teilen und trocknen lassen. Fertig ist Garnelenfutter für Monate. Anleitungen findest du in einschlägigen Foren, aber die Grundidee ist: pflanzliche Basis, ein bisschen Protein, keine Konservierungsstoffe. Simpler als man denkt.
Erlenzapfen — die unterschätzten Helfer:
Erlenzapfen wirken leicht antibakteriell und senken den pH-Wert minimal. Sie werden langsam zersetzt und bieten über Wochen hinweg Nahrung. Zwei bis drei Erlenzapfen pro 20 Liter, nachfüllen wenn sie sich aufgelöst haben. Perfekte Ergänzung zu Seemandelbaumblättern.
Weiterlesen: Laub und Erlenzapfen: Natürliche Wasseraufbereitung
Mineralien — was dein Leitungswasser nicht liefert
Garnelen bestehen zu einem erheblichen Teil aus Chitin — und Chitin braucht Mineralien. Kalzium und Magnesium sind die Hauptspieler, dazu kommen Spurenelemente wie Strontium, Jod und Mangan.
Die wichtigsten Mineralien bekommt deine Garnele über drei Wege:
1. Wasser — Die GH (Gesamthärte) gibt den Kalzium- und Magnesiumgehalt an. Bei einer GH von 6-8 ist in der Regel genug gelöst. Unter 5? Dann wird's eng.
2. Futter — Gutes Garnelenfutter enthält bereits Mineralien. Spirulina ist kalziumreich, Brennnessel liefert Magnesium, Seemandelbaumblätter enthalten Spurenelemente.
3. Gezielte Ergänzung — Hier kommen Mineralsteine, Sepiaschalen und Aufhärtesalze ins Spiel.
Sepiaschale: Das Innere eines Tintenfisch-Schulps. Besteht fast komplett aus Kalziumcarbonat. Einfach ein Stück ins Becken legen, die Garnelen raspeln daran. Gibt langsam Kalzium ab und löst sich über Wochen auf. Kostet fast nichts, hilft viel.
Mineralsteine (z.B. GlasGarten Mineral Junkie): Gepresste Mineralpellets, die sich langsam im Wasser auflösen. Praktisch, wenn du nicht regelmäßig ans Becken kommst.
Aufhärtesalz (Salty Shrimp GH/KH+): Kommt ins Wechselwasser, nicht direkt ins Becken. Hält GH und KH stabil, besonders wenn du mit Osmosewasser oder sehr weichem Leitungswasser arbeitest.
Wann Mineralstoffmangel droht:
- GH dauerhaft unter 5
- Häutungsprobleme treten gehäuft auf
- White Ring of Death bei mehreren Tieren
- Jungtiere sterben kurz nach der Häutung
- Langsames Wachstum trotz guter Fütterung
In solchen Fällen: GH messen, Sepiaschale rein, Aufhärtesalz beim nächsten Wasserwechsel nutzen.
Mineralienmangel vs. Mineralienüberschuss:
Zu wenig Mineralien = Häutungsprobleme. Das ist bekannt. Aber zu viel? Eher selten ein Problem bei Neocaridina. Eine GH von 18 oder 20 verkraften die meisten Tiere problemlos. Erst ab GH 25+ wird es grenzwertig. Bei Caridina sieht das anders aus — die wollen weiches Wasser und kriegen ab GH 8 schon Probleme.
Jod — das vergessene Spurenelement:
Die Häutung wird bei Garnelen durch Ecdysteroide (Häutungshormone) gesteuert — nicht durch Jod, wie oft behauptet. Jod ist zwar ein Spurenelement, aber der Bedarf wird über handelsübliches Futter vollständig gedeckt. Separate Jod-Präparate sind bei normaler Fütterung nicht nötig.
Mehr Details im Mineralien-Guide.
Weiterlesen: Mineralien für Garnelen: Kalzium, Magnesium & Co.
Biofilm fördern — das unsichtbare Buffet
Wenn du etwas für deine Garnelen tun willst, das wirklich einen Unterschied macht: Förder den Biofilm. Nicht mit teurem Futter, sondern mit Oberfläche und Geduld.
Mehr Oberfläche = mehr Biofilm:
- Javamoos: Die verzweigte Struktur bietet pro Portion mehr Oberfläche als ein ganzer Lavastein
- Raue Steine (Lava, Seiryu): Poröse Oberflächen sammeln mehr Aufwuchs als glatte
- Wurzeln: Besonders Moorkienholz hat eine raue, faserige Oberfläche
- Tonröhren und Kokosnusshälften: Innen bildet sich rapide Biofilm
- Laub: Auf der Blattoberfläche siedeln sich Bakterien und Pilze an
Biofilm gezielt anschieben:
Produkte wie GlasGarten Bacter AE oder NatureHolic Garnelenpudding enthalten Bakterienkulturen und Enzyme, die den Biofilm-Aufbau beschleunigen. Eine reiskorngroße Menge alle paar Tage reicht — besonders in Nano-Becken ist weniger mehr. Vorsicht: Nicht überdosieren! Zu viel organisches Material im Wasser trübt es und kann die Sauerstoffwerte senken.
Woran du guten Biofilm erkennst:
- Deine Garnelen grasen ständig und aktiv an Oberflächen
- Du siehst einen leichten, bräunlichen Belag auf Steinen und Wurzeln
- Jungtiere wachsen gleichmäßig und zügig
- Die Scheiben haben einen leichten Grünbelag (das ist gut!)
Woran du erkennst, dass zu wenig da ist:
- Garnelen sitzen auf dem Boden und grasen nicht
- Jungtiere wachsen langsam
- Neue Tiere im Becken finden schwer Futter
In einem frisch eingerichteten Becken dauert es 4-6 Wochen, bis sich ein ordentlicher Biofilm etabliert hat. Während der Einfahrzeit bitte Geduld — das kommt von allein.
Biofilm und Wassertrübung:
Wenn du Biofilm-Förderer wie Bacter AE oder Shrimp Baby Food verwendest, kann das Wasser vorübergehend trüb werden — milchig oder leicht gräulich. Das liegt an der Bakterienblüte, die durch die zugeführten Nährstoffe ausgelöst wird. Klingt bedrohlich, ist aber harmlos und verschwindet innerhalb von 24-48 Stunden.
Trotzdem: Nicht überdosieren. Eine reiskorngroße Menge alle 2-3 Tage reicht (eine Messerspitze ist für Nano-Becken bereits zu viel!). Wer täglich eine volle Portion Bacter AE reinschüttet, riskiert Sauerstoffmangel durch die Bakterienexplosion. Weniger ist hier wirklich mehr.
Der perfekte Biofilm-Kreislauf:
In einem gut laufenden Becken reguliert sich der Biofilm von allein. Garnelen fressen ihn ab, er wächst nach, die Garnelen fressen wieder. Ein Gleichgewicht. Je mehr Garnelen, desto mehr Biofilm wird konsumiert, desto mehr musst du eventuell zufüttern. In einem Becken mit wenigen Tieren und vielen Oberflächen reicht der natürliche Biofilm oft als Alleinfutter — du musst nur Geduld haben und dem Becken die Zeit geben, genügend Aufwuchs zu produzieren. Die ersten Wochen nach dem Einfahren sind kritisch, danach reguliert sich das System weitgehend selbst.
Biofilm und Jungtiere — warum es so wichtig ist:
Für frisch geschlüpfte Babygarnelen ist Biofilm die einzige Nahrungsquelle. Sie sind zu klein für Sticks oder Pellets und grasen den ganzen Tag an Oberflächen. Ein Becken ohne ausreichend Biofilm bedeutet verhungernde Jungtiere — auch wenn du Staubfutter gibst. Das beste Aufzuchtfutter ist deshalb ein gut eingefahrenes Becken mit viel Javamoos und rauen Oberflächen.
Alles über Mikroorganismen und wie du ein ganzes Ökosystem im Becken aufbaust.
Weiterlesen: Infusorien und Mikrofauna: Die unsichtbare Welt im Becken
Der richtige Fütterungsrhythmus
Die Frage „Wie oft soll ich füttern?" sorgt in Garnelenforen für endlose Diskussionen. Hier meine Erfahrung aus Jahren der Haltung.
Grundregel: Einmal am Tag eine kleine Portion — oder jeden zweiten Tag etwas mehr. Beides funktioniert.
Bewährter Wochenplan:
| Tag | Futter | Menge |
|---|---|---|
| Montag | Garnelen-Sticks | Halber Stick pro 20 Tiere |
| Dienstag | Blanchierter Spinat | Daumennagelgroßes Stück |
| Mittwoch | Fasttag | Nichts. Garnelen grasen Biofilm. |
| Donnerstag | Garnelenpellets | 3-4 Pellets pro 20 Tiere |
| Freitag | Getrocknete Brennnessel | Ein Blatt |
| Samstag | Proteinfutter | Erbsengroße Menge |
| Sonntag | Fasttag | Wieder nur Biofilm. |
Warum Fasttage?
An Fasttagen grasen deine Garnelen den natürlichen Aufwuchs im Becken ab. Das ist gut für die Wasserqualität (keine Futterreste) und gut für die Garnelen (natürliches Fressverhalten). In der Natur gibt es auch kein tägliches All-you-can-eat.
Die goldene Drei-Stunden-Regel:
Wenn nach 3 Stunden noch Futter übrig ist, war es zu viel. Nächstes Mal weniger geben. Wenn alles in 30 Minuten weg ist, darfst du eine Winzigkeit mehr geben. Das Ziel: In 1-2 Stunden aufgefressen, keine Reste.
Bei Jungtieren im Becken:
GlasGarten Shrimp Baby Food oder Bacter AE in Staubfeinheit. Jungtiere können die normalen Sticks und Pellets nicht fressen — sie brauchen Staubfutter und Biofilm. Das Shrimp Baby Food löst sich im Wasser auf und fördert gleichzeitig den Biofilm.
Fütterung bei verschiedenen Beckengrößen:
In einem dicht bepflanzten 60-Liter-Becken mit 80 Garnelen brauchst du deutlich mehr Zufutter als in einem 20-Liter-Nano mit 15 Tieren. Der Biofilm-Ertrag steigt nicht proportional zur Garnelenzahl — irgendwann reicht der natürliche Aufwuchs nicht mehr. Faustregel: Ab 50 Garnelen in einem 30-Liter-Becken solltest du täglich zufüttern. Unter 30 Garnelen im selben Volumen reicht die Fütterung jeden zweiten Tag, weil genug natürliches Futter vorhanden ist.
Futterwechsel — warum Abwechslung wichtig ist:
Garnelen brauchen verschiedene Nährstoffe: pflanzliche Fasern, tierisches Protein, Mineralien, Vitamine. Kein einzelnes Futter deckt alles ab. Der Wochenplan oben ist deshalb kein Vorschlag, sondern eine Empfehlung aus der Praxis. Wer wochenlang nur denselben Stick füttert, bekommt eine einseitig ernährte Kolonie. Die Tiere fressen es zwar, aber Häutungsprobleme, schwache Farben und geringe Fruchtbarkeit sind oft die Folge mangelnder Vielfalt.
Überfütterung erkennen und beheben
Überfütterung ist der häufigste Fehler und gleichzeitig der gefährlichste. Nicht, weil die Garnelen platzen — sondern weil sich Futterreste zersetzen und das Wasser vergiften.
Anzeichen von Überfütterung:
- Futterreste am Boden, die nach 3+ Stunden noch da liegen
- Trübes Wasser ohne erkennbare andere Ursache
- Plötzliches Algenwachstum (Grünalgen, Pinselalgen)
- Planarien oder Scheibenwürmer tauchen auf (die lieben organische Reste)
- Nitrat-Werte steigen schneller als gewohnt
- Schneckenpopulation explodiert (die profitieren vom Überschuss)
- Bodengrund wirkt „schmierig" oder riecht bei Aufwirbeln faulig
Sofortmaßnahmen:
1. Futterreste sofort absaugen
2. 2-3 Fasttage einlegen — deine Garnelen werden NICHT verhungern
3. Wasserwechsel machen (30 %)
4. Futtermenge ab sofort halbieren
5. Nitrit und Nitrat messen
Langfristig umstellen:
- Weniger Fertigfutter, mehr Naturkost (Laub verrottet langsam und belastet kaum)
- Fasttage konsequent einhalten
- Beobachten statt schätzen: Wie viel fressen deine Tiere wirklich?
- Seemandelbaumblatt als Dauerfutter im Becken — wird langsam abgebaut, kein Risiko
Ein gut eingefahrenes Becken mit genügend Biofilm und einem Seemandelbaumblatt als Dauerfutter hält es problemlos eine Woche ohne Zufütterung aus. Garnelen sind Überlebenskünstler — sie finden immer etwas. Dein Job ist nicht, sie satt zu machen. Dein Job ist, sie nicht zu überfüttern.
Fütterungsmengen anpassen:
Die richtige Menge hängt von drei Faktoren ab: Beckengröße, Garnelenzahl und Biofilm-Menge. In einem stark eingefahrenen 30-Liter-Becken mit 50 Garnelen und viel Javamoos brauchst du weniger Zufutter als in einem frisch eingerichteten 20-Liter-Nano mit 15 Tieren und wenig Pflanzen. Im zweiten Fall ist Biofilm Mangelware und du musst mehr zufüttern.
Faustregel als Startpunkt: Pro 10 Garnelen ein erbsengroßes Stück Futter pro Tag. Wenn nach 2 Stunden nichts übrig ist: passt. Wenn nach 30 Minuten alles weg ist: ein kleines bisschen mehr geben. Wenn nach 3 Stunden noch Reste da sind: deutlich weniger. Innerhalb einer Woche findest du die richtige Menge.
Spezialfutter — Zucht, Farbe, Jungtiere
Wenn die Basics sitzen und du bestimmte Ziele verfolgst, gibt es Spezialfutter, das gezielt unterstützt.
Für Farbverstärkung:
Astaxanthin und Beta-Carotin sind natürliche Farbpigmente, die rote und orangefarbene Garnelen intensiver leuchten lassen. Enthalten in: Spirulina, Paprikapulver, Möhren, Hagebuttenpulver. Dennerle Shrimp King Color ist ein gutes Fertigprodukt dafür. Wirkt nicht über Nacht — nach 2-4 Wochen regelmäßiger Gabe siehst du den Unterschied. Mehr dazu im Artikel zur Farbverstärkung.
Für Zuchtweibchen:
Proteinreiches Futter alle 2-3 Tage fördert die Eiproduktion. Artemia, Daphnia, Cyclops — am besten gefriergetrocknet oder tiefgefroren. Frisches Fischfleisch (kurz überbrüht) funktioniert auch. Nicht übertreiben — zu viel Protein belastet die Wasserwerte.
Für Jungtiere:
Babygarnelen brauchen Staubfutter. GlasGarten Shrimp Baby Food ist der Standard — eine reiskorngroße Menge ins Wasser, fertig. Alternativ: Spirulina-Pulver oder getrocknete Brennnessel fein zermahlen. Aber das Wichtigste: Biofilm. Jungtiere grasen vom ersten Tag an. Wenn genug Biofilm vorhanden ist, kommen sie auch ohne spezielles Staubfutter durch.
Für tragende Weibchen im Haltungs-Guide:
Tragende Weibchen brauchen keine Spezialbehandlung, aber etwas mehr Ruhe. Kein häufiges Umsetzen, keine großen Wasserwechsel, konstante Werte. Abwechslungsreiches Futter und ein Seemandelbaumblatt im Becken reichen. Wann deine Garnele trächtig ist und wie du den Nachwuchs aufziehst, steht im Zucht-Guide.
Weiterlesen: Seemandelbaumblätter für Garnelen: Wirkung und Anwendung
Futter im Urlaub — drei Optionen
Du fährst eine Woche in den Urlaub. Was machen die Garnelen? Spoiler: Wahrscheinlich besser als du denkst.
Option 1: Einfach nichts tun (bis zu 2 Wochen)
In einem eingefahrenen Becken mit Biofilm, Javamoos und einem Seemandelbaumblatt überleben Garnelen locker zwei Wochen ohne Zufütterung. Sie grasen den Aufwuchs ab, fressen Algen, zersetzen Laub. Kein Stress für dich, kein Stress für die Tiere. Vorher einen kleinen Wasserwechsel machen, Licht auf Zeitschaltuhr, fertig.
Option 2: Langzeitfutter (2-3 Wochen)
Seemandelbaumblätter, Eichenlaub oder Walnussblätter ins Becken geben. Die zersetzen sich langsam und bieten wochenlang Nahrung. Ein-zwei Mineralpellets dazu. Kein Fertigfutter — das fault, wenn es nicht gefressen wird.
Option 3: Jemanden beauftragen (über 3 Wochen)
Bitte einen Freund, alle 3-4 Tage vorbeizuschauen. Aber Achtung: Nicht-Aquarianer überfüttern IMMER. Portioniere das Futter in kleine Beutelchen mit Tagesbeschriftung. „Montag: diesen Beutel komplett rein, nichts anderes." Sonst kippt dein Becken, weil dein Kumpel „die sahen so hungrig aus" als Grund für eine halbe Dose Futter angibt.
Auf keinen Fall einen automatischen Futterautomaten verwenden. Die sind für Fische gebaut und dosieren für Garnelen komplett falsch — eine einzelne Futterautomaten-Portion pro Tag würde dein Becken in einer Woche komplett überlasten. Ein Seemandelbaumblatt und Geduld sind die bessere Wahl.
Futter und Wasserqualität — der direkte Zusammenhang:
Alles, was du ins Becken gibst und was nicht gefressen wird, zerfällt. Beim Zerfall entsteht Ammoniak, das die Filterbakterien zu Nitrit und weiter zu Nitrat abbauen. Zu viel Futter = zu viel organische Belastung = steigende Nitrat-Werte. In einem kleinen Nano-Becken kann eine vergessene Futtergurke über Nacht die Wasserwerte so weit verschlechtern, dass Tiere sterben. Deshalb gilt bei Garnelen immer: Unterfüttern ist sicherer als Überfüttern. Die Tiere finden immer etwas im Becken — aber vergammeltes Futter kannst du nicht unsichtbar machen.
Fütterung bei Krankheit:
Wenn deine Garnelen krank wirken oder du ein Sterben beobachtest: Fütterung sofort reduzieren oder für 2-3 Tage einstellen. Weniger Futter = weniger Belastung für die Wasserqualität = weniger Stress. Kranke Garnelen fressen sowieso kaum. Unverrottetes Futter belastet das Wasser zusätzlich und verschärft das Problem.
Wenn sich die Kolonie erholt hat, langsam wieder anfangen. Ein Seemandelbaumblatt als Dauerfutter ist in Krankheitsphasen ideal — antibakterielle Wirkung, wird langsam zersetzt, belastet nicht.
Mehr Urlaubs-Tipps im Urlaubs-Guide — dort steht auch, wie du das Becken vorbereitest, damit nichts schiefgeht.