Teil von: Garnelen Haltung — Der komplette Anfänger-Guide

Garnelen richtig füttern: Was, wie oft, wie viel

Garnelen füttern: wie oft, wie viel und welches Futter? Biofilm, Fertigfutter und Naturkost im Überblick.

Biofilm: Die Hauptnahrung, die niemand sieht

Fütterung ist ein zentrales Thema in der Garnelenhaltung. Bevor wir über Futter reden, müssen wir über etwas sprechen, das viele Anfänger gar nicht auf dem Schirm haben: Biofilm. Das ist die dünne, unsichtbare Schicht aus Bakterien, Algen und Mikroorganismen, die sich auf jeder Oberfläche im Aquarium bildet — auf Steinen, Wurzeln, Pflanzenblättern, Scheiben, Bodengrund.

Garnelen richtig füttern: Was, wie oft, wie viel: Biofilm: Die Hauptnahrung, die niemand sieht

Garnelen grasen den ganzen Tag an diesen Oberflächen. Wenn du sie beobachtest, wirst du sehen, wie sie ständig mit ihren kleinen Scheren an allem herumzupfen. Das ist keine Nervosität — das ist Fressen.

In einem gut eingefahrenen Becken mit vielen Oberflächen (Moos, Wurzeln, raue Steine) finden Neocaridina einen Großteil ihrer Nahrung im Biofilm. Das bedeutet: Du musst weniger zufüttern als du denkst.

Javamoos ist deshalb so beliebt bei Garnelenhaltern — nicht wegen der Optik, sondern weil die verzweigte Struktur eine riesige Oberfläche bietet. Mehr Oberfläche bedeutet mehr Biofilm, und mehr Biofilm bedeutet mehr Futter.

Fertigfutter: Was taugt wirklich?

Der Markt ist voll mit Garnelenfutter. Sticks, Pellets, Granulat, Pudding — die Auswahl erschlägt einen. Aber nicht alles, was als Garnelenfutter verkauft wird, ist auch gut.

Bekannte Marken in der Garnelenszene sind unter anderem GlasGarten, Dennerle und NatureHolic.

  • GlasGarten (Shrimp Baby Food, Bacter AE, Mineral Junkie)
  • Dennerle (Shrimp King Serie)
  • NatureHolic (Garnelenfutter-Lollies)
  • Eigene Mischungen aus Spirulina, Chlorella, Brennnessel

Worauf achten:

  • Pflanzlicher Hauptbestandteil (Algen, Kräuter)
  • Protein als regelmäßige Ergänzung (Garnelen sind Allesfresser und Aufwuchsfresser)
  • Keine künstlichen Farbstoffe

Fütterungsregel: Eine Menge, die in 1–2 Stunden komplett aufgefressen wird. Bei 20 Garnelen ist das oft ein halber Stick oder ein erbsengroßes Stück. Lieber zu wenig als zu viel — Garnelen verhungern im eingefahrenen Becken nicht, aber sie können an den Folgen von Überfütterung sterben. Übrigens: Auch die Wurzeln von Schwimmpflanzen sind eine erstklassige Biofilm-Quelle und ergänzen das Futterangebot auf natürliche Weise.

Naturkost: Küche statt Zoohandlung

Viele der besten Futtermittel für Garnelen stammen nicht aus dem Zooladen, sondern aus der eigenen Küche und dem Garten. Blanchierter Spinat, getrocknete Brennnesseln und überbrühte Zucchini sind nährstoffreicher als die meisten Fertigfutter und kosten nichts. Ergänzt durch Seemandelbaumblätter und Herbstlaub aus dem Wald hast du eine abwechslungsreiche Ernährung abgedeckt.

Garnelen richtig füttern: Was, wie oft, wie viel: Naturkost: Küche statt Zoohandlung

Gemüse (blanchiert):

  • Spinat — Eisenreich, wird gern genommen. Kurz mit kochendem Wasser überbrühen und ins Becken geben.
  • Brennnessel — Absoluter Favorit. Frisch pflücken, trocknen oder blanchieren. Voller Mineralien.
  • Zucchini — In dünne Scheiben schneiden, blanchieren, beschwert ins Becken legen.
  • Gurke — Ähnlich wie Zucchini, wird aber langsamer angenommen.
  • Möhre — Dünn geschnitten, blanchiert. Enthält natürliches Beta-Carotin.

Laub:

  • Seemandelbaumblätter — Der Klassiker. Antibakterielle Gerbstoffe, wird vollständig gefressen.
  • Eichenlaub — Getrocknet. Wird langsam zersetzt und bietet wochenlang Nahrung.
  • Buchenlaub — Ähnlich wie Eiche, etwas neutraler.
  • Walnussblätter — Stark gerbstoffhaltig, sparsam dosieren.

Proteinquellen (1-2x pro Woche):

  • Tiefgefrorene Mückenlarven (aufgetaut)
  • Getrocknete Daphnia
  • Spirulina-Tabs

Gemüse- und Proteinreste nach 3 bis 4 Stunden entfernen — sie faulen schnell und belasten das Wasser. Laub dagegen verbleibt dauerhaft im Becken, bis es vollständig gefressen oder zersetzt ist.

Überfütterung: Das häufigste Problem

Mehr Garnelen sterben an den Folgen von Überfütterung als an Hunger. Das klingt paradox, ist aber Realität.

Garnelen richtig füttern: Was, wie oft, wie viel: Überfütterung: Das häufigste Problem

Überschüssiges Futter zersetzt sich am Boden. Dabei verbrauchen Bakterien Sauerstoff und produzieren Ammoniak. Der Ammoniak wird zu Nitrit, das Nitrit zu Nitrat. In einem gut eingefahrenen Becken schafft der Filter das normalerweise. Aber bei chronischer Überfütterung kippt das Gleichgewicht.

Anzeichen von Überfütterung:

  • Scheibenwürmer (kleine, weiße Würmchen am Glas — oft verwechselt mit Planarien)
  • Trübes Wasser oder fauliger Geruch
  • Steigende Nitrat-Werte ohne ersichtlichen Grund
  • Bakterienrasen auf dem Bodengrund
  • Schneckenpopulation explodiert

Was tun, wenn du überfüttert hast:

1. Futterreste sofort absaugen

2. Teilwasserwechsel (20-30%)

3. Die nächsten zwei Tage nicht füttern

4. Künftig kleinere Portionen geben

Eine kleine Gruppe von 10 Neocaridina in einem 30-Liter-Becken braucht erschreckend wenig Futter. Ein halber Garnelen-Stick zwei- bis dreimal pro Woche reicht völlig — in gut eingefahrenen Becken mit viel Aufwuchs sogar noch weniger. Lass dich nicht von bettelnden Garnelen täuschen — die kommen immer angelaufen, wenn sie Bewegung am Becken bemerken. Das heißt nicht, dass sie hungrig sind.

Spezialfutter für besondere Situationen

In bestimmten Situationen brauchen Garnelen gezieltes Spezialfutter. Tragende Weibchen profitieren von proteinreichem Futter wie Artemia oder Daphnien. Bei der Farbverstärkung hilft Spirulina- und Astaxanthin-haltiges Futter. Jungtiere benötigen feines Staubfutter, das sich im Becken verteilt. Hier die wichtigsten Spezialfutter und wann sie sinnvoll sind.

Mineralfutter: Mineralsteine oder GlasGarten Mineral Junkie Pearls. Sinnvoll bei weichem Wasser oder nach gehäuften Häutungsproblemen. Die Garnelen bedienen sich nach Bedarf.

Farbfutter: Futter mit Astaxanthin, Spirulina oder Paprika-Extrakt fördert die Rotfärbung. Bei blauen oder gelben Varianten bringt Astaxanthin wenig — da hilft eher Spirulina für allgemeine Vitalität. Farbfutter ist kein Wundermittel: Genetik bestimmt die Grundfarbe, Futter kann sie nur unterstützen.

Aufzuchtfutter: Bacter AE von GlasGarten ist der Standard für Jungtiere. Es fördert Biofilmwachstum und liefert Mikronährstoffe. Eine reiskorngroße Menge reicht für ein 30-Liter-Becken, 1-2x pro Woche — zu viel kann eine Bakterienblüte und Sauerstoffmangel auslösen.

Immunstärkendes Futter: Moringa-Pulver, Brennnessel-Pellets oder Maulbeerblätter können das Immunsystem unterstützen. Nicht wissenschaftlich bewiesen, aber viele Züchter schwören drauf.

Proteinreiches Futter: Gefrostete rote Mückenlarven oder Artemia einmal pro Woche reichen als Proteinergänzung aus. Für eine erfolgreiche Häutung ist vor allem eine gute Mineralstoffversorgung (Kalzium, Magnesium) entscheidend — zu viel tierisches Protein vor der Häutung kann durch zu schnelles Gewebewachstum sogar Häutungsprobleme verursachen.

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