Algen im Aquarium bekämpfen — Arten erkennen und loswerden

Algen im Aquarium erkennen und gezielt bekämpfen: Fadenalgen, Pinselalgen, Blaualgen — garnelenSICHERE Methoden ohne Kupfer.

Warum Algen im Aquarium wachsen — und wann du handeln musst

Algen im Aquarium bekämpfen — das suchen tausende Aquarianer jeden Monat. Die wichtigste Erkenntnis vorweg: Algen sind kein Feind, sondern ein Symptom. Sie zeigen dir, dass im Zusammenspiel von Licht, Nährstoffen und CO₂ etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Wer das versteht, kämpft nicht gegen Windmühlen.

Algen im Aquarium bekämpfen — Arten erkennen und loswerden: Warum Algen im Aquarium wachsen — und wann du handeln musst

Jedes Aquarium hat Algen. Auf der Rückwand, auf Steinen, als dünner Film auf dem Glas. Das ist normal und sogar nützlich — deine Garnelen grasen diesen Aufwuchs rund um die Uhr ab. Ein leichter Algenbelag gehört zum Ökosystem wie Moos zum Waldboden.

Problematisch wird es, wenn Algen explodieren. Wenn grüne Fäden deine Pflanzen erwürgen, schwarze Büschel auf jedem Blattrand sitzen oder ein schleimiger Film den Boden bedeckt. Dann stimmt etwas nicht — und zwar nicht mit den Algen, sondern mit deinem Becken.

Die drei Grundfaktoren jeder Algenplage:

Licht. Zu lange Beleuchtung (mehr als 8 Stunden) oder direkte Sonneneinstrahlung sind die häufigsten Auslöser. Aquarienpflanzen können das überschüssige Licht nicht verwerten, wenn CO₂ oder Nährstoffe fehlen. Die Algen greifen zu.

Nährstoffe. Überfütterung, zu seltene Wasserwächsel oder übermäßiges Düngen liefern den Algen genau das, was sie brauchen: Nitrat, Phosphat und Spurenelemente. Umgekehrt können auch Nährstoffmängel Algen fördern, weil die Pflanzen dann schwächeln und die Konkurrenz verlieren.

CO₂. In bepflanzten Aquarien konkurrieren Pflanzen und Algen um Kohlenstoff. Wenn deine Pflanzen zu wenig CO₂ bekommen, wachsen sie langsamer — und die Algen, die oft mit weniger Kohlenstoff auskommen, füllen die Lücke. Besonders Pinselalgen und Bartalgen sind typische CO₂-Mangelzeiger.

Die Faustregel: Starke Pflanzen = wenig Algen. Alles, was dein Pflanzenwachstum fördert, schwächt die Algen. Und alles, was deine Pflanzen bremst, gibt den Algen Raum. Deshalb ist die beste Anti-Algen-Strategie nicht ein Mittel aus der Flasche, sondern ein gut bepflanztes Becken mit abgestimmter Düngung.

Die wichtigsten Algenarten im Überblick

Nicht jede Alge ist gleich — und die Bestimmung entscheidet über die richtige Strategie. Was gegen Fadenalgen hilft, verpufft bei Pinselalgen komplett. Hier ein Überblick über die sieben häufigsten Algenarten im Aquarium, ihre Ursachen und die wirksamsten Gegenmaßnahmen.

AlgenartAussehenHauptursacheLösung
Grünalgen (Staubalgen)Feiner grüner Belag auf ScheibenZu viel Licht, hoher Nitrat-/PhosphatwertBeleuchtung auf 6–8 h, Scheibe wischen, Wasserwechsel
FadenalgenLange grüne Fäden an Pflanzen und DekoZu viel Licht bei zu wenig CO₂Manuell aufwickeln, CO₂ erhöhen, Amano-Garnelen einsetzen
PinselalgenSchwarze, kurze Büschel auf BlatträndernCO₂-Mangel oder -Schwankungen, zu viel EisenCO₂ stabilisieren, Eisen reduzieren, befallene Blätter entfernen
BartalgenLange, fließende schwarze SträngeCO₂-Schwankungen, starke StrömungStrömung umleiten, CO₂ gleichmäßig halten
KieselalgenBräunlicher, weicher BelagSilikat im Wasser, EinfahrphaseAbwarten, Schnecken einsetzen, Licht leicht erhöhen
Blaualgen (Cyanobakterien)Blaugrüner, stinkender SchleimfilmNitratmangel, schlechte StrömungDunkelkur 5–7 Tage, Nitrat erhöhen, Strömung verbessern
PelzalgenKurzer, dichter grüner Rasen (1–3 mm)Moderates Licht bei NährstoffüberschussBeleuchtung dämpfen, Algenfresser einsetzen

Jede dieser Algenarten reagiert auf andere Maßnahmen. Den umfassenden Bestimmungs-Guide mit allen Details findest du im Algen-Guide. Hier konzentrieren wir uns auf die praktische Bekämpfung — besonders aus der Garnelen-Perspektive.

Fadenalgen, Pinselalgen, Blaualgen — die drei großen Problemfälle

Manche Algenarten sind einfach nur lästig — Kieselalgen in der Einfahrphase zum Beispiel verschwinden von allein. Andere werden zum echten Problem, wenn du nicht eingreifst. Die drei häufigsten Sorgenkinder:

Algen im Aquarium bekämpfen — Arten erkennen und loswerden: Fadenalgen, Pinselalgen, Blaualgen — die drei großen Problemfälle

Fadenalgen — das häufigste Problem

Lange, grüne Fäden, die sich um Moose, Pflanzenblätter und Deko wickeln. Manche Arten werden 20 Zentimeter lang. Sie sehen nicht nur hässlich aus, sondern können empfindliche Pflanzen regelrecht erdrücken, wenn du sie lässt. Die Ursache ist fast immer dieselbe: zu viel Licht bei zu wenig CO₂.

Sofortmaßnahme: Nimm eine Zahnbürste oder einen rauen Holzstab und wickle die Fäden auf. Das funktioniert erstaunlich gut. Jeden zweiten Tag durchs Becken gehen, bis sich die Lage beruhigt. Parallel die Beleuchtungsdauer auf 6 Stunden reduzieren und — falls möglich — die CO₂-Versorgung verbessern.

Langfristige Lösung: Schnellwachsende Aquarienpflanzen wie Hornkraut, Wasserpest oder Schwimmpflanzen einsetzen. Die entziehen dem Wasser Nitrat und Phosphat und lassen für Algen nichts übrig. Schwimmpflanzen haben den Doppeleffekt: Sie bremsen auch das Licht, das unten ankommt. Und dann: Amano-Garnelen. Die einzigen Garnelen, die Fadenalgen tatsächlich systematisch fressen.

Pinselalgen und Bartalgen — die hartnäckige Rotalgen-Familie

Pinselalgen (Audouinella sp.) bilden dichte, kurze schwarze Büschel auf Blatträndern, Filterauslässen und Steinen. Bartalgen (Compsopogon sp.) wachsen als längere, fließende Stränge, bevorzugt an Stellen mit starker Strömung. Beide gehören zu den Rotalgen — obwohl sie grau bis schwarz aussehen. Erst in Alkohol eingelegt verfärben sie sich rötlich.

Die Ursache ist bei beiden gleich: CO₂-Mangel oder CO₂-Schwankungen. Rotalgen können ihren Kohlenstoffbedarf besonders effizient aus der Karbonathärte decken. Manche Pflanzen wie Vallisnerien beherrschen das zwar auch (biogene Entkalkung), aber Rotalgen sind dabei deutlich effizienter. Wenn dein CO₂-Wert morgens niedrig und nachmittags hoch ist, haben Rotalgen genau in den Schwachphasen einen Vorteil. Zweiter Faktor: zu viel Eisen im Dünger. Alles über 0,1 mg/l füttert die Pinselalgen.

Bekämpfung: CO₂ stabilisieren und gleichmäßig halten. Eisendüngung auf 0,05–0,1 mg/l reduzieren. Stark befallene Blätter abschneiden. Befallenes Hardscape außerhalb des Beckens mit 3 % Wasserstoffperoxid bespritzen, 5–10 Minuten einwirken lassen, abspülen. Bei Bartalgen zusätzlich die Strömung am Filterauslass umlenken.

Blaualgen (Cyanobakterien) — die falschen Algen

Streng genommen keine Algen, sondern Bakterien. Erkennbar an ihrem blaugrünen, schleimigen Belag und dem typischen modrig-erdigen Gestank. Sie wachsen brutal schnell — über Nacht kann sich die befallene Fläche verdoppeln. Cyanobakterien können Toxine produzieren, die auch für Garnelen gefährlich sind.

Ursache: Schlechte Durchströmung, zu wenig Nitrat bei gleichzeitig hohem Phosphat und alte, verdichtete Bodengrund-Bereiche mit anaeroben Zonen.

Bekämpfung: Mechanisch so viel wie möglich absaugen. Dann eine Dunkelkur: 5–7 Tage komplett abdunkeln (Decke übers Becken, kein Streulicht). Danach 50–70 % Wasserwechsel. Gleichzeitig Strömung verbessern und Nitrat auf mindestens 10 mg/l bringen. Klingt paradox — Nitrat erhöhen gegen Algen? Ja, weil Cyanobakterien als Stickstoff-Fixierer genau dann blühen, wenn Nitrat fehlt. Pflanzen brauchen aber Nitrat zum Wachsen. Gibst du Kaliumnitrat dazu, können die Pflanzen wieder konkurrieren.

Kieselalgen (braune Beläge) und Pelzalgen (kurzer grüner Rasen) sind vergleichsweise harmlos. Kieselalgen treten in der Einfahrphase auf und verschwinden meist von selbst. Pelzalgen dämmst du durch leichte Lichtreduktion und Algenfresser-Einsatz ein.

Garnelen als Algenfresser — wer frisst was?

Garnelen gelten als die Putzkolonne der Aquaristik. Das stimmt — aber nur, wenn du die richtigen Garnelen für die richtige Algenart einsetzt. Hier trennt sich Mythos von Realität.

Amano-Garnelen (Caridina multidentata) — die Profis

Die unangefochtenen Champions unter den Algenfressern. Amano-Garnelen werden bis zu 5–6 cm groß und haben einen unersättlichen Appetit auf weiche Algen. Ihr Spezialgebiet: Fadenalgen. Besonders die jungen Weibchen sind als Fadenalgen-Vernichter ungeschlagen — sie fressen sogar harte Fadenalgen, die andere Tiere komplett ignorieren. Daneben räumen sie Aufwuchsalgen, Kieselalgen und Staubalgen zuverlässig ab.

Dosierung: 1 Amano pro 5–10 Liter Wasser. Mindestgruppe: 10 Tiere, darunter sind sie deutlich weniger aktiv. In einem 60-Liter-Becken mit moderatem Algendruck starten mit 10–15 Amanos. Kaufe sie in größerer Gruppe beim Online-Händler (1,50–2,50 Euro bei Abnahme von 10+), nicht einzeln für 4–5 Euro im Zoohandel.

Wichtiger Trick: Nach dem Einsetzen erstmal kein Futter reinwerfen. Gar keins. Die Amanos sollen hungrig sein und die Algen als einzige Nahrungsquelle entdecken. Sobald sie lernen, dass Fischfutter bequemer ist als Algenfressen, werden sie faul. Nach 3–5 Tagen kannst du dünn füttern — eine Scheibe überbrühte Zucchini oder ein Tab. Aber sparsam.

Neocaridina (Red Cherry, Blue Dream & Co.) — die Grundreiniger

Neocaridina-Garnelen fressen keinen Fadenalgen und gehen nicht gezielt gegen bestimmte Algenarten vor. Aber: Sie grasen permanent Aufwuchs, Biofilm, Mikroalgen und junge Grünalgen von allen Oberflächen ab. Das verhindert, dass sich Algenprobleme aufbauen. Ein gut besetztes Neocaridina-Becken (1 Garnele pro 1–2 Liter) hat merklich weniger Belag auf Scheiben, Blättern und Hardscape.

Bienengarnelen (Caridina) fressen ähnlich wie Neocaridina, sind aber weniger und langsamer. Algenfressen ist nicht ihre Stärke.

Das Traum-Team: Amano + Neocaridina

Die Kombination funktioniert hervorragend. Amanos erledigen die Fadenalgen, Neocaridina halten den Aufwuchs kurz. Verschiedene Nischen, keine Konkurrenz, keine Aggression. In einem 60-Liter-Becken: 10–15 Amanos + 20–30 Neocaridina + 3–5 Rennschnecken. Das hält das Becken sauberer als jedes Algenmittel.

AlgenartAmano-GarnelenNeocaridinaRennschnecken
FadenalgenJa — SpezialgebietNeinNein
Aufwuchs/StaubalgenGutGutSehr gut
KieselalgenGutEtwasSehr gut
PinselalgenNeinNeinNein
BartalgenNeinNeinNein
BlaualgenNein (giftig)Nein (meiden sie)Nein
Pelzalgen (weich)JaKaumJa

Was keine Garnele schafft: Pinselalgen, Bartalgen und Blaualgen. Die ersten beiden sind zu hart, Blaualgen sind potenziell giftig. Hier musst du mit manueller Entfernung und Ursachenbekämpfung ran.

Algenmittel im Garnelenbecken — was ist sicher, was ist tödlich?

Im Zoohandel stehen Dutzende Fläschchen mit Versprechen wie „Algen weg in 3 Tagen“. Manche davon funktionieren tatsächlich. Aber in einem Garnelenbecken können die meisten davon deine Tiere umbringen.

Das Kupfer-Problem — der größte Feind deiner Garnelen

Viele Algenmittel, Schneckenmittel und sogar manche Pflanzendünger enthalten Kupfer. Für Fische in geringen Dosen vertretbar, für Garnelen tödlich. Der Grund: Garnelen transportieren Sauerstoff nicht mit Hämoglobin (eisenbasiert) wie Fische, sondern mit Hämocyanin — einem kupferbasierten Protein. Zusätzliches Kupfer im Wasser stört diesen Transportmechanismus massiv.

Bereits Konzentrationen unter 0,1 mg/l können für empfindliche Caridina-Arten tödlich sein. Neocaridina vertragen etwas mehr, aber auch sie sterben bei Kupfervergiftung. Und das Gemeine: Kupfer setzt sich im Bodengrund, in Steinen und im Filtermaterial fest. Einmal kupferhaltiges Mittel rein — und du hast wochen- bis monatelang ein verseuchtes Becken.

Symptome einer Kupfervergiftung: Die Garnelen werden unruhig, schwimmen hektisch durch das Becken, versuchen aus dem Wasser zu klettern. Dann werden sie apathisch, fallen auf die Seite, die Gliedmaßen zucken. Innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen tot.

Goldene Regel: Lies die Inhaltsstoffe. Immer. Steht irgendwo Kupfer, Kupfersulfat oder ein Hinweis auf Gefährlichkeit für Wirbellose — sofort zurücklegen.

Was ist garnelensicher?

MittelGarnelensicher?Wirksam gegenHinweise
Wasserstoffperoxid (H₂O₂, 3 %)Ja, bei korrekter DosierungPinselalgen, Bartalgen (punktuell)Max. 0,5–1 ml pro 10 l im Garnelenbecken, zerfällt zu Wasser + Sauerstoff
Flüssig-CO₂ (Glutaraldehyd, z. B. Easy Carbo)Ja, in empfohlener DosierungPinselalgen, BartalgenPunktuell mit Spritze auftragen, nicht überdosieren
UV-KlärerJa, komplett unbedenklichSchwebealgen (Grünwasser)Physikalisch, keine Chemie
Kupferhaltige AlgenmittelNEIN — TÖDLICHDiverseFinger weg im Garnelenbecken
Anti-Cyano-Produkte (kupferfrei)Meist jaBlaualgenInhaltsstoffe prüfen, „garnelensicher“ muss draufstehen
Antibiotika (Erythromycin)VerschreibungspflichtigCyanobakterienIn der EU ohne Tierärztl. Verschreibung verboten (TAMG)

Easy Carbo / Glutaraldehyd im Detail:

Easy Carbo ist als „Flüssig-CO₂“ vermarktet, enthält aber Glutaraldehyd — ein industrielles Desinfektionsmittel, das Algen bei Kontakt abtötet. In der empfohlenen Dosierung vertragen Garnelen das Mittel. Viele Halter setzen es seit Jahren ohne Verluste ein. Aber: Überdosierung ist gefährlich. Bei zu hoher Konzentration können empfindliche Moose (besonders Riccia) absterben, und der plötzliche Sauerstoffverbrauch durch absterbende Algen kann Garnelen stressen.

Die beste Methode: Mit einer Spritze mit Nadel gezielt auf Pinselalgen oder Bartalgen sprühen. Vorher die Strömung abstellen, damit das Mittel nicht sofort verteilt wird. 10 Minuten warten, Strömung wieder an. Die Algen werden nach 2–3 Tagen rot und sterben ab. Danach großer Wasserwechsel.

Wasserstoffperoxid (H₂O₂) — das nützlichste Werkzeug:

H₂O₂ ist ein starkes Oxidationsmittel, das Algenzellmembranen bei Kontakt zerstört. Im Wasser zerfällt es in Wasser und Sauerstoff — keine Rückstände, keine Ablagerungen. Bei korrekter Dosierung (max. 0,5–1 ml 3%iges H₂O₂ pro 10 Liter im Garnelenbecken) vertragen Garnelen es. Für punktuelle Behandlung: Strömung abstellen, mit einer Spritze direkt auf die Alge spritzen, 10 Minuten warten. Nie überdosieren, besonders nicht in Becken unter 20 Litern.

Pflanzen als Waffe gegen Algen

Die nachhaltigste Algenbekamäpfung ist keine Chemie und kein Werkzeug. Es sind Pflanzen. In einem dicht bepflanzten Aquarium haben Algen schlicht keine Chance, weil die Pflanzen ihnen Nährstoffe und Licht wegnehmen.

Algen im Aquarium bekämpfen — Arten erkennen und loswerden: Pflanzen als Waffe gegen Algen

Warum Pflanzen die beste Anti-Algen-Strategie sind:

Algen und Aquarienpflanzen konkurrieren um dieselben Ressourcen: Licht, Kohlenstoff, Stickstoff, Phosphor, Eisen. Gesunde, schnell wachsende Pflanzen nehmen den Algen alles weg. In einem Becken mit kümmernden Pflanzen oder gar keinen Pflanzen gibt es keine Konkurrenz — und die Algen übernehmen.

Die effektivsten Pflanzen gegen Algen:

Schwimmpflanzen (Froschbiss, Salvinia, Red Root Floater) — Die wirksamste Waffe. Schwimmpflanzen haben direkten Zugang zum CO₂ in der Luft (unbegrenzter Vorrat) und ziehen gleichzeitig Nitrat und Phosphat aus dem Wasser. Diese Kombination macht sie zu den leistungsfähigsten Nährstoffzehrern im Aquarium. Gleichzeitig beschatten sie das Becken und bremsen so das Algenwachstum zusätzlich. Drei, vier Rosetten Froschbiss reichen für den Anfang — die vermehren sich schnell genug.

Hornkraut (Ceratophyllum demersum) — Der Turbo-Nährstoffzehrer. Keine Wurzeln, schwebt einfach im Wasser, wächst unfassbar schnell. In der Einfahrphase Gold wert, weil es überschüssige Nährstoffe bindet, bevor Algen zugreifen. Nachteil: Muss regelmäßig gekürzt werden.

Moose (Javamoos, Christmas-Moos) — Bieten durch ihre fein verzweigte Struktur enorm viel Oberfläche für Biofilm. Garnelen grasen ständig daran und halten die Oberflächen sauber. Gesundes Moos ist ein Zeichen für ein funktionierendes System.

Vallisnerien und Wasserpest — Schnellwachsende Pflanzen, die massiv Nährstoffe entziehen. Ideal als biologischer Filter in der Startphase.

Praktischer Tipp: In einem frisch eingerichteten Becken sofort dicht bepflanzen. Nicht mit drei Pflanzentöpfen starten und hoffen, dass die sich ausbreiten. Mindestens 60–70 % der Bodenfläche bepflanzen, zusätzlich Schwimmpflanzen. Das kost et etwas mehr, spart dir aber Wochen an Algenkämpfen.

Die richtige Düngung ist dabei entscheidend: Nicht düngen ist genauso falsch wie überdüngen. Pflanzen, die mangels Nährstoffen kümmern, sind keine Konkurrenz für Algen. Gezielt düngen, Wasserwerte testen und anpassen — so hältst du deine Pflanzen stark und die Algen klein.

Praxis-Leitfaden: Algen Schritt für Schritt bekämpfen

Du hast ein Algenproblem und willst es systematisch lösen? Kein blindes Chemie-Gießen, kein Raten. Hier der bewährte Plan, der in Garnelenbecken sicher funktioniert.

Schritt 1: Alge bestimmen (Tag 1)

Welche Alge hast du? Das ist entscheidend. Mach ein Foto bei guter Beleuchtung, möglichst nah dran. Vergleiche mit der Tabelle oben. Falls du unsicher bist: Poste das Foto in einem Garnelen-Forum. Die Bestimmung der Algenart entscheidet über die komplette Strategie.

Schritt 2: Großreinigung und Wasserwechsel (Tag 1–2)

Manuell so viel Alge wie möglich entfernen. Fadenalgen aufwickeln, Beläge abschrubben, befallene Blätter abschneiden. Dann ein großer Wasserwechsel: 50 % bei Fischbecken, in Garnelenbecken lieber 2x 20 % an zwei Tagen, um die Tiere nicht zu stressen. Temperatur und Wasserwerte des Wechselwassers exakt anpassen.

Vorsicht: Vor dem Rausziehen von Algennestern prüfen, ob Junggarnelen drin sitzen. Die verstecken sich gerne in Fadenalgen-Knäueln.

Schritt 3: Ursache identifizieren (Tag 2–3)

Test: Beleuchtungsdauer auf 5 Stunden reduzieren. Eine Woche beobachten. Lassen die Algen nach? Dann war Licht das Problem. Falls keine Veränderung: Wassertest. Nitrat über 40 mg/l? Phosphat über 2 mg/l? Dann ist Überfütterung oder Überdüngung der Auslöser. Wenn beides nicht zutrifft: CO₂-Mangel prüfen — besonders bei Pinselalgen und Bartalgen.

Schritt 4: Gegenmaßnahmen einleiten (Woche 1–2)

  • Beleuchtung auf 6 Stunden reduzieren
  • Fütterung halbieren (Garnelen kommen mit weniger aus, als du denkst)
  • Düngung auf 50 % reduzieren oder eine Woche pausieren
  • Schnellwachsende Pflanzen einsetzen (Hornkraut, Schwimmpflanzen)
  • Bei Fadenalgen: 10–15 Amano-Garnelen einsetzen

Schritt 5: Stabilisierung (Woche 3–6)

  • Wasserwechsel auf 25–30 % pro Woche beibehalten
  • Beleuchtung langsam auf 7–8 Stunden erhöhen
  • Düngung schrittweise wieder aufnehmen, orientiert an den Wasserwerten
  • Manuelles Entfernen fortsetzen — alle paar Tage durchs Becken gehen

Zeitrahmen: Der gesamte Prozess dauert 4–8 Wochen. Es gibt keine Abkürzung. Geduld und Konsequenz schlagen jedes Algenmittel. Wenn nach 8 Wochen keine Besserung eintritt: Leitungswasser auf Silikat und Phosphat testen. Manchmal ist das Ausgangswasser so nährstoffreich, dass Wasserwächsel das Problem sogar verstärken. In dem Fall hilft der Umstieg auf Osmosewasser mit gezielter Aufhärtung.

Häufige Fragen zu Algen im Aquarium

Welche Algen fressen Garnelen wirklich?

Amano-Garnelen (Caridina multidentata) fressen Fadenalgen, Aufwuchsalgen und Kieselalgen. Neocaridina-Arten grasen Biofilm, Mikroalgen und junge Grünalgen ab. Keine Garnelenart frisst Pinselalgen, Bartalgen oder Blaualgen — diese sind zu hart oder giftig.

Sind Algenmittel gefährlich für Garnelen?

Ja, die meisten handelsüblichen Algenmittel enthalten Kupfer, das für Garnelen schon in Spuren tödlich ist. Garnelen nutzen das kupferbasierte Hämocyanin für den Sauerstofftransport — zusätzliches Kupfer stört diesen Mechanismus. Garnelensichere Alternativen: Wasserstoffperoxid (3 %, niedrig dosiert), Flüssig-CO₂ (Easy Carbo, punktuell) und UV-Klärer.

Wie viele Amano-Garnelen brauche ich gegen Algen?

Als Faustregel 1 Amano pro 5–10 Liter Wasser. Die Mindestgruppe liegt bei 10 Tieren, da sie in kleineren Gruppen deutlich weniger aktiv fressen. Für ein 60-Liter-Becken mit moderatem Algendruck: 10–15 Amanos als Startwert.

Hilft eine Dunkelkur gegen alle Algenarten?

Nein. Dunkelkuren (5–7 Tage komplette Verdunkelung) wirken gegen Cyanobakterien (Blaualgen) und teilweise gegen Grünalgen. Gegen Pinselalgen, Bartalgen und Kieselalgen bringt eine Dunkelkur wenig bis gar nichts — diese Algenarten überstehen längere Dunkelphasen problemlos.

Können Algen Garnelen schaden?

Die Algen selbst sind für Garnelen harmlos — im Gegenteil, sie dienen als Nahrung. Gefährlich werden Cyanobakterien (Blaualgen), die Toxine produzieren können. Außerdem können massive Algenteppiche den Sauerstoffgehalt nachts senken, wenn die Algen statt Sauerstoff zu produzieren selbst Sauerstoff verbrauchen. Regelmäßige Belüftung schützt davor.

Alle Artikel im Garnelen-Wiki

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