Aquarienpflanzen für Garnelen — Der komplette Guide

Welche Pflanzen Garnelen wirklich brauchen, welche Biofilm liefern und wie du dein Becken richtig bepflanzt.

Inhaltsverzeichnis

Warum Pflanzen im Garnelenbecken unverzichtbar sind

Stell dir mal ein Garnelenbecken ohne Pflanzen vor. Kiesboden, nackter Filter, vielleicht ein Stein. Die Garnelen sitzen zusammengedrängt in einer Ecke und haben null Deckung. Klingt trostlos? Ist es auch. Aber das Problem geht weit über die Optik hinaus.

Aquarienpflanzen für Garnelen — Der komplette Guide: Warum Pflanzen im Garnelenbecken unverzichtbar sind

Pflanzen sind in einem Garnelenbecken keine Deko. Sie sind Infrastruktur. Ohne sie funktioniert das ganze System schlechter — oder gar nicht. Und das hat fünf handfeste Gründe.

Erstens: Biofilm. Das ist das große Ding. Auf jeder Blattoberfläche, auf jedem Moostrieb, auf jeder Wurzel siedeln sich Bakterien, Mikroalgen und winzige Organismen an. Dieser Biofilm ist die Hauptnahrung deiner Garnelen. Nicht das Futter, das du reinwirfst — das ist ein Snack. Die eigentliche Vollzeitbeschäftigung einer Garnele ist Aufwuchs abraspeln. Mehr Pflanzenoberfläche bedeutet mehr Weidefläche, und mehr Weidefläche bedeutet besser ernährte Tiere.

Besonders Moose sind Biofilm-Maschinen. Ihre fein verzweigte Struktur bietet pro Quadratzentimeter ein Vielfaches an Oberfläche im Vergleich zu einem glatten Anubias-Blatt. Deshalb findest du in jedem vernünftigen Garnelenbecken mindestens eine Moosart.

Zweitens: Verstecke für den Nachwuchs. Baby-Garnelen sind winzig. Wirklich winzig — zwei, drei Millimeter nach dem Schlupf. In einem leeren Becken sind sie Freiwild. Selbst friedliche Mitbewohner wie Schnecken können ihnen gefährlich werden. Dichte Pflanzenpolster, vor allem Moose und Schwimmpflanzenwurzeln, geben den Kleinen den Schutz, den sie brauchen. Ohne diese Verstecke überlebt in vergesellschafteten Becken kaum ein Jungtier. Selbst in reinen Garnelenbecken kommen mehr Babys durch, wenn genug Deckung vorhanden ist.

Drittens: Häutungsschutz. Garnelen häuten sich regelmäßig, um zu wachsen. Direkt nach der Häutung ist der neue Panzer weich. Die Garnele ist in diesem Moment extrem verwundbar — sie kann sich kaum bewegen und ist für Artgenossen eine leichte Beute. Frisch gehäutete Tiere verschwinden sofort in dichtem Moos oder zwischen Pflanzen und bleiben dort, bis der Panzer aushärtet. Ohne Verstecke steigt das Risiko von Kannibalismus. Ja, das kommt vor. Auch bei ansonsten friedlichen Neocaridina.

Viertens: Wasserqualität. Pflanzen nehmen Nitrat und Phosphat auf — genau die Stoffe, die sich im Aquarium anreichern und in hohen Konzentrationen zum Problem werden. Sie produzieren Sauerstoff, stabilisieren den pH-Wert und unterstützen den gesamten Stickstoffkreislauf. Ein dicht bepflanztes Becken hat messbar bessere Wasserwerte als ein leeres. Das heißt weniger Wasserwechsel, weniger Stress, weniger Ausfälle.

Schnellwachsende Pflanzen wie Hornkraut oder Froschbiss sind besonders effektive Nährstoffzehrer. In der Einfahrphase leisten sie unbezahlbare Dienste, weil sie überschüssige Nährstoffe binden, bevor sich Algen darüber hermachen. Wie du deine Pflanzen langfristig mit den richtigen Nährstoffen versorgst, erklärt der Dünge-Guide.

Fünftens: Algenvorbeugung. Wo Pflanzen die Nährstoffe verbrauchen, bleiben für Algen nur Krümel übrig. Ein dicht bepflanztes Becken hat fast immer weniger Algenprobleme als ein karg eingerichtetes. Das stabilisiert das komplette Ökosystem und spart dir Arbeit. Kein Algenkratzen, keine Chemie, kein Ärger.

Kurz: Pflanzen machen alles besser. Mehr Nahrung, mehr Schutz, besseres Wasser, weniger Algen. Es gibt keinen einzigen Grund, auf sie zu verzichten — und ungefähr fünfzig, sie reinzusetzen.

Die fünf Pflanzentypen im Überblick

Nicht jede Pflanze ist gleich. Im Garnelenbecken gibt es fünf Kategorien, und jede hat ihre Stärken. Wenn du weißt, was jeder Typ kann, setzt du dein Becken gezielter zusammen.

Aquarienpflanzen für Garnelen — Der komplette Guide: Die fünf Pflanzentypen im Überblick

1. Moose — die Nummer eins für Garnelen

Kein Pflanzentyp wird so einstimmig empfohlen wie Moose. Javamoos, Christmas-Moos, Flame-Moos — sie alle bieten durch ihre fein verzweigte Struktur massenhaft Oberfläche für Biofilm und perfekte Verstecke für Jungtiere. Moose brauchen kein besonderes Substrat, kein CO2 und nur wenig Licht. Du bindest sie auf einen Stein oder eine Wurzel und fertig. Mehr dazu im Moos-Guide.

2. Schwimmpflanzen — die unterschätzten Helfer

Froschbiss, Salvinia, Red Root Floater. Sie treiben an der Oberfläche und ihre Wurzeln hängen ins Wasser. Garnelen lieben diese Wurzeln — sie klettern daran hoch und grasen den Biofilm ab. Gleichzeitig entziehen Schwimmpflanzen dem Wasser massiv Nährstoffe und beschatten das Becken, was Algen bremst. Der Schwimmpflanzen-Guide hat alle Details.

3. Aufsitzerpflanzen — Anubias, Bucephalandra, Javafarn

Diese Pflanzen wachsen nicht im Boden. Du befestigst sie auf Steinen oder Wurzeln, und sie halten sich dort mit Haftwurzeln fest. Perfekt für Low-Tech-Becken: kein CO2 nötig, wenig Licht reicht, langsam wachsend aber robust. Ihre breiten Blätter bilden Biofilm, und Garnelen weiden dort stundenlang.

4. Bodendecker — der grüne Teppich

Eleocharis (Nadelsimse), Cryptocorynen, Helanthium — sie bilden dichte Rasen oder Büsche am Boden. Junggarnelen verstecken sich gerne zwischen den Halmen. Bodendecker brauchen je nach Art etwas mehr Licht, manche profitieren von CO2. Aber es gibt genügsame Arten, die auch im Low-Tech-Becken funktionieren.

5. Stängelpflanzen — die Wasserputzer

Hornkraut, Wasserpest, Hygrophila. Sie wachsen schnell, manchmal aggressiv schnell, und entziehen dem Wasser dabei tonnenweise Nährstoffe. Perfekt für die Einfahrphase und als biologischer Filter. Nachteil: Du musst sie regelmäßig zurückschneiden, sonst überwuchern sie alles. Vallisnerien sind botanisch Rosettenpflanzen und gehören nicht in diese Gruppe — sie wachsen aber ebenfalls schnell und sind starke Nährstoffzehrer.

Das ideale Garnelenbecken kombiniert mindestens drei dieser Typen. Moos als Basis, eine Schwimmpflanze für den Nährstoffentzug und eine Aufsitzerpflanze für die Optik — damit hast du schon 80 Prozent abgedeckt. Der Rest ist Feintuning.

Top 5 Anfänger-Pflanzen

Du willst nicht stundenlang Pflanzendatenbanken durchforsten? Fair. Hier sind fünf Pflanzen, die in jedem Garnelenbecken funktionieren. Alle verzeihen Fehler, brauchen kein CO2 und kein Speziallicht.

Bepflanztes Aquarium mit Bodendecker, Cryptocorynen und Vallisnerien, Garnelen auf Eleocharis-Halmen

1. Javamoos (Taxiphyllum barbieri)

Der Klassiker. Seit über hundert Jahren in der Aquaristik, und das aus gutem Grund. Javamoos kommt mit fast allem klar: pH 5-8, Temperatur 18-28°C (optimal), toleriert kurzfristig 15-30°C, Licht von schwach bis stark. Du kannst es auf einen Stein binden, an eine Wurzel kleben oder einfach als losen Klumpen ins Becken werfen — es wächst. Die fein verzweigten Triebe sind DER Hotspot für Biofilm, und Baby-Garnelen verschwinden darin wie in einem Dschungel.

Schwierigkeit? Praktisch null. Flowgrow stuft es als „sehr einfach" ein, und das ist noch untertrieben. Javamoos stirbt nur, wenn du es aktiv umbringst. Es ist die anspruchsloseste Aquarienpflanze überhaupt.

Was du beachten musst: Bei wenig Licht wächst es lockerer und langsamer. Bei viel Licht wird es dichter, kann aber auch verfilzen. Alle paar Monate mal ausdünnen, Algenbeläge entfernen, fertig.

Kosten: Eine Portion kostet 5-8 Euro im Handel. Oft bekommst du es auch geschenkt — jeder Garnelen-Halter hat zu viel davon.

2. Anubias barteri var. nana (Zwergspeerblatt)

Eine Aufsitzerpflanze aus Kamerun mit dicken, dunkelgrünen Blättern. 5-10 cm hoch, extrem langsam wachsend, praktisch unkaputtbar. Sie braucht wenig Licht — zu viel fördert sogar Algenbewuchs auf den Blättern.

Für Garnelen perfekt: Die breiten Blattoberflächen bilden eine gleichmäßige Biofilm-Schicht, und die Tiere sitzen stundenlang darauf und grasen. Du bindest Anubias auf einen Stein oder eine Wurzel. Das Rhizom — der waagerechte Stängel, aus dem Blätter und Wurzeln wachsen — darf auf keinen Fall im Boden vergraben werden. Sonst fault es. Auf dem Hardscape aufbinden oder mit Sekundenkleber (Gel) fixieren.

Es gibt auch eine Miniaturvariante: Anubias nana 'Petite'. Gesamthöhe nur 2-5 cm, Blätter unter 3 cm. Ideal für Nano-Aquarien.

Kosten: 5-9 Euro für einen Topf.

3. Javafarn (Microsorum pteropus)

Noch eine Aufsitzerpflanze. Javafarn stammt aus dem tropischen Asien und wird je nach Variante 5-50 cm groß. Die Standardform bildet längliche, gewellte Blätter, die sich büschelartig ausbreiten. 'Windelov' hat fransige Blattspitzen (10-17 cm), 'Trident' schmale, dreigeteilte Blätter (15-20 cm).

pH 5-8, Temperatur 20-28°C, wenig Licht reicht. Kein CO2 nötig. Javafarn vermehrt sich auf eine coole Art: An alten Blättern wachsen winzige Pflänzchen (Adventivpflanzen). Du pflückst sie ab und befestigst sie woanders. Kostenloser Nachschub.

Auch hier: Rhizom nicht eingraben. Aufbinden oder kleben. Die robusten Blätter bieten ordentlich Biofilm-Fläche.

Kosten: 4-8 Euro.

4. Hornkraut (Ceratophyllum demersum)

Jetzt kommt der Turbo-Nährstoffzehrer. Hornkraut hat keine Wurzeln — es schwebt einfach im Wasser oder du steckst es lose in den Boden. Es wächst unfassbar schnell, zählt zu den schnellstwachsenden Aquarienpflanzen überhaupt. pH 6-9, Temperatur 10-30°C, wenig Ansprüche.

Für Garnelen doppelt nützlich: Die federartigen Blätter bieten Verstecke, und der massive Nährstoffentzug hält das Wasser sauber und bremst Algen. In der Einfahrphase eines neuen Beckens ist Hornkraut Gold wert.

Nachteil: Du musst es regelmäßig kürzen und ausdünnen. Es kann wirklich zur Plage werden. Aber hey — verschenk den Überschuss einfach über den Marktplatz.

Kosten: 3-5 Euro für eine Portion. Oft umsonst, weil jeder es loswerden will.

5. Froschbiss (Limnobium laevigatum)

Die Schwimmpflanze Nummer eins für Garnelen. Froschbiss bildet Rosetten mit runden, leicht glänzenden Blättern, die an der Oberfläche treiben. Das Interessante: Die Wurzeln. Sie werden sehr lang und hängen verzweigt ins Wasser. Garnelen klettern daran hoch und grasen den Biofilm ab. Jungtiere nutzen das Wurzelgeflecht als Versteck.

Temperaturbereich 15-28°C, pH 5-8, kein CO2 nötig (nimmt es aus der Luft). Als Schwimmpflanze beschattet er das Becken leicht und entzieht dem Wasser effektiv Nitrat.

Froschbiss ist empfindlicher gegenüber Tropfwasser als oft angenommen. In Becken mit Abdeckung kann Kondenswasser die Blätter beschädigen — genug Abstand zur Abdeckscheibe oder ein offenes Becken sind ideal.

Wächst sehr schnell. Alle paar Wochen die Hälfte rausfischen, damit genug Licht für die Unterwasserpflanzen bleibt.

Kosten: 3-6 Euro für 5-10 Rosetten.

Zusammengerechnet: Für 20-35 Euro hast du diese fünf Pflanzen im Becken und damit alles, was deine Garnelen brauchen. Biofilm, Verstecke, Nährstoffentzug, Beschattung. Das ist der günstigste und effektivste Weg zu einem funktionierenden Garnelenbecken.

Weiterlesen: Die besten Pflanzen für das Garnelenbecken

Moose — das Herzstück jedes Garnelenbeckens

Wenn du nur eine einzige Pflanzenart in dein Garnelenbecken setzen könntest, nimm ein Moos. Kein anderer Pflanzentyp kombiniert so viele Vorteile für Garnelen.

Garnelen auf dichtem Javamoos-Polster, Baby-Garnelen zwischen den Moosfaeden sichtbar

Die fein verzweigte Struktur von Moosen bietet pro Kubikzentimeter ein Vielfaches an Oberfläche im Vergleich zu normalen Wasserpflanzen. Das macht Moose zu perfekten Biofilm-Trägern. Bakterien, Mikroalgen, Einzeller, Rädertierchen — all das siedelt sich in und auf Moospolstern an. Deine Garnelen verbringen den Großteil ihres Tages damit, diese Aufwüchse abzuzupfen. In einem Moospolster ist immer Buffet.

Und dann die Versteckfunktion. Ein dichtes Moospolster ist für eine Baby-Garnele wie ein Labyrinth. Kein Fressfeind findet sie dort. Auch frisch gehäutete Tiere verschwinden sofort im Moos. Das ist purer Überlebensinstinkt — und funktioniert nur, wenn genug Moos vorhanden ist.

Die wichtigsten Moosarten im Vergleich:

Javamoos (Taxiphyllum barbieri) — Der Allrounder. pH 5-8, 15-30°C, wächst bei fast jedem Licht. Stammt aus Vietnam und ist seit über einem Jahrhundert in der Aquaristik etabliert. Bildet lockere bis dichte Polster, je nach Lichtstärke. Einfacher geht nicht.

Christmas-Moos (Vesicularia montagnei) — Benannt nach seiner tannenbaumartigen Wuchsform. Die dreieckig verzweigten Wedel mit nur 1-1,5 mm langen Blättchen sind besonders dicht und bieten exzellente Verstecke. Wächst langsamer als Javamoos und sieht deutlich strukturierter aus. pH 5-7,5, 18-26°C. Braucht mindestens mäßige Beleuchtung, um seine volle Schönheit zu entfalten.

Flame-Moos (Taxiphyllum sp. 'Flame') — Das Besondere: Die Triebe wachsen aufrecht und leicht spiralig verdreht — sieht aus wie grüne Flammen. Dadurch bietet es vertikale Versteckstrukturen, während die meisten anderen Moose flach wachsen. pH 5-8, 15-30°C. Braucht etwas mehr Licht als andere Moose, um den aufrechten Wuchs beizubehalten.

Daneben gibt es noch Weeping-Moos mit seinen hängenden Trieben (wie eine Trauerweide), Spiky-Moos mit stachlig wirkenden Polstern und Fissidens fontanus mit fedrig feinen Trieben. Korallenmoos (Riccardia chamedryfolia) ist ein Lebermoos mit rüschenförmigen, hellgrünen Wedeln, das aussieht wie winzige Korallen und dessen extrem hohe Oberfläche pro Fläche besonders intensiv von Garnelen abgeweidet wird.

Aufbinden: Moose haben keine Wurzeln im klassischen Sinn. Du befestigst sie auf Steinen, Wurzeln oder Gittern mit Baumwollfaden (löst sich nach ein paar Wochen auf, wenn das Moos angewachsen ist), dünnem Nylonfaden oder Sekundenkleber-Gel. Auf keinen Fall ins Substrat drücken — da verrotten sie.

Pflegetipp: Alle paar Monate die Moospolster ausdünnen. Wenn ein Moospolster zu dicht wird, verrottet das Innere, weil kein Wasser mehr hindurchströmt. Das merkst du an braunen, matschigen Stellen. Einfach auseinanderziehen, den gesunden Teil weiterverwenden, den Rest entsorgen.

Alles rund um Moosarten, Aufbinde-Techniken und die richtige Menge findest du im ausführlichen Moos-Guide.

Weiterlesen: Biofilm: Die unsichtbare Hauptnahrung deiner Garnelen

Schwimmpflanzen — der unterschätzte Helfer

Schwimmpflanzen stehen bei vielen Haltern nicht auf dem Schirm. Sie sind unsichtbar, wenn du von oben ins Becken schaust, und von vorne sieht man nur die Wurzeln. Aber genau die sind der Clou.

Draufsicht auf Schwimmpflanzen mit hängenden Wurzeln, Garnelen fressen Biofilm an den Wurzeln

Was Schwimmpflanzen leisten:

Sie entziehen dem Wasser Nitrat und Phosphat direkt aus der Wassersäule — und zwar effektiver als die meisten Unterwasserpflanzen. Der Grund: Ihre Blätter haben direkten Zugang zum CO2 in der Luft (unbegrenzter Vorrat), während sie Nährstoffe aus dem Wasser ziehen. Diese Kombination macht sie zu den leistungsfähigsten Nährstoffzehrern im Aquarium.

Gleichzeitig beschatten sie das Becken. Das bremst Algenwachstum und gibt lichtscheuen Garnelen ein angenehmeres Umfeld. Viele Garnelenarten fühlen sich unter einer leichten Schwimmpflanzendecke sichtbar wohler — sie zeigen bessere Farben und trauen sich öfter hervor.

Und dann die Wurzeln. Froschbiss-Wurzeln können 15-20 cm lang werden. Muschelblumen-Wurzeln noch länger. Diese Wurzelgeflechte sind Biotope im Miniformat: voller Biofilm, voller Leben. Garnelen klettern daran hoch, baby-Garnelen verstecken sich darin. In Aufzuchtbecken sind Schwimmpflanzen deshalb Pflicht.

Die besten Schwimmpflanzen für Garnelen:

Froschbiss (Limnobium laevigatum) — Der Favorit. Wächst sehr schnell, bildet lange Wurzeln, robuster als Muschelblume (die in der EU seit 2024 verboten ist). Bei Becken mit Abdeckung auf genug Abstand achten, damit kein Tropfwasser die Blätter schädigt. Vermehrt sich über Ausläufer. Alle zwei Wochen die Hälfte abfischen.

Salvinia auriculata (Kleinohriger Schwimmfarn) — Kleine, haarige Schwimmblätter mit modifizierten Unterwasserblättern, die wie kurze Wurzeln aussehen. Sehr pflegeleicht und schnell wachsend. Braucht viel Licht für üppiges Wachstum. Keine starke Strömung, sonst treiben die Blätter ständig unter.

Red Root Floater (Phyllanthus fluitans) — Der Hingucker. Runde Schwimmblätter, die unter starkem Licht tiefrot werden, bei schwachem Licht grün bleiben. Die namensgebenden roten Wurzeln bieten Verstecke und Biofilm-Fläche. Bei guten Bedingungen zeigt die Pflanze sogar winzige weiße Blüten.

Muschelblume (Pistia stratiotes) — Große, gerippte Rosetten mit extrem langen Wurzeln. Beeindruckend — aber seit August 2024 in der EU als invasive Art verboten (Handel, Haltung und Vermehrung untersagt). Nimm stattdessen Froschbiss oder Salvinia als Alternative.

Wasserlinsen (Lemna minor) — Winzige, 2-5 mm große Schwimmblättchen. Vermehrt sich explosionsartig. Garnelen weiden den Biofilm an der Unterseite ab und fressen absterbende Linsen. Klingt gut, hat aber einen Haken: Du wirst sie nie wieder los. Ernsthaft. Die winzigen Blätter hängen an jedem Kescher, jedem Schlauch, jeder Hand. Überleg dir dreimal, ob du sie wirklich willst. Wenn ja: regelmäßig zwei Drittel abfischen, sonst hast du eine Lichtundurchlässige Decke und deine Unterwasserpflanzen verkümmern.

Wichtig: Schwimmpflanzen brauchen offenen Zugang zur Luft. Starke Strömung an der Oberfläche drückt sie unter Wasser, starkes Gebläse trocknet die Blätter aus. Filterauslauf so richten, dass ein ruhiger Bereich an der Oberfläche entsteht. Bei Becken mit Deckel achte auf genug Abstand zur Wasseroberfläche — alle Schwimmpflanzen reagieren empfindlich auf Tropfwasser von der Abdeckung.

Alle Details zu Schwimmpflanzen stehen im Schwimmpflanzen-Guide.

Aufsitzerpflanzen — Anubias, Bucephalandra und Javafarn

Diese drei Pflanzengattungen haben eines gemeinsam: Sie wachsen nicht im Boden. Stattdessen halten sie sich mit Haftwurzeln an Steinen und Wurzeln fest. Das macht sie ideal für Garnelenbecken, wo der Bodengrund oft schon mit Soil oder feinem Kies belegt ist und kein Platz zum Einpflanzen bleibt.

Aufsitzerpflanzen auf Hardscape: Anubias auf Lavastein, Bucephalandra auf Wurzel, Javafarn auf Kokosnuss

Anubias — der Panzer unter den Pflanzen

Anubias barteri var. nana ist die verbreitetste Variante: 5-10 cm hoch, dunkelgrüne, ledrige Blätter, wächst extrem langsam. Sie kommt aus Kamerun und verträgt fast alles — pH 5-8, Temperaturen von 20 bis 30°C, Licht von schwach bis mittel. Starkes Licht mag sie nicht, weil sich dann Algen auf ihren langsam wachsenden Blättern ansiedeln.

Für Garnelen ist Anubias ein verlässlicher Biofilm-Lieferant. Die glatten, breiten Blätter bilden eine gleichmäßige Aufwuchsschicht, und du siehst regelmäßig drei, vier Garnelen nebeneinander auf einem Blatt sitzen und grasen.

Das Rhizom — der dicke, waagerechte Spross — darf nie im Boden verschwinden. Sonst fault es. Immer auf Hardscape aufbinden oder mit Sekundenkleber (Gel-Variante, kein flüssiger!) auf Stein oder Wurzel kleben.

Bucephalandra — der Geheimtipp für weiches Wasser

Bucephalandra kommt ausschließlich von der Insel Borneo und existiert in dutzenden Varianten: von 'Mini Needle Leaf' (ca. 2 cm) bis zu Arten mit 8-10 cm großen Blättern. Die Pflanzen wachsen sehr langsam und brauchen wenig — 20-40 Lumen pro Liter reichen, CO2 ist nicht nötig.

Besonders spannend für Caridina-Halter: Bucephalandra liebt weiches, leicht saures Wasser. Also genau die Bedingungen, die du sowieso für Crystal Red, Taiwan Bee und Co. fährst. Die Pflanze fühlt sich auf Stein wohler als auf Holz — Granit, Lava oder Schiefer sind perfekte Untergründe.

Ein Wort der Warnung: Bucephalandra ist das Briefmarkensammeln der Pflanzenszene. Es gibt hunderte Varianten mit blumigen Namen, und manche Leute stellen sich drei Becken nur für ihre Buce-Sammlung hin. Der Suchtfaktor ist real.

Javafarn — robust mit coolem Vermehrungstrick

Javafarn (Microsorum pteropus) stammt aus dem tropischen Asien. Er bildet büschelartige, gewellte Blätter und wird je nach Variante 5-50 cm groß. Die Standardform ist für 30-Liter-Becken fast zu groß — greif dann zur Variante 'Windelov' (10-17 cm, fransige Blattspitzen) oder 'Trident' (15-20 cm, schmal und dreizackig).

pH 5-8, 20-28°C, wenig Licht, kein CO2. Wie alle Aufsitzerpflanzen auf Hardscape befestigen. Der Clou: Javafarn vermehrt sich über Adventivpflanzen. An alten, etwas ramponiert aussehenden Blättern wachsen winzige Pflänzchen. Sieht anfangs wie ein Defekt aus, ist aber der natürliche Vermehrungsweg. Wenn die Mini-Pflanze ein paar Blätter und Wurzeln hat, kannst du sie abpflücken und woanders befestigen.

Alle drei Gattungen teilen einen entscheidenden Vorteil: Sie sind pflegeleicht. Kein Dünger nötig (Licht und die Nährstoffe im Wasser reichen), kein CO2, kein spezieller Bodengrund. Du klebst sie einmal fest und musst dich jahrelang nicht darum kümmern. Ab und zu ein abgestorbenes Blatt entfernen, das war's. Für Low-Tech-Becken sind sie die erste Wahl.

Bodengrund und Pflanzen — was passt zusammen

Die Wahl des Bodengrunds bestimmt, welche Pflanzen du problemlos halten kannst — und welche nicht. Drei Optionen sind im Garnelenbereich verbreitet.

Querschnittansicht Aquariensubstrat: Soil-Schicht unter Sandkappe mit durchwurzelnden Cryptocorynen

Aktiver Soil (z.B. Fluval Stratum, ADA Amazonia, Dennerle Scaper's Soil)

Soil ist gebrannte Erde, die den pH und die KH senkt — perfekt für Caridina-Garnelen und weiches Wasser. Gleichzeitig ist es vollgepackt mit Nährstoffen. Bodenwurzelnde Pflanzen wie Cryptocorynen, Eleocharis oder Stängelpflanzen wachsen darin wie verrückt. Moose und Aufsitzerpflanzen brauchen den Soil nicht direkt, profitieren aber von den freigesetzten Nährstoffen im Wasser.

Nachteil: Soil hat eine begrenzte Lebensdauer. Nach 1-2 Jahren lässt die pH-senkende Wirkung nach, und die Nährstoffe sind aufgebraucht. Du kannst dann nachdüngen, aber irgendwann muss der Soil raus.

Kies (2-3 mm Körnung)

Der Klassiker. Neutral — beeinflusst weder pH noch KH. Gibt den Pflanzen guten Halt, enthält aber keine Nährstoffe. Bodenwurzler brauchen hier Düngetabletten oder Nährboden unter dem Kies. Moose, Schwimmpflanzen und Aufsitzerpflanzen juckt das nicht — die wachsen überall.

Für Neocaridina-Becken völlig ausreichend. Günstig, hält ewig, sieht sauber aus.

Sand (0,5-1,5 mm)

Sieht edel aus und Garnelen lieben es, darauf zu gründeln. Aber: Sand ist dicht gepackt, Pflanzenwurzeln haben es schwer. Nur robuste Pflanzen wie Vallisnerien oder Cryptocorynen kommen damit klar. Feiner Sand kann außerdem verdichten und anaerobe Zonen bilden — da fault organisches Material ohne Sauerstoff. Regelmäßig leicht aufwühlen oder mit Turmdeckelschnecken nachhelfen.

Was passt wohin?

PflanzentypSoilKiesSand
Moose✅ (auf Hardscape)✅ (auf Hardscape)✅ (auf Hardscape)
Schwimmpflanzen✅ (schwimmen)✅ (schwimmen)✅ (schwimmen)
Aufsitzerpflanzen✅ (auf Hardscape)✅ (auf Hardscape)✅ (auf Hardscape)
Cryptocorynen✅ perfekt✅ mit Düngung⚠️ schwierig
Eleocharis✅ perfekt✅ mit CO2/Düngung⚠️ mit Düngung machbar
Stängelpflanzen✅ perfekt✅ mit Düngung⚠️ mit Düngung
Vallisnerien✅ gut✅ gut✅ robust genug

Die simple Regel: Wenn du hauptsächlich Moose, Aufsitzerpflanzen und Schwimmpflanzen verwendest, ist der Bodengrund egal. Diese drei Typen wachsen komplett unabhängig vom Substrat. Erst wenn du Bodendecker oder Stängelpflanzen willst, wird die Wahl relevant.

Für ein Anfänger-Setup mit Javamoos, Anubias und Froschbiss: Nimm einfachen dunklen Kies. Günstig, wartungsfrei, und deine Garnelen sehen auf dunklem Grund besser aus.

Weiterlesen: Bodengrund für Garnelen: Soil, Kies oder Sand?

Düngung im Garnelenbecken — was sicher ist und was nicht

Beim Thema Dünger gibt es in der Garnelen-Community exakt zwei Lager: Die einen düngen gar nicht, die anderen düngen vorsichtig. Beide Ansätze funktionieren — je nachdem, was du im Becken hast.

Drei Bepflanzungsplaene: Anfaenger, Fortgeschritten und Experte mit steigender Komplexität Garnelensichere Aquariendünger: Flüssigdünger, Düngekapseln und Eisenpräparat vor bepflanztem Becken

Wann du NICHT düngen musst:

Wenn dein Becken hauptsächlich langsam wachsende Pflanzen enthält — Moose, Anubias, Bucephalandra, Javafarn — reichen die Nährstoffe aus Fischfutter, Garnelenfutter und den Ausscheidungen der Tiere. Diese Pflanzen haben so niedrigen Nährstoffbedarf, dass das Aquarienwasser allein genügt. In gut besetzten Becken (15+ Garnelen auf 20-30 Liter) hast du eher zu viele Nährstoffe als zu wenige.

Wann Düngung sinnvoll ist:

Bei schnell wachsenden Pflanzen wie Stängelpflanzen, Bodendeckern oder wenn du ein dicht bepflanztes Aquascape betreibst. Hier kann ein leichter Eisenvolldünger helfen — das Eisen ist oft der begrenzende Faktor, weil es im Leitungswasser kaum vorkommt.

Was sicher ist:

Eisenvolldünger wie Easy Life Profito, Dennerle V30 Complete oder ADA Green Brighty Mineral. Diese Dünger enthalten Eisen und Spurenelemente in garnelensicheren Konzentrationen. Dosier sie nach Herstellerangabe oder leicht darunter.

Wurzeldünger-Tabs (z.B. JBL Die 7 Kugeln, Dennerle Deponit NutriBalls) sind ebenfalls sicher. Du drückst sie direkt neben die Pflanzenwurzel in den Bodengrund. Die Nährstoffe bleiben dort, wo sie hingehören, und kommen nicht ins freie Wasser.

Was GEFÄHRLICH ist:

Alles mit Kupfer. Kupfer ist für Garnelen hochgiftig — schon Konzentrationen ab 0,03 mg/l können tödlich sein. Manche Pflanzendünger enthalten Kupfer als Spurenelement. In den winzigen Mengen eines normalen Eisenvolldüngers ist das unbedenklich, weil die Konzentration im Becken vernachlässigbar bleibt.

Aber: Finger weg von Algenmitteln, die Kupfersulfat enthalten. Und von Universaldüngern aus dem Gartenbereich. Die sind für Zimmerpflanzen gedacht, nicht für Aquarien, und enthalten teils hundertfach höhere Kupferkonzentrationen.

Faustregel: Je weniger du düngst, desto sicherer fährst du. In einem Garnelenbecken mit Moosen und Aufsitzerpflanzen brauchst du null Dünger. Wenn du Bodendecker oder Stängelpflanzen hast: ein halber Pumpenhub Eisenvolldünger pro Woche nach dem Wasserwechsel. Beobachte die Pflanzen. Gelbe Blätter oder löchrige Blätter bei Cryptos deuten auf Nährstoffmangel hin. Dann langsam steigern. Einen ausführlichen Guide zum Thema findest du unter Aquarienpflanzen richtig düngen.

Ein Satz noch zu Soil: Aktiver Soil enthält bereits Nährstoffe für mehrere Monate. In den ersten drei bis sechs Monaten nach dem Einsetzen musst du überhaupt nicht düngen. Die Pflanzen ziehen alles aus dem Boden.

CO2 — braucht man das?

Für die meisten Garnelenbecken ist eine CO2-Düngung nicht nötig. Pflanzen wie Javamoos, Anubias, Javafarn und Schwimmpflanzen wachsen auch ohne CO2-Zufuhr zuverlässig. CO2 wird erst relevant, wenn du anspruchsvolle Bodendecker wie HC Cuba oder intensiv rote Pflanzen wie Rotala macrandra pflegen möchtest. Für ein reines Garnelenbecken mit robusten Pflanzen reicht das natürlich im Wasser gelöste CO2 völlig aus.

Aquarienpflanzen-Pflege: Stengelpflanzen werden mit gebogener Schere getrimmt CO2-Anlage mit Druckflasche, Blasenzähler und Glasdiffusor im dicht bepflanzten Aquarium mit Garnelen

Die meisten Pflanzen, die in Garnelenbecken funktionieren, brauchen kein zusätzliches CO2. Javamoos? Wächst ohne CO2 seit hundert Jahren. Anubias? Kein CO2 nötig. Javafarn? Nope. Hornkraut? Schon gar nicht. Froschbiss? Nimmt CO2 direkt aus der Luft.

CO2-Anlagen kosten 50-200 Euro (Bio-CO2-Systeme) oder 150-500 Euro (Druckgasanlagen), brauchen regelmäßige Wartung und müssen korrekt eingestellt werden. Zu viel CO2 senkt den pH-Wert abrupt — und pH-Schwankungen sind einer der größten Stressfaktoren für Garnelen. Eine falsch eingestellte CO2-Anlage kann über Nacht den pH so weit drücken, dass deine Tiere morgens tot auf dem Boden liegen.

Wann CO2 trotzdem Sinn macht:

Wenn du ein Aquascape mit anspruchsvollen Bodendeckern (Hemianthus callitrichoides 'Cuba', Glossostigma, Rotala) betreibst. Diese Pflanzen bilden ohne CO2 keinen dichten Teppich. Für das typische Garnelenbecken sind sie aber ohnehin überdimensioniert.

Manche Moosarten wachsen mit CO2 etwas dichter und satter. Das ist ein optischer Bonus, kein Muss.

Was du statt CO2 tun kannst:

Setz auf Pflanzen, die ohne CO2 gedeihen. Die Liste ist lang. Moose, Aufsitzerpflanzen, Schwimmpflanzen, Hornkraut, Wasserpest, Cryptocorynen, Vallisnerien, Eleocharis — all das wächst ohne CO2 problemlos. Nicht ganz so schnell und üppig wie mit, aber ausreichend für ein schönes, funktionales Garnelenbecken.

Wenn du trotzdem CO2 einsetzen willst:

Bio-CO2 (Hefegärung) ist die sanfteste Methode. Die CO2-Produktion schwankt zwar, aber die Menge ist so gering, dass ein pH-Crash nahezu ausgeschlossen ist. Kosten: 20-40 Euro für ein Starterkit, dann alle paar Wochen die Hefemischung erneuern.

Druckgasanlagen bieten präzise Kontrolle, sind aber teurer und erfordern einen Dropchecker zur Überwachung. Bei Garnelen die Zugabe so einstellen, dass der Dropchecker grün zeigt (ca. 20-25 mg/l CO2) und nachts unbedingt abschalten. Über Nacht verbrauchen Pflanzen keinen CO2, aber sie verbrauchen Sauerstoff. Zusätzliches CO2 in der Nacht verdrängt den ohnehin knappen Sauerstoff.

Alles rund um CO2-freie Bepflanzung steht im Low-Tech-Pflanzen-Guide.

Pflanzen die du meiden solltest

Nicht alles, was grün ist und unter Wasser wächst, gehört ins Garnelenbecken. Es gibt ein paar echte Risiken, die du kennen musst.

Problematische Aquarienpflanzen: lichtblockierende Wasserpest, Kupferrückstände und schmelzende Echinodorus

Problem Nummer eins: Pestizide auf Pflanzen aus dem Handel

Das ist der Punkt, an dem es ernst wird. Wasserpflanzen aus Gärtnereien und Gartencentern werden oft mit Insektiziden behandelt — gegen Blattläuse, Schnecken, Schädlinge. Für Fische sind die Rückstände meist harmlos. Für Wirbellose wie Garnelen können sie tödlich sein. Und zwar schon in Konzentrationen, die du nicht messen kannst.

Das passiert leider immer wieder: Jemand kauft im Baumarkt einen Topf „Aquarienpflanzen", setzt sie ins Becken, und zwei Tage später liegen die Garnelen tot auf dem Boden. Die Pflanze sieht okay aus. Das Wasser testet normal. Aber die Pestizide auf den Blättern haben gereicht.

Die Lösung: In-Vitro-Pflanzen. Das sind Pflanzen, die im Labor in sterilem Gel gezüchtet werden. Keine Erde, keine Schädlinge, keine Pestizide. Sie kommen in kleinen Plastikbechern und sind garantiert garnelensicher. Kosten etwas mehr (5-10 Euro pro Becher), aber die Sicherheit ist es wert.

Wenn du konventionelle Pflanzen (Topfware) kaufst: Mindestens zwei Wochen in einem separaten Becken ohne Garnelen wässern. Wasser mehrfach wechseln. Die Steinwolle aus dem Topf komplett entfernen — da sitzen oft die meisten Rückstände. Besser noch: vier Wochen wässern. Manche Pestizide sind hartnäckig.

Pflanzen von anderen Haltern oder aus dem Marktplatz sind in der Regel sicher, weil sie in laufenden Aquarien gewachsen sind. Trotzdem fragen, ob im Ursprungsbecken Medikamente oder Algenvernichter eingesetzt wurden.

Problem Nummer zwei: Algenmittel und -vernichter

Easy Carbo, Glutaraldehyd-basierte „flüssige CO2-Alternativen" und andere Algenmittel haben in Garnelenbecken nichts verloren. Sie sind in der angegebenen Dosierung meist ungefährlich, aber die Grenze zwischen „wirkt gegen Algen" und „wirkt gegen Garnelen" ist schmal. Eine leichte Überdosierung — und die passiert schnell in kleinen Nano-Becken — kann fatale Folgen haben.

Algenprobleme löst du besser biologisch: Mehr Pflanzen (vor allem schnellwachsende), weniger Futter, weniger Licht, mehr Wasserwechsel. Das dauert länger, ist aber sicher.

Problem Nummer drei: Ungeeignete Pflanzenarten

Manche Pflanzen sind schlicht zu empfindlich oder zu anspruchsvoll für ein Garnelenbecken:

  • Hemianthus callitrichoides 'Cuba' — Braucht viel Licht, CO2, nährstoffreichen Boden. Ohne geht sie ein.
  • Rotala macrandra — Starklichtpflanze, braucht CO2 und regelmäßige Düngung. Im Low-Tech-Garnelenbecken wird sie kümmerlich und sieht traurig aus.
  • Pogostemon helferi — Hübsch, aber empfindlich. Braucht CO2, viel Licht und reagiert auf Temperatur- und Wasserwechsel zickig.

Diese Pflanzen funktionieren, wenn du ein High-Tech-Aquascape betreibst. In einem normalen Garnelenbecken ohne CO2-Anlage und Starklicht wirst du damit keinen Spaß haben.

Keine echte Gefahr, aber nervig:

Wasserlinsen (Lemna minor). Garnelen lieben sie. Aber du wirst sie nie wieder komplett loswerden. Sie kleben an allem, vermehren sich explosionsartig und können andere Pflanzen durch Lichtmangel schädigen. Überleg dir vorher, ob du bereit bist, alle zwei Wochen die Hälfte abzufischen. Für immer.

Drei Bepflanzungspläne zum Nachmachen

Theorie ist schön, aber du willst wissen: Was kommt wo hin? Hier sind drei konkrete Pläne für die beliebtesten Beckengrößen. Alle funktionieren ohne CO2 und mit einfachem Licht.

Plan 1: 20-Liter-Nano-Cube (z.B. Dennerle Nano Cube)

Wenig Platz, klare Prioritäten. Kein Platz für große Pflanzen, alles muss kompakt bleiben.

  • Hintergrund: Ein kleiner Javafarn 'Windelov' (10-17 cm) auf einem Stein oder der Rückwand. Bleibt kompakt und wächst langsam.
  • Mittelgrund: Anubias nana 'Petite' auf einem flachen Lavastück oder einer Mini-Wurzel. Zwei bis drei Rhizom-Stücke reichen.
  • Vordergrund/überall: Javamoos auf einem Stein oder einer Kokosnussschale. Eine Portion reicht — in drei Monaten ist genug da.
  • Oberfläche: 3-5 Rosetten Froschbiss. Regelmäßig ausdünnen, damit genug Licht nach unten kommt.

Kosten Pflanzen: ca. 20-30 Euro. Fertig bepflanzt in 20 Minuten.

Dieses Setup deckt alles ab: Biofilm (Moos + Anubias), Verstecke (Moos + Froschbiss-Wurzeln), Nährstoffentzug (Froschbiss), Optik (Javafarn). Mehr braucht ein Nano-Aquarium nicht.

Plan 2: 30-Liter-Cube (der Sweetspot)

Mehr Platz für Gestaltung. Hier kannst du schon richtig loslegen.

  • Hintergrund: Hornkraut oder Wasserpest als schnellwachsende Masse. Wird lose in den Kies gesteckt oder treibt frei. Gibt Volumen und zieht Nährstoffe.
  • Mittelgrund links: Eine Cryptocoryne wendtii (grün oder braun). Bildet mit der Zeit dichte Rosettenbüsche und bietet Deckung. 10-20 cm hoch, passt perfekt.
  • Mittelgrund rechts: Javafarn Standard oder 'Trident' auf einer Mangrovenwurzel. Setzt einen vertikalen Akzent.
  • Vordergrund: Javamoos auf 2-3 flachen Steinen. Oder eine kleine Portion Christmas-Moos für die edlere Optik.
  • Hardscape: Anubias nana auf der Wurzel oder einem Stein im Mittelgrund.
  • Oberfläche: Froschbiss + optional 2-3 Stück Salvinia. Nicht mehr als ein Drittel der Oberfläche bedecken.

Kosten Pflanzen: ca. 35-50 Euro. Einrichtung: 30-45 Minuten.

Plan 3: 60-Liter-Standard (das Wohnzimmer-Becken)

Hier hast du richtig Spielraum. Vordergrund, Mittelgrund, Hintergrund — alles mit eigenen Pflanzen besetzt.

  • Hintergrund: Vallisneria spiralis oder V. nana an der Rückwand. Bildet mit der Zeit einen dichten Vorhang aus grasartigen Blättern. Vermehrt sich über Ausläufer — ab und zu auslichten.
  • Hintergrund alternativ: Kanadische Wasserpest (Elodea canadensis) als schnellwachsende Masse. Besonders gut in der Einfahrphase.
  • Mittelgrund: 2-3 Cryptocoryne wendtii in verschiedenen Varianten (grün, braun, 'Tropica'). Bilden mit der Zeit üppige Büsche.
  • Mittelgrund Hardscape: Eine größere Wurzel oder Steinaufbau mit Javafarn, Anubias nana und Bucephalandra. Das wird der Blickfang.
  • Vordergrund: Eleocharis sp. 'Mini' (Zwergnadelsimse, nur 3-5 cm hoch) als Rasen. Wächst auch ohne CO2, braucht aber etwas mehr Licht.
  • Überall verteilt: Moose auf Steinen und Wurzeln. Mix aus Javamoos und Christmas-Moos für verschiedene Texturen.
  • Oberfläche: Froschbiss und Red Root Floater. Maximal 30-40 Prozent der Oberfläche bedecken.

Kosten Pflanzen: ca. 60-90 Euro. Einrichtung: 1-2 Stunden.

Für alle Pläne gilt: In den ersten Wochen wachsen die Pflanzen langsam an. Das Becken sieht anfangs karg aus. Das ist normal. Nach zwei bis drei Monaten füllt sich alles. Geduld schlägt Kaufrausch — lieber mit weniger starten und die Pflanzen wachsen lassen.

Pflanzenpflege kompakt — Schneiden, Vermehren, Umsetzen

Pflanzen im Garnelenbecken sind pflegeleicht. Aber ganz ohne dein Zutun geht es nicht. Hier das Wichtigste in Kurzform.

Schneiden

Stängelpflanzen wie Hornkraut oder Wasserpest werden regelmäßig gekürzt, sobald sie die Oberfläche erreichen und anfangen, auf dem Wasser zu treiben. Vallisnerien — botanisch Rosettenpflanzen — kürzt du, indem du die längsten Blätter an der Basis abschneidest. Du schneidest den Stängel mit einer scharfen Schere einfach auf die gewünschte Länge ab. Der untere Teil treibt neue Seitentriebe, der obere Teil kann als Steckling neu eingesetzt werden.

Moose schneidest du, indem du die Polster ausdünnst. Wenn ein Moospolster so dicht wird, dass das Innere braun wird und keinen Wasserdurchfluss mehr hat, ist es Zeit. Einfach auseinanderziehen, die gesunden äußeren Partien behalten und den braunen Kern entsorgen. Machst du das alle zwei bis drei Monate, bleiben die Polster gesund.

Anubias und Javafarn schneidest du eigentlich nicht. Du entfernst nur abgestorbene oder veralgene Blätter. Bei Anubias drehst du das Blatt vorsichtig ab oder schneidest den Stiel nah am Rhizom. Bei Javafarn: Alte Blätter, die braun werden und Adventivpflanzen tragen, erst abschneiden wenn die Babypflanzen groß genug sind.

Cryptocorynen werden beschnitten, wenn sie zu breit wuchern und andere Pflanzen verdrängen. Die äußeren, ältesten Blätter einfach am Ansatz abschneiden.

Vermehren

Die meisten Garnelen-Pflanzen vermehren sich quasi von alleine:

  • Moose: Jedes abgerissene Stück wächst weiter. Du kannst ein Moospolster in zehn Teile zerrupfen und hast in drei Monaten zehn neue Polster.
  • Schwimmpflanzen: Bilden Tochterpflanzen an Ausläufern. Froschbiss, Salvinia — du fischt die Hälfte raus, und in zwei Wochen ist die Lücke wieder zu.
  • Anubias: Rhizom teilen. Mit einer scharfen Klinge durchschneiden, jeder Teil braucht mindestens 3-4 Blätter und ein Stück Rhizom mit Wurzeln.
  • Javafarn: Adventivpflanzen von alten Blättern abpflücken und neu befestigen.
  • Bucephalandra: Wie Anubias — Rhizom teilen.
  • Cryptocorynen: Bilden Ausläufer im Boden. Tochterpflanzen mit ein paar Blättern und Wurzeln vorsichtig abtrennen.
  • Stängelpflanzen: Kopfsteckling abschneiden, neu einsetzen. Der untere Teil treibt Seitentriebe.
  • Eleocharis: Bildet Ausläufer und breitet sich selbstständig aus. Einfach machen lassen.

Umsetzen

Pflanzen umzusetzen ist kein Drama, aber es stresst sie. Rechne mit ein bis zwei Wochen Wachstumspause, bis sie sich am neuen Standort etabliert haben.

Aufsitzerpflanzen (Anubias, Javafarn, Bucephalandra): Löse sie vorsichtig vom alten Hardscape, befestige sie am neuen. Die Haftwurzeln halten nicht sofort, also mit Faden oder Kleber fixieren.

Bodenwurzler (Crypto, Vallisneria): Mit den Fingern oder einer Pinzette vorsichtig herausziehen, dabei möglichst viele Wurzeln erhalten. Am neuen Standort einsetzen und den Bodengrund andrücken. Bei Cryptocorynen kann der Umzug die berüchtigte „Cryptocorynen-Pest" auslösen — die Blätter fallen ab und lösen sich auf. Keine Panik. Wenn das Rhizom gesund ist, treibt die Pflanze innerhalb von vier bis sechs Wochen neu aus.

Moose: Einfach vom alten Stein lösen und am neuen befestigen. Robust, unkompliziert, null Drama.

Wann ist der beste Zeitpunkt?

Am besten setzt du Pflanzen direkt vor einem Wasserwechsel um. Das Wühlen im Bodengrund wirbelt Mulm und eventuell Nährstoffe auf — mit dem Wasserwechsel saugst du das direkt ab. Und die Garnelen sind beim Wasserwechsel ohnehin leicht gestresst, da fällt das Umsetzen nicht extra ins Gewicht.

Ein letzter Tipp: Kauf lieber weniger Pflanzen und lass sie wachsen, als das Becken von Anfang an vollzustopfen. Die meisten Aquarienpflanzen verdoppeln ihre Masse innerhalb weniger Wochen bis Monate. Was heute nach „zu wenig" aussieht, ist in drei Monaten „genau richtig" und in sechs Monaten „ich muss ausdünnen". Deine Garnelen profitieren davon in jedem Stadium — schon ein einzelnes Moospolster reicht als Startpunkt, von dem aus du das ganze Becken begrünen kannst.

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