Teil von: Aquascaping — Der komplette Guide für Garnelenbecken

Steine im Aquascaping: Seiryu, Drachenstein, Lava & sichere Auswahl

Welche Steine eignen sich für Garnelen-Aquascaping? Seiryu, Drachenstein, Lava-Gestein und mehr — mit Wasserwert-Einfluss und Gestaltungstipps.

Warum Steine das Rückgrat jedes Aquascapes sind

Steine definieren die Grundstruktur eines Aquascapes. Bevor eine einzige Pflanze gesetzt wird, bevor Wasser ins Becken kommt, stehen die Steine — und sie bestimmen alles, was danach passiert. Wo die Blickachse liegt, wo Höhen und Tiefen entstehen, wo das Auge hängenbleibt. Ein mittelmäßig bepflanztes Becken mit starkem Hardscape sieht besser aus als ein perfekt bepflanztes Becken ohne klare Steinstruktur.

Steine im Aquascaping: Seiryu, Drachenstein, Lava & sichere Auswahl: Warum Steine das Rückgrat jedes Aquascapes sind

Das klingt nach Ästhetik — und ja, das ist ein großer Teil. Aber für Garnelen sind Steine weit mehr als Deko.

Verstecke und Territorien. Garnelen brauchen Rückzugsorte. Nicht aus Komfort, sondern zum Überleben. Während der Häutung sind sie schutzlos — der alte Panzer ist ab, der neue noch weich. In dieser Phase ziehen sie sich in Spalten und Höhlen zurück, die Steine auf natürliche Weise bilden. Zwischen zwei eng stehenden Steinen, unter einem schräg aufgestellten Felsblock oder in der Lücke zwischen Stein und Bodengrund — das sind die Häutungsverstecke, die den Unterschied machen. Auch trächtige Weibchen suchen geschützte Stellen auf, und Jungtiere brauchen Deckung vor hungrigen Mitbewohnern (falls du vergesellschaftest).

Strukturgeber für Pflanzen. Steine sind die Basis, auf der Moose und Aufsitzerpflanzen wachsen. Javamoos auf einem rauen Stein, Bucephalandra in einer Felsspalte, Anubias auf einem flachen Steinplateau — das Hardscape gibt den Pflanzen Halt und hebt sie vom Boden weg. Dadurch entsteht eine dreidimensionale Bepflanzung, die dem Becken Tiefe verleiht und den Garnelen zusätzliche Weidefläche bietet.

Visuelle Anker. In der Gestaltungslehre sind Steine die Ankerpunkte, an denen sich das gesamte Layout orientiert. Der Hauptstein zieht den Blick an, die Nebensteine führen ihn weiter. Ohne diese Anker wirkt ein Aquascape diffus — schön bepflanzt vielleicht, aber ohne Spannung.

Gewicht und Stabilität. Steine halten den Bodengrund an Ort und Stelle. Wer ein starkes Gefälle im Boden haben will (hinten hoch, vorne niedrig), braucht Steine als Stütze. Ohne sie rutscht der Soil langsam nach vorne, das Gefälle flacht ab und die Tiefenwirkung geht verloren. Größere Steine tief in den Bodengrund einbetten — sie stabilisieren das Substrat und verhindern Erdrutsche.

Kurz gesagt: Steine sind nicht die Kirsche auf dem Kuchen. Sie sind das Fundament. Ein Aquascape ohne durchdachtes Steinlayout ist wie ein Haus ohne Fundament — es sieht vielleicht kurz okay aus, aber langfristig stimmt was nicht. Mehr zum Gesamtkonzept im Aquascaping-Guide.

Steinarten im Überblick

Nicht alle Steine sind gleich — und nicht alle gehören ins Garnelenbecken. Hier die wichtigsten Arten, die du im Aquascaping-Handel findest, mit ihren Vor- und Nachteilen.

Steine im Aquascaping: Seiryu, Drachenstein, Lava & sichere Auswahl: Steinarten im Überblick

Drachenstein (Dragon Stone, Ohko Stone). Der Allrounder und Publikumsliebling. Drachenstein hat eine löchrige, fast skulpturale Oberfläche mit rötlich-braunen Farbtönen. Die Löcher und Furchen entstehen durch Erosion und sehen aus wie eine Miniatur-Felslandschaft. Garnelen lieben ihn: Die poröse Oberfläche bietet Biofilm-Fläche, die Löcher dienen als Verstecke für Jungtiere, und das Material ist chemisch inert — es beeinflusst die Wasserwerte nicht. Für Garnelenbecken die sicherste Wahl.

Seiryu-Stein (Ryuoh Stone). Der ästhetischste Stein im Aquascaping — und gleichzeitig der problematischste für Garnelen. Seiryu hat eine markante blau-graue Maserung mit weißen Kalkeinschlüssen. Er sieht in Iwagumi-Layouts atemberaubend aus. ABER: Seiryu besteht zum Teil aus Kalkstein und härtet das Wasser auf. GH, KH und pH steigen. Für Caridina-Arten (Bienengarnelen, Taiwan Bees, Tiger), die weiches, saures Wasser brauchen, ist das ein Problem. Für Neocaridina geht es, wenn du die Werte kontrollierst — aber du musst häufiger Wasserwechsel machen und mit Osmosewasser gegenarbeiten. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Lavastein (Lavagestein). Schwarzes, poröses Vulkangestein. Extrem leicht für seine Größe (durch die Lufteinschlüsse), chemisch inert und mit einer riesigen Oberfläche. Bakterien und Biofilm besiedeln Lavastein schneller als jeden anderen Stein — die poröse Struktur ist ein Paradies für Mikroorganismen. Garnelen grasen stundenlang darauf. Optisch ist Lavastein eher grob und rustikal — wer filigrane Ästhetik sucht, wird damit nicht glücklich. Aber für biotopnahe Setups und als biologischer Booster im Becken ist er unschlagbar.

Frodo-Stein. Bräunlich-grau mit hellen Streifen und einer knorrigen, verwitterten Oberfläche. Erinnert an Bergmassive oder an Felsen in einem Tolkien-Film (daher der Name). Leicht bis moderat kalkhaltig — er kann GH und KH leicht anheben. In Neocaridina-Becken kein Problem, für Caridina-Becken mit sehr weichem Wasser solltest du die Wasserwerte regelmäßig kontrollieren. Frodo-Steine lassen sich gut kombinieren und erzeugen natürlich wirkende Formationen. Durch die raue Oberfläche ein guter Biofilm-Träger.

Manten-Stein. Zerklüftetes, knorriges Vulkangestein mit erdfarbener bis dunkelbrauner Oberfläche. Die wilde, fast organisch wirkende Struktur erinnert an verwitterte Felsformationen und passt hervorragend zu naturnahen Layouts. Chemisch inert — Manten-Stein beeinflusst die Wasserwerte nicht und ist damit für alle Garnelenarten sicher. Die raue, zerklüftete Oberfläche bietet Garnelen reichlich Weidefläche und Versteckmöglichkeiten in den Spalten.

Leopardenstein. Hellbraun bis cremefarben mit dunklen Flecken — deshalb der Name. Interessante Textur, relativ hart, aber leicht kalkhaltig — er kann GH und KH geringfügig anheben. In Neocaridina-Becken unproblematisch, bei empfindlichen Caridina-Arten die Wasserwerte nach dem Einsetzen kontrollieren. Weniger verbreitet als Drachenstein, aber eine optisch ansprechende Wahl für helle, sandfarbene Layouts.

Pagodenstein. Dunkelgrauer, geschichteter Stein, der wie gestapelte Tempelsteine aussieht. Als Sedimentgestein enthält er in der Regel Kalkablagerungen und kann das Wasser aufhärten. Vor dem Einsatz mit Salzsäure oder Essigessenz testen. Wegen seiner kantigen Form eignet er sich gut für geometrisch wirkende Layouts, ist aber schwerer zu arrangieren als runde oder organisch geformte Steine.

Gesammelte Steine aus der Natur. Grundsätzlich möglich, aber mit Risiko. Steine aus Bächen oder vom Strand können Kalk, Metalle oder Schadstoffe enthalten. Immer den Essigtest machen (nächster Abschnitt) und im Zweifel lieber auf Aquaristik-Ware zurückgreifen. Garnelen verzeihen keine Experimente mit unbekannten Gesteinen.

Steine und Wasserwerte — Was Garnelen vertragen

Die Frage „Beeinflusst dieser Stein mein Wasser?" ist für Garnelenhalter keine akademische Übung — sie kann über Leben und Tod der Tiere entscheiden. Garnelen reagieren empfindlicher auf Wasserwert-Schwankungen als die meisten Fische. Was ein Guppy klaglos wegsteckt, kann für eine Taiwan Bee das Ende bedeuten.

Essigtest auf Seiryu-Stein zeigt Kalkreaktion mit Bläschenbildung im Vergleich zu inertem Stein

Das Grundproblem: Kalk. Kalkhaltige Steine geben Calciumcarbonat (CaCO₃) ans Wasser ab. Das erhöht die Karbonathärte (KH), die Gesamthärte (GH) und den pH-Wert. Für Neocaridina, die einen breiten Wasserwertebereich tolerieren (pH 6,5–8,0, GH 6–20), ist ein leichter Anstieg vertretbar. Für Caridina-Arten, die pH 5,5–6,5 und GH 4–6 brauchen, ist jede Aufhärtung ein Problem — und bei Active Soil besonders ärgerlich, weil der Soil den pH senken soll, während der Stein ihn gleichzeitig nach oben drückt. Die beiden arbeiten gegeneinander, und der Soil erschöpft sich schneller.

Der Essigtest. Der schnellste Check: Tropfe etwas Haushaltsessig oder besser verdünnte Salzsäure (5%ige HCl, gibt es in der Apotheke) auf den Stein. Wenn es zischt, sprudelt oder schäumt, enthält der Stein Kalk. Die Reaktion: CaCO₃ + 2 HCl → CaCl₂ + H₂O + CO₂ (das CO₂ sind die Bläschen). Kein Zischen = kein Kalk. Zischen = Finger weg, wenn du Caridina hältst.

Der Wässerungstest. Genauer als der Essigtest, aber aufwändiger: Leg den Stein für eine Woche in einen Eimer mit Osmosewasser (TDS ~0). Miss vorher und nachher GH, KH, pH und TDS. Wenn die Werte deutlich gestiegen sind, gibt der Stein Mineralien ab. Für Garnelenbecken inakzeptabel, wenn du empfindliche Arten hältst.

Die Seiryu-Frage. Seiryu-Stein ist der häufigste Konflikt zwischen Ästhetik und Garnelengesundheit. Er härtet definitiv auf — die weißen Adern sind Kalkeinschlüsse. In einem Neocaridina-Becken mit mittelhartem Leitungswasser ist das oft vertretbar: Bei üblicher Steinmenge steigt die KH um 1–3 Punkte, die GH ähnlich — die Garnelen stecken das weg. In einem Caridina-Becken mit Active Soil und Osmosewasser zerstört Seiryu-Stein das gesamte Wasserchemie-Konzept. Die Wasserwerte laufen weg, der Soil verbraucht seine Pufferkapazität schneller, und irgendwann stimmt nichts mehr.

Hinweis zu „Mini-Landschaftsstein". Der Name klingt nach einer Alternative, aber Mini-Landschaftsstein ist dasselbe Gestein wie Seiryu — es ist lediglich der gängige deutsche Handelsname. Er enthält genauso massiv Kalk und härtet das Wasser stark auf. Für Caridina-Becken mit weichem Wasser ist er genauso problematisch wie Seiryu. Lass dich vom Namen nicht täuschen.

Sichere Steine für alle Garnelen: Drachenstein, Lavastein, Granit, Manten-Stein, Quarz. Alle chemisch inert, alle getestet und bewährt. Schiefer ist ebenfalls in der Regel inert — aber Vorsicht vor Kupferschiefer (erkennbar an grünlichen oder kupferfarbenen Einschlüssen). Kupfer ist für Garnelen tödlich, und es gibt dokumentierte Verluste durch ungeprüften Kupferschiefer. Normaler grauer oder schwarzer Schiefer ohne metallische Einschlüsse ist sicher. Frodo-Stein ist leicht kalkhaltig und kann die Härte minimal anheben — für Neocaridina kein Problem, für empfindliche Caridina die Werte im Auge behalten. Wenn du unsicher bist, bleib bei den inerten Steinen — die ästhetische Auswahl ist groß genug für jedes Layout.

Metalle in Steinen. Manche Natursteine enthalten Metalloxide — Eisen (rötliche Verfärbungen), Mangan (schwarze Einschlüsse) oder schlimmstenfalls Kupfer (grünliche Adern). Eisen ist in kleinen Mengen unproblematisch, Kupfer ist für Garnelen tödlich. Steine mit grünlichen oder bläulichen Einschlüssen grundsätzlich meiden. Im Fachhandel gekaufte Aquascaping-Steine sind in der Regel sicher — bei selbst gesammelten Steinen ist Vorsicht geboten.

Komposition mit Steinen

Steine einfach reinlegen und hoffen, dass es gut aussieht? Funktioniert selten. Eine gute Steinkomposition folgt ein paar Grundregeln — die man kennen sollte, auch wenn man sie irgendwann absichtlich bricht.

Trockenes Hardscape-Layout wird vor dem Befüllen im Aquarium getestet und per Foto verglichen Iwagumi-Steinkomposition mit Oyaishi, Fukuishi und Soeishi nach der Drittelregel

Ungerade Anzahl. Drei Steine wirken natürlicher als zwei. Fünf wirken natürlicher als vier. Unser Gehirn empfindet ungerade Zahlen als weniger „konstruiert". Ein einzelner Stein kann auch funktionieren — aber dann muss er wirklich überzeugend sein.

Hauptstein, Nebensteine. Jede Komposition braucht eine Hierarchie. Der größte Stein (Oyaishi im Iwagumi-Jargon) ist der Chef. Er steht nicht in der Mitte, sondern im Goldenen Schnitt — ungefähr bei einem Drittel der Beckenlänge. Die Nebensteine sind kleiner und unterstützen den Hauptstein, ohne ihm die Show zu stehlen. Sie stehen in seiner Nähe oder auf der gegenüberliegenden Seite, um Balance zu schaffen.

Gleiche Steinart. Gemischtes Hardscape — ein Lavastein neben einem Drachenstein neben einem Seiryu — sieht fast immer chaotisch aus. In der Natur findest du an einem Ort selten drei verschiedene Gesteinsarten direkt nebeneinander. Entscheide dich für eine Steinsorte und bleib dabei. Die Textur- und Farbvariationen innerhalb einer Art reichen für ein interessantes Layout.

Maserung und Neigung. Die Schichtung oder Maserung aller Steine sollte in die gleiche Richtung laufen. Stell dir vor, sie wären alle aus dem gleichen Felsen herausgebrochen und vom gleichen Fluss geschliffen worden. Steine, die in verschiedene Richtungen kippen, wirken willkürlich. Eine leichte Neigung zur gleichen Seite erzeugt Dynamik — als würde der Wind oder das Wasser die Steine in eine Richtung drücken.

Die Drittelregel. Teile dein Becken gedanklich in drei gleich breite Streifen. Der Hauptstein sitzt an der Grenze zwischen erstem und zweitem Drittel (oder zweitem und drittem). Nie genau in der Mitte — Symmetrie wirkt im Aquascaping fast immer langweilig.

Negative Space. Der leere Raum zwischen Steinen ist genauso Teil der Komposition wie die Steine selbst. Offene Flächen vor dem Hardscape geben dem Auge Raum zum Atmen und den Garnelen Platz zum Grasen. Ein Becken, in dem Steine jeden Zentimeter bedecken, wirkt erdrückend — und lässt keinen Platz für den grünen Teppich oder die Sandfläche, die das Layout erst spannend macht.

Steine eingraben. Ein Stein, der auf dem Boden steht, wirkt oft aufgesetzt — wie hingelegt, nicht gewachsen. Grabe den unteren Teil in den Bodengrund ein, sodass es aussieht, als würde der Stein aus dem Boden ragen. Das erzeugt den Eindruck, dass unter der Oberfläche noch viel mehr Fels steckt. Gleichzeitig stabilisiert es den Stein und schafft Spalten am Fuß, in denen sich Garnelen verstecken.

Probiere trocken. Bevor du Wasser einfüllst: Steine auf dem Tisch arrangieren, verschiedene Anordnungen ausprobieren, fotografieren, vergleichen. Im trockenen Zustand kannst du alles verschieben, ohne dass Soil aufwirbelt. Nimm dir Zeit — das Hardscape-Layout ist die Entscheidung, die du am schwersten rückgängig machen kannst.

Steine vorbereiten und einsetzen

Du hast deine Steine ausgesucht, die Komposition im Kopf (oder auf Papier) — jetzt geht es ans Vorbereiten. Ein paar Schritte, die du nicht überspringen solltest, wenn du Garnelen hältst.

Stein halb in den Bodengrund eingelassen mit Moos am Fuß und Garnele im Spalt Aquascaping-Steine werden unter fließendem Wasser mit einer Bürste geschrubbt und vorbereitet

Schrubben. Jeder Stein, der ins Becken kommt, wird unter fließendem Wasser mit einer harten Bürste abgeschrubbt. Keine Seife, kein Reinigungsmittel — nur Wasser und mechanische Kraft. Du willst Staub, lose Partikel und eventuell anhaftende Verunreinigungen entfernen. Bei Lavastein bleibt immer etwas Staub in den Poren — das ist normal und klärt sich im Becken nach ein paar Stunden.

Wässern. Nach dem Schrubben die Steine für 24–48 Stunden in einen Eimer mit frischem Wasser legen. Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt Osmosewasser und misst vorher und nachher die Wasserwerte. So erkennst du, ob ein Stein Mineralien abgibt, bevor er an deine Garnelen kommt.

Essigtest. Hatten wir schon, aber zur Erinnerung: Essig oder verdünnte Salzsäure auf den Stein tropfen. Zischt es, enthält er Kalk. Kein Zischen = grünes Licht. Den Test an mehreren Stellen des Steins durchführen — Kalkeinschlüsse können lokal begrenzt sein.

Steine zurechtsägen oder -schlagen. Manchmal passt ein Stein fast, aber nicht ganz. Mit einem Meißel und Hammer kannst du Steine vorsichtig bearbeiten — eine Ecke abspalten, eine Seite begradigen. Schutzbrille tragen! Alternativ gibt es Steinschneider (Diamanttrennscheibe auf einem Winkelschleifer), die saubere Schnitte erzeugen. Die Schnittfläche sieht anfangs unnatürlich glatt aus, verwittert aber im Becken schnell und wird von Biofilm überzogen.

Steine verkleben. Wenn du eine instabile Konstruktion bauen willst — Steine aufeinander stapeln, Überhänge erzeugen, Bogenformationen — musst du verkleben. Die sicherste Option für Garnelen: Sekundenkleber-Gel (Cyanacrylat). Einen Klecks auf die Kontaktfläche, Steine 30 Sekunden zusammendrücken, fertig. Im Wasser härtet er sofort aus und gibt danach keine Stoffe mehr ab. Für größere Verklebungen: spezieller Unterwasserkleber auf MS-Polymer-Basis (z.B. ORCA Aqua-Fix) oder Aquarien-Polymerkleber. Beide sind garnelensicher und halten bombenfest.

Im Becken platzieren. Steine auf den Bodengrund setzen, nicht darauf legen. Leicht eindrücken, bis sie stabil stehen. Große Steine auf die Bodenplatte des Beckens stellen (Soil beiseite schieben, Stein setzen, Soil drumherum auffüllen) — so wird das Gewicht direkt vom Glas getragen und der Stein kann nicht einsinken. Bei schweren Steinen ein Stück Styropor, Plexiglas oder eine dünne Schaumstoffmatte unter den Stein legen, um Kratzer auf der Glasscheibe zu vermeiden. Kein Filz verwenden — Filz verrottet und fault unter Wasser.

Spalten und Höhlen bewusst schaffen. Steine nicht direkt aneinander stellen — lass kleine Lücken. In diese Spalten ziehen sich Garnelen zurück, Moos wächst hinein und bildet natürliche Polster, und Jungtiere finden Deckung. Ein Stein, der leicht erhöht auf zwei anderen liegt, erzeugt eine Höhle darunter — perfekter Häutungsunterschlupf. Denk bei jeder Steinplatzierung daran: Sieht es schön aus UND bietet es den Garnelen Funktion?

Nach dem Befüllen: Prüfe die Wasserwerte nach ein paar Tagen. Wenn GH oder KH unerwartet steigen, obwohl du einen „sicheren" Stein verwendet hast, nimm ihn raus und teste ihn einzeln. Lieber einmal zu vorsichtig als einmal zu spät.

Steine als Biofilm-Fläche für Garnelen

Hier schließt sich der Kreis zwischen Aquascaping und Garnelenhaltung: Steine sind nicht nur hübsch, sie sind Futterfläche.

Moos wird mit Sekundenkleber-Gel auf einen Drachenstein für das Aquascape aufgeklebt Makroaufnahme von Biofilm auf porösem Lavastein mit grasender Garnele und Jungtier

Biofilm — diese dünne Schicht aus Bakterien, Algen, Pilzen und Mikroorganismen — siedelt sich auf jeder Oberfläche im Aquarium an. Aber nicht alle Oberflächen sind gleich. Glatte Flächen (Glas, polierte Steine) bieten wenig Halt. Raue, poröse Flächen (Lavastein, Drachenstein, Schiefer) bieten enormen Halt. Je rauer die Oberfläche, desto mehr Biofilm, desto mehr Nahrung für deine Garnelen.

Lavastein ist der Biofilm-König. Die extreme Porosität von Lavastein erzeugt eine Oberfläche, die um ein Vielfaches größer ist als die sichtbare Außenfläche. In jeder Pore, jedem Loch, jeder Vertiefung siedeln sich Bakterienkolonien an. Garnelen grasen Lavastein systematisch ab — du siehst sie oft minutenlang an einem einzigen Stein sitzen und mit ihren Schreitbeinen jeden Quadratmillimeter bearbeiten. In einem eingefahrenen Becken kann ein faustgroßer Lavastein eine Garnele tagelang beschäftigen.

Drachenstein als Biofilm-Träger. Weniger porös als Lava, aber die Löcher und Furchen der Oberfläche sammeln organisches Material, auf dem Biofilm wächst. Die größeren Löcher im Drachenstein haben einen Bonus-Effekt: Sie fangen Futterbrösel und Mulm auf, die dort langsam verrotten und zusätzliche Nahrung bieten. Jungtiere klettern gezielt in diese Löcher und finden dort einen gedeckten Tisch.

Moos auf Steinen. Die Kombination aus Stein und Moos ist die ultimative Garnelen-Futterfläche. Das Moos bietet eine weitere Ebene an Biofilm-Fläche, fängt Schwebeteilchen aus dem Wasser und schafft ein Mikro-Habitat, in dem Infusorien und Kleinstlebewesen gedeihen. Garnelen grasen Moospolster auf Steinen komplett anders ab als blanke Steinoberflächen — sie zupfen mit ihren Scheren zwischen den Moosblättern und finden dort Nahrung, die auf glatten Flächen nicht existiert.

Moose aufbinden: So geht's. Schneide das Moos in kleine Portionen (2–3 cm Büschel). Lege sie auf den Stein und wickle dünnen Baumwollfaden oder Angelseil drumherum. Nicht zu fest, aber eng genug, dass das Moos Kontakt zum Stein hat. Baumwollfaden zersetzt sich nach 3–4 Wochen im Wasser — bis dahin hat sich das Moos festgewachsen. Alternativ: Ein Tropfen Sekundenkleber-Gel auf den Stein, Moos andrücken, 10 Sekunden halten. Schneller, aber weniger „natürlich" als Faden. Beide Methoden funktionieren und sind garnelensicher.

Bucephalandra und Anubias auf Steinen. Nicht nur Moos wächst auf Steinen. Bucephalandra und Anubias klammern sich mit ihren Haftwurzeln an raue Steinoberflächen und bilden kompakte Polster. Die Blattunterseiten dieser Pflanzen sind ebenfalls Biofilm-Fläche, die Garnelen abweiden. Besonders Bucephalandra mit ihren kleinen, gewellten Blättern bieten in jeder Falte Nahrung.

Steine als Teil des Futterkonzepts. In einem gut eingefahrenen Becken mit genug Steinfläche brauchst du weniger zuzufüttern. Der Biofilm auf den Steinen liefert einen Großteil der täglichen Nahrung — besonders für Jungtiere, die in den ersten Lebenswochen ausschließlich von Biofilm und Aufwuchs leben. Wer viele poröse Steine im Becken hat, beobachtet oft, dass die Garnelen Fertigfutter ignorieren, weil sie auf den Steinen genug finden.

Langfristig. Steine werden im Laufe der Monate immer wertvoller. Die Biofilm-Schicht wird dicker, vielfältiger und nährstoffreicher. Ein Stein, der seit einem Jahr im Becken steht, ernährt mehr Garnelen als ein frischer. Deshalb: Steine nicht austauschen, nur weil sie „bewachsen" aussehen. Genau das sollen sie. Das ist kein Dreck — das ist ein Buffet.

Tipp: Im 3D Aquascape-Planer kannst du verschiedene Steinanordnungen ausprobieren und per AR im eigenen Raum betrachten — ohne einen Stein anzufassen.

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