Teil von: Aquascaping — Der komplette Guide für Garnelenbecken

Bodendecker ohne CO2: Grüne Teppiche für Garnelenbecken

Welche Bodendecker wachsen ohne CO2-Anlage? Die besten Teppichpflanzen für Garnelenbecken — von Monte Carlo bis Helanthium.

Warum Bodendecker im Garnelenbecken genial sind

Ein Garnelenbecken ohne Bodengrund-Bepflanzung funktioniert. Aber ein Garnelenbecken mit einem dichten, grünen Teppich? Das ist eine andere Liga. Optisch und funktional.

Bodendecker ohne CO2: Grüne Teppiche für Garnelenbecken: Warum Bodendecker im Garnelenbecken genial sind

Stell dir das vor: Deine Garnelen weiden über einen sattgrünen Rasen, der den gesamten Vordergrund bedeckt. Baby-Garnelen huschen zwischen den Blättchen hindurch, unsichtbar für größere Mitbewohner. Das Licht fällt auf die Teppichfläche und erzeugt einen Kontrast zu den dunklen Wurzeln und Steinen im Hintergrund. Das ist kein Aquarium mehr — das ist ein Stück Unterwasser-Wiese.

Grasfläche für Garnelen. Bodendecker bilden einen dichten Rasen aus Blättern, Stängeln und Ausläufern. Zwischen diesen Strukturen entsteht ein eigener Mikrokosmos. Hier sammeln sich Mulm, Futterreste und — am wichtigsten — Biofilm. Garnelen verbringen Stunden damit, jeden einzelnen Halm abzugrasen. Die Gesamtoberfläche eines gut gewachsenen Bodendeckers ist enorm — deutlich größer als der nackte Bodengrund darunter. Mehr Oberfläche heißt mehr Biofilm, heißt mehr Futter.

Versteck-Funktion. Ein dichter Teppich ist für frisch geschlüpfte Garnelenbabys überlebenswichtig. Die Winzlinge sind zwei bis drei Millimeter groß und verschwinden im Bodendecker wie in einem Miniatur-Wald. Selbst in reinen Garnelenbecken ohne Fische erhöht ein Bodendecker die Überlebensrate des Nachwuchses, weil die Kleinen dort Schutz, Nahrung und Ruhe finden.

Wasserqualität. Bodendecker wurzeln tief im Bodengrund und transportieren über ihr Aerenchym (Luftgewebe) Sauerstoff bis in die Wurzelspitzen. Dieser Sauerstoff diffundiert in die unmittelbare Umgebung der Wurzeln und verhindert so anaerobe Faulzonen im Substrat. Das stabilisiert den Stickstoffkreislauf und hält das Wasser sauber. Ein gut durchwurzelter Boden fault nicht, kippt nicht, stinkt nicht. Die Pflanzen erledigen das, wofür du sonst regelmäßig den Bodengrund absaugen müsstest.

Optik. Seien wir ehrlich — Ästhetik ist ein riesiger Faktor. Ein Garnelenaquarium mit grünem Teppich sieht einfach professionell aus. Es gibt jedem Aquascape eine Basis, einen Ruhepol fürs Auge. Die leuchtenden Farben der Garnelen kommen auf dem grünen Grund besonders gut zur Geltung. Red Cherry auf Monte Carlo? Bilderbuch.

Jetzt die große Frage: Braucht man dafür eine CO2-Anlage? Die gängige Meinung sagt ja. Die Realität sagt: kommt drauf an. Es gibt Bodendecker, die auch ohne CO2 wachsen. Nicht so schnell, nicht so perfekt, aber sie wachsen. Und für ein Garnelenbecken reicht das vollkommen.

Die besten Bodendecker ohne CO2

Gleich vorweg: Ohne CO2 dauert alles länger. Wo ein CO2-gedüngter Bodendecker in sechs Wochen einen Teppich bildet, brauchst du ohne CO2 drei bis sechs Monate. Geduld ist der Preis, den du zahlst. Dafür sparst du dir die CO2-Anlage, den Druckminderer, das Risiko von pH-Stürzen bei Nacht — alles Dinge, die besonders in Garnelenbecken heikel sind.

Wachstumsverlauf eines Monte-Carlo-Teppichs ohne CO2: Von spärlich bepflanzt bis dicht geschlossen Drei Bodendecker ohne CO2 im Vergleich: Helanthium, Marsilea und Staurogyne nebeneinander Bodendecker ohne CO2: Grüne Teppiche für Garnelenbecken: Die besten Bodendecker ohne CO2

Helanthium tenellum (Zwergschwertpflanze, Echinodorus tenellus)

Die beste Wahl für Low-Tech-Becken mit Garnelen. Helanthium bildet grasartige Büschel von 5 bis 10 cm Höhe und vermehrt sich über Ausläufer. Nach ein paar Monaten hast du einen Rasen, der an eine Wiese erinnert. Braucht mittleres Licht (20–30 Lumen pro Liter reichen), kein CO2, und wächst auch auf Sand. Auf Soil geht's schneller.

Garnelen lieben die feinen Blätter. Babys verstecken sich zwischen den Halmen, und der Biofilm-Ansatz auf den schmalen Blättchen ist ordentlich. Einfach ein paar In-vitro-Portionen in Abständen von 2–3 cm einsetzen und warten.

Micranthemum tweediei (Monte Carlo)

Ja, Monte Carlo geht ohne CO2. Nicht so dicht und flach wie mit CO2, aber es bildet auch im Low-Tech-Becken einen hübschen Teppich. Die kleinen, runden Blätter wachsen kriechend über den Boden. Braucht allerdings gutes Licht — unter 30 Lumen pro Liter wird es schwierig. Dafür liefert Monte Carlo einen der schönsten Teppiche überhaupt.

Wichtig: Mehr Licht bedeutet NICHT automatisch besseres Wachstum ohne CO2. Nach Liebigs Minimumgesetz begrenzt der knappste Faktor das Wachstum — und das ist hier CO2. Zu viel Licht bei zu wenig CO2 führt vor allem zu Algen. Halte die Beleuchtung deshalb moderat (20–30 lm/l) und gib den Pflanzen Zeit.

Marsilea hirsuta (Zwergkleefarn)

Der unterschätzte Geheimtipp. Marsilea bildet anfangs kleeblattähnliche Blätter auf Stielen. Nach dem Einwurzeln (Geduld!) kriecht sie über den Boden und bildet flache, einblättrige Strukturen — fast wie ein Mini-Teppich aus Münzen. Braucht wenig Licht, kein CO2, und ist extrem anspruchslos.

Nachteil: Marsilea ist langsam. Wirklich langsam. Bis der Teppich dicht ist, können sechs Monate und mehr vergehen. Aber das Ergebnis ist ein dichter, flacher Rasen, der sich quasi selbst pflegt und den Garnelen eine perfekte Grasfläche bietet.

Sagittaria subulata (Pfeilkraut)

Sagittaria ist robust, schnell wachsend (für eine Low-Tech-Pflanze) und bildet dichte Ausläufer. Die grasartigen Blätter werden 5 bis 15 cm hoch — nicht der flachste Bodendecker, aber als Mittelgrund-Rasen ausgezeichnet. Braucht kaum Pflege, kein CO2, mittleres Licht. Sagittaria wächst auf Sand, Kies und Soil gleichermaßen.

Für Garnelen ein solider Allrounder: Die dichte Blattmasse bietet Deckung und Biofilm-Fläche. In einem Nano-Becken kann Sagittaria allerdings zu groß werden und den Hintergrund überwuchern — dann musst du regelmäßig ausdünnen.

Staurogyne repens

Staurogyne wächst als niedriger, buschiger Bodendecker mit kräftigen, dunkelgrünen Blättern. Ohne CO2 wird sie kompakter und wächst langsamer, bildet aber trotzdem einen dichten Teppich. Mittleres Licht reicht aus. Sie lässt sich gut durch Kopfstecklinge vermehren: oberen Teil abschneiden, wieder einpflanzen.

Die derben Blätter sind ideal als Sitzfläche für Garnelen. Staurogyne bildet außerdem ein dichtes Wurzelwerk, das den Bodengrund stabilisiert und Faulstellen verhindert.

Bodendecker MIT CO2 — Was dann möglich wird

Fairerweise muss man sagen: Mit CO2 wird Bodendecker-Aquascaping deutlich einfacher und die Ergebnisse sind spektakulär. Wenn du eine CO2-Anlage hast oder über eine nachdenkst, eröffnet sich eine ganz andere Welt.

Hemianthus callitrichoides 'Cuba' (HC Cuba)

Der König der Bodendecker. HC Cuba bildet den dichtesten, flachsten Teppich aller Aquarienpflanzen — eine hauchdünne Schicht aus winzigen, hellgrünen Blättern. Sieht aus wie ein perfekt gemähter Rasen. Und genau da liegt das Problem: Ohne CO2 und starkes Licht geht bei HC Cuba gar nichts. Die Pflanze ist anspruchsvoll, neigt zu Veralgen und löst sich gern vom Boden, wenn die Bedingungen nicht stimmen.

Für Garnelen ist HC Cuba trotzdem fantastisch — wenn du die Bedingungen halten kannst. Baby-Garnelen verschwinden im dichten Teppich, und die Pflanze bildet eine riesige Biofilm-Oberfläche.

Glossostigma elatinoides

Ähnlich anspruchsvoll wie HC Cuba, aber mit etwas breiteren, löffelförmigen Blättern. Glosso braucht starkes Licht und CO2, sonst wächst es nach oben statt kriechend über den Boden. Unter optimalen Bedingungen einer der schnellsten Bodendecker — in vier Wochen kann der Teppich dicht sein.

Eleocharis pusilla (Zwergnadelsimse) und Eleocharis acicularis (Nadelsimse)

Hier muss man unterscheiden: Eleocharis pusilla (die Zwergnadelsimse) bleibt mit 3 bis 7 cm kompakt und bildet dichte, niedrige Grasteppiche — perfekt als Bodendecker. Eleocharis acicularis (die normale Nadelsimse) wird dagegen 10 bis 20 cm hoch und eignet sich eher als Mittelgrund-Pflanze. Beide kommen auch ohne CO2 zurecht, wachsen dann aber deutlich langsamer. Mit CO2 schließt sich der Rasen in wenigen Wochen. Für Garnelen optimal: Die feinen Halme bieten unzählige Verstecke und sind ein Biofilm-Paradies.

Der Unterschied zu Low-Tech. Was genau macht CO2? In erster Linie beschleunigt es das Wachstum massiv. Pflanzen nutzen CO2 für die Photosynthese — mehr CO2 bedeutet mehr Wachstum, dichtere Teppiche, kräftigere Farben. Außerdem konkurrieren die Pflanzen bei schnellem Wachstum besser mit Algen: Sie ziehen die Nährstoffe schneller aus dem Wasser, bevor Algen sie nutzen können.

Aber: CO2 und Garnelen sind nicht immer Freunde. Eine CO2-Anlage im Garnelenbecken birgt Risiken. Das größte Problem ist der nächtliche CO2-Überschuss. Pflanzen verbrauchen CO2 nur bei Licht (Photosynthese). Nachts produzieren sie sogar selbst CO2 (Atmung). Wenn die CO2-Anlage nachts weiterläuft oder der Druckbehälter leckt, kann die CO2-Konzentration gefährlich ansteigen. Der pH fällt, und zu viel gelöstes CO2 blockiert die Sauerstoffaufnahme im Blut der Garnelen (Bohr-Effekt) — sie ersticken, obwohl noch genug Sauerstoff im Wasser ist. Morgens liegen sie tot am Boden.

Die Lösung: CO2 nur über eine Zeitschaltuhr steuern, 1–2 Stunden vor Lichteinschalten starten, etwa 1 Stunde vor Lichtausschalten stoppen. Ein Dauertest (Drop Checker) im Becken zeigt dir die CO2-Konzentration an — grün bedeutet optimal (15–25 mg/l), gelb zu viel. Und nie mehr als 30 mg/l anpeilen, für Garnelen lieber 20 mg/l. Mehr dazu beim Aquascaping-Werkzeug.

Meine Empfehlung für Garnelenbecken: Wenn du gerade erst anfängst, lass das CO2 weg. Nimm einen Low-Tech-Bodendecker, hab Geduld, und genieße ein stabiles Becken ohne Risiko. Wenn du später aufrüsten willst und weißt, was du tust, kann CO2 ein Game-Changer sein. Aber es ist kein Muss für einen schönen Teppich.

Dry Start Methode — Der Geheimtipp

Die Dry Start Methode (DSM) ist der Cheat-Code für Bodendecker ohne CO2. Und sie funktioniert verblüffend gut. Die Idee ist simpel: Du lässt die Pflanzen außerhalb des Wassers (emers) wachsen, wo sie unbegrenzt CO2 aus der Luft bekommen. Erst wenn der Teppich dicht ist, flutest du das Becken.

Ergebnis der Dry-Start-Methode nach 6 Wochen: Dichter Monte-Carlo-Teppich vor dem Fluten Dry-Start-Methode: Bodendecker wachsen emers in feuchtem Soil unter Frischhaltefolie im Nano-Becken

Wie funktioniert das?

Pflanzen können in zwei Formen wachsen: submers (unter Wasser) und emers (über Wasser). Die meisten Aquarienpflanzen sind eigentlich Sumpfpflanzen, die beides können. Emers wachsen sie meistens sogar schneller, weil CO2 in der Luft frei verfügbar ist und Gasdiffusion in Luft rund 10.000-mal schneller abläuft als in Wasser. Im Aquarienwasser ohne CO2-Anlage lösen sich nur wenige Milligramm pro Liter — emers ist CO2 praktisch kein limitierender Faktor mehr.

Schritt für Schritt:

1. Becken aufbauen — ohne Wasser. Setze dein Hardscape (Steine, Wurzeln) wie gewohnt. Füll den Bodengrund ein (Soil funktioniert am besten). Dann befeuchte den Boden mit einer Sprühflasche, bis er durchnässt ist, aber kein Wasser steht. Der Soil soll nass glänzen, nicht unter Wasser stehen.

2. Bodendecker einsetzen. Pflanze deinen Bodendecker in den feuchten Soil. In-vitro-Pflanzen sind dafür ideal — sie sind steril, frei von Schnecken und Algen, und bereits an feuchte Bedingungen angepasst. Steck die Büschel in Abständen von 1–2 cm ein. Je dichter du pflanzt, desto schneller schließt sich der Teppich.

3. Abdecken. Spann Frischhaltefolie über das Becken oder leg die Abdeckscheibe drauf. Du willst die Luftfeuchtigkeit bei nahezu 100 % halten. Täglich kurz lüften (Folie anheben, 5 Minuten), damit kein Schimmel entsteht. Wenn der Boden austrocknet, mit der Sprühflasche nachsprühen.

4. Beleuchten. Die Beleuchtung läuft ganz normal — 8 bis 10 Stunden pro Tag. Die Pflanzen brauchen Licht für die Photosynthese, auch emers.

5. Warten. Und das ist der schwierige Teil. Je nach Pflanzenart dauert die Dry-Start-Phase 4 bis 8 Wochen. Monte Carlo braucht etwa 6 Wochen, Marsilea etwas länger, HC Cuba 4 bis 6 Wochen. Du wirst sehen, wie die Pflanzen Ausläufer bilden und den Boden langsam zudecken.

6. Fluten. Wenn der Teppich 80 % oder mehr der Fläche bedeckt, ist es Zeit. Lass das Wasser langsam ein — am besten über einen Teller oder Gefrierbeutel gießen, damit der Soil nicht aufgewirbelt wird. In den ersten Tagen nach dem Fluten stellen die Pflanzen von emersem auf submerses Wachstum um: Manche Blätter werden gelb und fallen ab, neue Unterwasserblätter treiben nach. Das ist normal und kein Grund zur Sorge.

Wann kommen die Garnelen?

Nicht sofort. Nach dem Fluten musst du das Becken erst einfahren. Der Stickstoffkreislauf muss sich aufbauen, der Soil gasen unter Umständen aus. Rechne mit 2 bis 4 Wochen nach dem Fluten, bis du Ammoniak und Nitrit bei 0 mg/l hast. Dann rein mit den Garnelen.

Vorteile der DSM für Garnelen-Becken:

Kein CO2 nötig für dichte Teppiche. Die Pflanzen sind beim Einzug der Garnelen bereits fest verwurzelt — kein Ausreißen, kein Treibenlassen. Das Becken sieht von Tag eins an fertig aus. Und: Kein Algenproblem in der Startphase, weil die Pflanzen bereits einen Wachstumsvorsprung haben, wenn das Wasser kommt.

Für welche Bodendecker eignet sich DSM? Monte Carlo, HC Cuba, Glosso, Marsilea, Eleocharis — im Grunde alle. Auch Moose funktionieren hervorragend per Dry Start: Gehäckseltes Moos auf feuchtes Hardscape streichen, abdecken und wachsen lassen. Gerade auf Steinen und Wurzeln ergibt das nach wenigen Wochen einen dichten, natürlichen Bewuchs.

Bodendecker pflegen und trimmen

Der Teppich ist dicht, die Garnelen grasen — aber die Arbeit ist nicht vorbei. Bodendecker brauchen Pflege. Nicht viel, aber regelmäßig.

Bodendecker wird mit gebogener Schere auf 1-2 cm getrimmt, Garnelen untersuchen die Schnittfläche

Trimmen — ja, wirklich. Ein Bodendecker, der nie geschnitten wird, wächst nach oben. Schicht für Schicht bilden sich neue Triebe auf den alten, der Teppich wird dicker und dicker. Irgendwann erreicht Licht die unteren Schichten nicht mehr, sie sterben ab, lösen sich vom Boden und der ganze Teppich treibt auf. Garnelenteppich-GAU.

Das Gegenmittel: Regelmäßig mähen. Alle 4 bis 6 Wochen den Teppich mit einer gebogenen Aquascaping-Schere auf 1 bis 2 cm Höhe stutzen. Die abgeschnittenen Triebe schwimmen an der Oberfläche und werden abgekeschert. Das sieht für zwei bis drei Tage etwas kahl aus, treibt aber schnell wieder durch.

Vorsicht beim Trimmen mit Garnelen im Becken. Die Tiere sitzen gern im Teppich. Bevor du die Schere ansetzt, schau genau hin und scheuch die Garnelen vorsichtig mit dem Scherenrücken raus. Baby-Garnelen sind schwer zu sehen — langsam und aufmerksam arbeiten. Manche Halter füttern vorher an einer anderen Stelle, um die Garnelen aus dem Teppich zu locken. Schlauer Trick.

Licht nachregeln. Bodendecker ohne CO2 brauchen gutes Licht, aber zu viel Licht ohne CO2 fördert Algen. Die Balance zu finden ist der Schlüssel. Start mit 6 bis 8 Stunden Beleuchtung und beobachte. Grünalgen auf dem Teppich? Beleuchtungsdauer reduzieren. Pflanzen wachsen spindelig nach oben? Licht eventuell erhöhen oder näher ran.

Ein Trick: Mittagspause. 4 Stunden Licht, 2 Stunden Pause, 4 Stunden Licht. Die Pflanzen stört das nicht, aber Algen werden ausgebremst, weil ihr Photosynthese-Zyklus unterbrochen wird. Vor allem in der Anfangsphase, wenn der Teppich noch nicht dicht ist und Algen freie Flächen besiedeln wollen.

Düngen — sparsam. Ohne CO2 wachsen Bodendecker langsam und verbrauchen weniger Nährstoffe. Überdüngung führt direkt zu Algenwachstum. Ein nährstoffreicher Soil liefert in den ersten Monaten genug Nährstoffe über die Wurzeln. Danach reicht ein sparsamer Flüssigdünger (halbe Dosis der Herstellerangabe) einmal pro Woche.

Für Garnelen gilt: Handelsübliche Aquariendünger (auch solche mit Kupfer-Spurenelementen) sind in normaler Dosierung unbedenklich — die enthaltenen Kupfermengen sind minimal und für Garnelen ungefährlich. Wirklich gefährlich sind nur kupferhaltige Medikamente (z.B. gegen Fischkrankheiten), die in deutlich höherer Konzentration dosiert werden. Die gehören nie in ein Garnelenbecken. Pflanzen ohne CO2 haben generell einen geringeren Düngebedarf.

Mulm im Teppich. Zwischen den Blättern sammelt sich mit der Zeit Mulm — abgestorbenes Pflanzenmaterial, Futterreste, Garnelenkot. Ein bisschen davon ist gut: Es ist Biofilm-Nahrung und wird von den Garnelen verwertet. Zu viel kann aber Fäulnis verursachen und die Pflanzen ersticken.

Lösung: Beim Wasserwechsel leicht über den Teppich absaugen, ohne die Pflanzen rauszureißen. Ein Mulmglocke mit dünnem Ansaugrohr ist ideal. Oder — noch besser — eine kleine Truppe Schnecken ins Becken setzen (Posthornschnecken, Turmdeckelschnecken). Die wühlen durch den Teppich und verwerten den Mulm, bevor er zum Problem wird.

Runner kontrollieren. Bodendecker mit Ausläufern (Helanthium, Sagittaria, Marsilea) breiten sich in alle Richtungen aus. Wenn du einen sauberen Rand zwischen Teppich und offener Sandfläche willst, musst du regelmäßig die Ausläufer kappen, die in den Sand wachsen. Einfach mit einer Pinzette rausziehen — aber vorsichtig, manchmal sitzt eine Garnele auf dem Runner.

Garnelen und Bodendecker — Das perfekte Team

Garnelen und Bodendecker ergänzen sich auf eine Art, die fast schon symbiotisch ist. Die Pflanzen profitieren von den Tieren, die Tiere profitieren von den Pflanzen. Win-win im Miniaturformat.

Dichter sattgrüner HC-Cuba-Bodendeckerteppich in einem High-Tech-Aquarium mit CO2 Leuchtend rote Cherry-Garnelen auf dichtem Marsilea-Rasen in einem Low-Tech-Becken ohne CO2 Baby-Garnelen versteckt zwischen Monte-Carlo-Blättern im Bodendecker wie in einem Miniaturwald

Babygarnelen im Teppich. Das ist der größte Vorteil. Frisch geschlüpfte Garnelen sind winzig — zwei, drei Millimeter. In einem leeren Becken sind sie sichtbar, angreifbar und gestresst. In einem dichten Bodendecker verschwinden sie komplett. Zwischen den Blättern und Stängeln finden sie Schutz vor Artgenossen (ja, auch erwachsene Garnelen können aufdringlich sein), vor Schnecken und vor eventuellen Fischmitbewohnern. Die Überlebensrate des Nachwuchses steigt in Becken mit Bodendecker messbar an.

Monte Carlo ist dafür besonders gut geeignet: Die runden Blättchen bilden ein dichtes Dach, unter dem ein geschützter Raum entsteht. Helanthium funktioniert ähnlich — die grasartigen Blätter bilden einen Wald im Miniaturformat.

Futtersuche auf dem Teppich. Garnelen sind den ganzen Tag mit Grasen beschäftigt. Ein Bodendecker bietet eine riesige Fläche, die systematisch abgearbeitet wird. Biofilm auf den Blättern, Aufwuchs auf den Stängeln, Mikroorganismen im Wurzelbereich — für Garnelen ist ein Bodendecker-Teppich ein All-you-can-eat-Buffet. Du wirst beobachten, wie die Tiere langsam von Blatt zu Blatt wandern, jedes einzelne abgrasen und dann zum nächsten weiterziehen. Stundenlang. Faszinierend.

Dieses natürliche Fressverhalten ist gesünder als Futter aus der Dose. Garnelen, die sich hauptsächlich von Biofilm und Aufwuchs ernähren, zeigen intensivere Farben, häuten sich regelmäßiger und vermehren sich besser. Zusatzfutter (Garnelenfutter) ist trotzdem sinnvoll, sollte aber nicht übertrieben werden — in einem gut eingefahrenen Becken mit Bodendecker finden die Tiere genug natürliche Nahrung.

Garnelen als Teppich-Pfleger. Und hier schließt sich der Kreis: Garnelen halten den Bodendecker sauber. Sie fressen Algenansätze von den Blättern, verwerten abgestorbenes Pflanzenmaterial und durchwühlen den Mulm zwischen den Trieben. Ohne Garnelen kann ein Bodendecker veralgen — vor allem bei starkem Licht und ohne CO2. Mit Garnelen ist das Risiko deutlich geringer. Amano-Garnelen (Caridina multidentata) sind dafür besonders effektiv, aber auch Neocaridina leisten solide Arbeit.

Welche Garnelen auf welchem Bodendecker? Im Grunde funktioniert jede Garnelenart mit jedem Bodendecker. Ein paar Überlegungen:

Neocaridina (Red Fire, Blue Dream etc.) sind unkompliziert und fühlen sich auf jedem Teppich wohl. Sie graben nicht, reißen keine Pflanzen raus und vermehren sich fröhlich im Bodendecker. Perfekte Einsteiger-Kombi.

Caridina (Bienengarnelen, Taiwan Bees) brauchen Soil, der den pH puffert — und Bodendecker wachsen auf Soil hervorragend. Die Kombination aus Active Soil, Bodendecker und Caridina ist quasi ein Biotop, das sich selbst stabilisiert.

Amano-Garnelen sind die Profis unter den Algenvertilgern. In einem Becken mit Bodendecker und leichter Algenneigung sind mindestens fünf bis zehn Amanos die Versicherung gegen grüne Beläge (Amanos sind Gruppentiere und brauchen Gesellschaft). Sie sind allerdings zu groß für die meisten Verstecke im Teppich — das ist eher Neocaridina-Territorium.

Ein Wort zur Geduld. Der perfekte Garnelen-Bodendecker-Teppich entsteht nicht über Nacht. Rechne ohne CO2 mit drei bis sechs Monaten, bis der Teppich wirklich dicht ist. In dieser Zeit wirst du Phasen haben, in denen es langsam vorwärtsgeht, in denen Algen nerven und in denen du am liebsten CO2 kaufen würdest. Bleib dran. Das Ergebnis ist ein stabiles, naturnahes Becken, das wenig Pflege braucht und deinen Garnelen ein perfektes Zuhause bietet. Und der Moment, in dem eine leuchtend rote Garnele über deinen sattgrünen Rasen spaziert, entschädigt für alles.

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