Teil von: Aquascaping — Der komplette Guide für Garnelenbecken

Aquascaping-Werkzeug: Pinzetten, Scheren und was du wirklich brauchst

Welches Werkzeug brauchst du wirklich fürs Aquascaping? Von Pinzetten über Scheren bis CO2-Systeme — der ehrliche Überblick.

Was du wirklich brauchst — und was Marketing ist

Die Aquascaping-Industrie hat ein Talent dafür, dir Werkzeug zu verkaufen, das du nicht brauchst. 15-teilige Tool-Sets aus Edelstahl, ergonomische Spezial-Spateln, goldene Pinzetten — alles wunderschön verpackt und mit dem Versprechen, dass dein Aquascape damit zum Meisterwerk wird.

Drei Befestigungsmethoden für Moose und Pflanzen: Sekundenkleber, Baumwollfaden und Angelschnur Aquascaping-Werkzeug: Pinzetten, Scheren und was du wirklich brauchst: Was du wirklich brauchst — und was Marketing ist

Die Wahrheit: Du brauchst drei Werkzeuge. Alles andere ist Luxus.

Die Grundausstattung:

1. Eine Pflanzenpinzette (gerade oder gebogen — eine reicht zum Start)

2. Eine gebogene Schere

3. Ein Keschernetz (ja, wirklich — zum Pflanzen rausfischen und Garnelen umsetzen)

Das war's. Mit diesen drei Dingen kannst du jedes Aquascape einrichten, pflegen und trimmen. Alles andere — Bodengrund-Spatel, Algenkratzer, Sandflatter — ist nice to have, aber kein Muss. Was du sonst noch für dein Aquascape wissen musst, steht im Hauptartikel.

Was du am Anfang NICHT brauchst:

Einen Bodengrund-Nivellierter (deine Hand tut's auch). Einen Algenmagneten (in den ersten Wochen treten oft Kieselalgen auf — die verschwinden von selbst, da reicht ein Schwamm). Einen teuren CO2-Diffusor — ein einfacher Keramik-Diffusor oder ein Stück Lindenholz-Ausströmer erfüllt den gleichen Zweck für einen Bruchteil des Preises. Sand-Flattener (die Rückseite eines Löffels funktioniert identisch).

Was du definitiv NICHT brauchst:

Tool-Sets mit zehn identisch aussehenden Spateln in verschiedenen Winkeln. Spezial-Werkzeug für einzelne Pflanzenarten. Magnetische Pflanzenpinzetten. Und den ADA-Löffel für 30 Euro, der exakt das gleiche tut wie ein Löffel aus deiner Küchenschublade.

Klar, wenn du das Hobby ernst nimmst und Spaß an gutem Werkzeug hast — go for it. Gutes Werkzeug macht die Arbeit angenehmer und hält ewig. Aber es ist keine Voraussetzung für ein schönes Garnelenbecken. Manch ein Wettbewerbs-Aquascape wurde mit einer Küchenzange und einer Nagelschere eingerichtet. Übertrieben? Vielleicht. Aber der Punkt steht: Können schlägt Equipment.

Was allerdings einen echten Unterschied macht: Qualität statt Quantität. Lieber eine gute Pinzette für 15 Euro als ein Set aus fünf billigen für 12 Euro. Billiges Werkzeug klemmt, rostet und bricht. Eine ordentliche Edelstahl-Pinzette hält Jahrzehnte. Und ja — du wirst sie Jahrzehnte brauchen, wenn dich das Garnelen-Hobby erstmal gepackt hat.

Pinzetten — Gerade und gebogen

Die Pinzette ist das Werkzeug, das du am häufigsten in der Hand hast. Pflanzen einsetzen, Moose positionieren, Futter platzieren, tote Blätter entfernen — alles Pinzette. Deshalb lohnt es sich, hier nicht am falschen Ende zu sparen.

Aquascaping-Werkzeug: Pinzetten, Scheren und was du wirklich brauchst: Pinzetten — Gerade und gebogen

Gerade Pinzette (27 cm Standardlänge)

Die gerade Pinzette ist dein Arbeitstier. Du nutzt sie hauptsächlich zum Einsetzen von Pflanzen in den Bodengrund. Die Technik: Pflanze zwischen die Spitzen klemmen, senkrecht in den Soil stecken, loslassen, Pinzette gerade nach oben rausziehen. Klingt simpel, braucht aber ein bisschen Übung, damit die Pflanze nicht gleich wieder rausflutscht.

Gerade Pinzetten eignen sich außerdem zum Platzieren von Futter. Statt Garnelenfutter einfach ins Becken zu werfen, wo es hinfällt, setzt du es mit der Pinzette gezielt an eine bestimmte Stelle. Das ist nicht nur sauberer, sondern hilft dir auch, die Garnelen an einen Futterplatz zu gewöhnen — praktisch, wenn du sie zählen oder beobachten willst.

Gebogene Pinzette (27 cm Standardlänge)

Die gebogene Variante hat eine Krümmung an der Spitze, die es dir ermöglicht, seitlich an Dinge heranzukommen, ohne mit dem Griff an der Beckenwand anzuschlagen. Unverzichtbar in Nano-Becken, wo der Platz begrenzt ist. Du erreichst damit auch Stellen hinter Steinen oder unter Wurzeln, an die du mit einer geraden Pinzette nicht rankommst.

Gebogene Pinzetten sind außerdem super zum Aufbinden von Moosen und Aufsitzerpflanzen auf Hardscape. Du hältst das Moos mit einer Pinzette fest, während du mit der anderen Hand den Faden wickelst.

Material: Edelstahl ist Pflicht. Aquariumwasser ist aggressiv — jedes Werkzeug, das nicht aus rostfreiem Edelstahl besteht, rostet innerhalb weniger Wochen. Und Rost im Garnelenbecken willst du nicht. Achte auf mindestens 304er oder besser 316er Edelstahl (auch als V4A bezeichnet). Wichtig: Bei Pinzetten und Spateln ist austenitischer Stahl (304/316, nicht magnetisch) ideal. Scheren dagegen brauchen härtbaren, martensitischen Stahl (z.B. 420er), der von Natur aus magnetisch ist — sonst halten die Klingen keine Schärfe. Ein Magnet an einer Schere ist also kein Qualitätsmangel.

Spitzen-Qualität. Der wichtigste Punkt: Die Spitzen müssen sauber schließen. Wenn du die Pinzette zusammendrückst und zwischen den Spitzen ein Spalt bleibt, taugt sie nichts — Pflanzen rutschen durch, Moose lassen sich nicht greifen. Billige Sets haben oft das Problem, dass die Spitzen nicht fluchten. Halte die Pinzette vor dem Kauf (oder nach dem Auspacken) gegen das Licht und prüfe, ob die Spitzen bündig schließen.

Länge. 27 cm ist Standard und passt für Becken bis 40 cm Höhe. Für höhere Becken (50 cm und mehr) gibt es 30 oder 35 cm Varianten. Für Nano-Cubes reichen kürzere 20-cm-Pinzetten — sie geben dir mehr Kontrolle auf engem Raum.

Pinzette und Garnelen. Ein heikles Thema: Garnelen sind neugierig und kommen gern an die Pinzette ran, während du im Becken arbeitest. Das kann problematisch werden, wenn eine Garnele zwischen die Spitzen gerät. Arbeite langsam, beobachte, wo die Tiere sitzen, und scheuch sie sanft weg, bevor du zugreifst. Nie hastig in den Teppich stechen — da sitzen garantiert Baby-Garnelen, die du nicht siehst.

Scheren und Trimmer

Pflanzen wachsen. Und irgendwann musst du sie zurückschneiden. Ohne die richtige Schere wird das zur Qual — und du machst dir die Pflanzen und potenziell das ganze Layout kaputt.

Federschere trimmt Bodendecker-Teppich im Aquascape — ergonomisches Schneiden in einer Bewegung

Gebogene Schere (die Wichtigste)

Die gebogene Aquascaping-Schere hat geschwungene Klingen, die es dir ermöglichen, Pflanzen am Boden zu schneiden, ohne die Hand zu verrenken. Du hältst sie fast senkrecht und schneidest waagerecht — der Knick in den Klingen macht das möglich. Das ist DAS Werkzeug zum Trimmen von Bodendeckern.

Ohne gebogene Schere versuchst du mit einer geraden Schere an den Teppich heranzukommen, stößt mit den Fingern an die Wasseroberfläche und siehst nicht, was du schneidest. Frustration garantiert.

Gerade Schere (für Stängelpflanzen)

Die gerade Variante brauchst du zum Schneiden von Stängelpflanzen im Hintergrund. Rotala, Ludwigia, Hygrophila — du schneidest sie auf gewünschter Höhe ab. Am Stumpf treiben Seitentriebe aus, die buschigen Wuchs erzeugen. Die abgeschnittenen Kopfstecklinge kannst du neu einpflanzen.

Federschere (der Geheimtipp)

Federscheren haben keine Grifflöcher, sondern einen Federmechanismus, der die Klingen automatisch öffnet. Du drückst zusammen zum Schneiden und lässt los zum Öffnen. Das klingt nach einem kleinen Unterschied, ist aber bei längerem Trimmen eine Wohltat für die Hand. Gerade wenn du einen großen Bodendecker-Teppich mähen musst, wirst du eine Federschere zu schätzen wissen.

Wellenschnitt-Schere

Eine Schere mit Wellenschliff hat eine wellenförmige Klinge, die das parallele Schneiden zum Bodengrund erleichtert. Die Wellenform verhindert, dass die Pflanzen beim Schneiden wegrutschen — die Klinge „greift" die Halme besser. Das macht sie besonders ergonomisch beim Bodendecker-Trimmen, weil du in flachem Winkel gleichmäßig über den Teppich fahren kannst.

Braucht man das? Ehrlich gesagt nein. Eine normale gebogene Schere erledigt denselben Job. Aber wer regelmäßig große Bodendecker-Flächen trimmt, wird den ergonomischen Vorteil zu schätzen wissen.

Moose trimmen. Moose sind ein Sonderfall. Sie wachsen nicht so gleichmäßig wie Bodendecker und bilden eher unregelmäßige Polster. Trimme sie, wenn sie zu groß werden oder zu dicht wachsen (dann erreicht Licht die inneren Schichten nicht mehr und das Moos wird braun). Einfach die äußeren Triebe mit der Schere kappen. Die Schnittreste fangen sich gern überall im Becken — sorgfältig abkeschern, sonst wächst Moos da, wo du es nicht willst.

Schnitt-Hygiene. Vor dem Gebrauch die Schere kurz unter heißem Wasser abspülen. Nach dem Gebrauch trocknen — auch Edelstahl mag keine Dauerfeuchte. Klingen ab und zu mit einem feinen Stein nachschärfen. Stumpfe Scheren quetschen Pflanzen statt sie zu schneiden, was die Schnittstellen beschädigt und Fäulnis fördert.

Garnelen-Sicherheit beim Trimmen. Dieselbe Regel wie bei Pinzetten: Langsam arbeiten, hinschauen, Garnelen vorher verscheuchen. Beim Bodendecker-Mähen vorher an einer Seite füttern, damit die Tiere aus dem Teppich kommen. Abgeschnittene Pflanzenteile zügig entfernen — sie sinken zum Boden und werden von Garnelen als Futter angesehen, verfaulen aber, wenn sie liegen bleiben.

Spatel und Bodengrund-Tools

Bodengrund einrichten ist keine Raketenwissenschaft, aber mit dem richtigen Werkzeug geht es sauberer. Und „sauberer" bedeutet bei Garnelen: weniger Nacharbeit, weniger Trübung, weniger Stress für die Tiere.

Gezielte Mulm-Entfernung mit Glaspipette zwischen Steinen im Garnelenbecken Bodengrund wird mit Edelstahl-Spatel im Aquarium modelliert und geglättet

Sand-Flattener / Bodengrund-Spatel. Ein flacher Spatel aus Edelstahl, mit dem du den Bodengrund glättest und modellierst. Im Prinzip ein Mini-Spachtel für unter Wasser. Du schiebst damit Sand in Form, ebnest Soil-Hügel ein und baust Gefälle. Besonders beim Einrichten eines neuen Beckens unverzichtbar — nachher, im laufenden Betrieb, brauchst du ihn eher selten.

DIY-Alternative: Ein langer Esslöffel. Oder die Rückseite eines Butterbesteck. Ernsthaft, es tut den gleichen Job. Der Vorteil eines „echten" Spatels ist die Länge (27–30 cm) und der flache Winkel, mit dem du auch in Ecken kommst.

Soil-Schütte. Wenn du Soil in ein bereits gefülltes Becken nachfüllen willst (z.B. nach einem Jahr, wenn sich der Soil verdichtet hat), hilft eine Schütte: ein Trichter mit langem Rohr, durch den du den Soil gezielt auf den Boden rieseln lässt, ohne das halbe Becken einzutrüben.

DIY-Alternative: Eine abgeschnittene PET-Flasche als Trichter und ein Stück Schlauch. Funktioniert genau gleich, sieht nur weniger elegant aus.

Kiesharke / Mini-Rechen. Manche Aquascaper harken ihren Sandvordergrund regelmäßig, um eine gleichmäßige Oberfläche zu bekommen. In Garnelenbecken ist das... naja, sinnlos. Garnelen wühlen den Sand innerhalb von Stunden wieder um. Spätestens am nächsten Morgen sieht es aus wie vorher. Wenn du trotzdem harken willst (fürs Foto, für die Seele), reicht ein Zahnstocher oder ein kleiner Kamm.

Pipetten und Spritzen. Ein Werkzeug, das wirklich Gold wert ist: eine große Pipette (20 ml oder größer) oder eine Spritze ohne Nadel. Damit saugst du gezielt Mulm ab, entfernst Futterreste und bläst Dreck aus Spalten zwischen Steinen. In Garnelenbecken ist das oft praktischer als ein Schlauch, weil du punktgenau arbeiten kannst, ohne Garnelen einzusaugen.

Tipp: Mit einer Pipette kannst du auch Flüssigfutter (Staubfutter für Garnelen-Babys, Mineralpulver) gezielt an eine Stelle bringen, statt es wahllos zu verteilen.

Becken-Rakel / Algenkratzer. Für die Frontscheibe brauchst du irgendwann einen Algenkratzer. Magnetische Algenkratzer sind bequem (von außen über die Scheibe ziehen), aber in Nano-Becken oft zu klobig. Eine Rasierklinge in einem Halter tut's auch — aber Vorsicht bei Becken mit Silikonecken, da die Klinge das Silikon beschädigen kann. Die sicherste Option für Echtglasbecken ist ein Melaminschaumstück (Schmutzradierer aus der Drogerie): Scheibenalgen weg, keine Kratzer auf Glas, kostet fast nichts. Achtung: Auf Acrylglasbecken zerkratzt Melaminschwamm die Oberfläche — dort nur weiche Tücher oder spezielle Acryl-Algenpads verwenden.

Wasserwechsel-Equipment. Kein Aquascaping-Tool im engeren Sinn, aber unverzichtbar: Ein dünner Schlauch (4–6 mm Innendurchmesser) für Wasserwechsel in kleinen Becken. Mit einer Schlauchklemme regelst du den Durchfluss. Langsamer Wasserwechsel = weniger Stress für Garnelen. Hektisches Wasser-rein-raus mit einem dicken Schlauch wirbelt alles auf und jagt die Tiere in Panik.

CO2-Systeme — Bio, Einweg oder Mehrweg?

CO2 ist das am meisten diskutierte Thema im Aquascaping. Brauchst du es? Kommt drauf an. Willst du einen dichten Bodendecker-Teppich aus HC Cuba? Ja. Willst du Javamoos und Anubias auf einer Wurzel? Nein. Für Garnelenbecken gilt: CO2 ist optional, kann aber den Unterschied machen.

Selbstgebaute Bio-CO2-Anlage mit PET-Flasche, Hefemischung und Keramik-Diffusor am Nano-Becken Komplettes CO2-Druckgas-System: Flasche, Druckminderer, Magnetventil, Blasenzähler und Diffusor

Bio-CO2 (Hefegärung)

Die Einstiegsvariante. Du füllst eine Flasche mit Wasser, Zucker und Hefe. Die Hefe vergärt den Zucker und produziert CO2, das über einen Schlauch ins Becken geleitet wird. Kosten: praktisch null.

Vorteile: Günstig, kein Druckbehälter, kein Zubehör nötig.

Nachteile: Unkontrollierbar. Die CO2-Menge hängt von Temperatur, Zuckermenge und Hefeaktivität ab. Nachts produziert die Hefe genauso viel wie tagsüber — du kannst Bio-CO2 nicht abschalten. Und genau das ist für Garnelen ein Problem: Nachts verbrauchen Pflanzen kein CO2, der Gehalt steigt, der pH fällt, und die Garnelen können ihr eigenes CO2 nicht mehr abgeben (Bohr-Effekt) — sie ersticken trotz vorhandenem Sauerstoff.

Für Garnelenbecken: Nur mit Vorsicht. In größeren Becken (ab 60 Liter) ist die CO2-Menge aus einer Bio-Flasche so gering, dass sie kaum ins Gewicht fällt. In einem Nano-Becken mit 20 Litern kann der nächtliche CO2-Überschuss aber kritisch werden. Wenn du Bio-CO2 nutzt, achte auf gute Oberflächenbewegung nachts (treibt CO2 aus) und miss regelmäßig den pH.

Einweg-CO2-System

Ein Druckbehälter (gängig sind 500 g, für Nanos auch 95 g) mit Druckminderer und Nadelventil. Du kannst die CO2-Menge über das Nadelventil dosieren und das System über eine Zeitschaltuhr steuern — nachts kein CO2, tagsüber kontrolliert.

Vorteile: Kontrollierbar, bezahlbar (Startersets ab 80–150 Euro), nachts abschaltbar.

Nachteile: Die kleinen Kartuschen sind schnell leer (alle 3–6 Wochen, je nach Dosierung) und verursachen laufende Kosten. Auf Dauer teurer als ein Mehrwegsystem.

Für Garnelenbecken: Gute Option für den Einstieg, vor allem in Nano-Becken. Die Kontrolle über die Dosierung ist der entscheidende Vorteil gegenüber Bio-CO2. Mit einer Zeitschaltuhr und einem Drop-Checker (Dauertest, der die CO2-Konzentration im Wasser anzeigt) fährst du sicher.

Mehrweg-CO2-System

Die Profi-Lösung. Ein großer Druckbehälter (500g, 2kg oder mehr) mit einem Präzisions-Druckminderer, Nadelventil, Rückschlagventil und Magnetventil. Das Magnetventil hängt an einer Zeitschaltuhr und schaltet die CO2-Zufuhr nachts komplett ab.

Vorteile: Maximale Kontrolle, niedrigste laufende Kosten (eine 2-kg-Flasche hält je nach Dosierung ein Jahr oder länger), professionelle Ergebnisse.

Nachteile: Hohe Anschaffungskosten (150–300 Euro für ein komplettes System). Überdimensioniert für ein einzelnes 20-Liter-Becken.

Für Garnelenbecken: Die sicherste Option, wenn du CO2 einsetzen willst. Das Magnetventil ist für Garnelen quasi eine Lebensversicherung — kein CO2 nachts, kein pH-Sturz, kein Sauerstoffmangel.

CO2-Gefahren im Garnelenbecken:

Garnelen reagieren empfindlicher auf CO2-Schwankungen als Fische. Die wichtigsten Regeln:

Nie mehr als 20 mg/l CO2 anpeilen (der Drop-Checker sollte immer grün, nie gelb sein). CO2 1–2 Stunden vor dem Licht einschalten und etwa 1 Stunde vor dem Licht abschalten. Nachts die Oberflächenbewegung erhöhen (Filterauslass über die Wasseroberfläche richten), um CO2 auszutreiben und Sauerstoff einzutragen. Einen Drop-Checker immer im Becken haben — das ist dein Frühwarnsystem.

Und der ehrliche Rat: Wenn du ausschließlich Garnelen hältst und keine anspruchsvollen Pflanzen pflegen willst, brauchst du kein CO2. Pflanzen ohne CO2 gibt es reichlich, und ein Low-Tech-Becken ist stabiler, pflegeleichter und sicherer für die Tiere. CO2 lohnt sich, wenn du Aquascaping als eigenständiges Hobby betreibst und bereit bist, die Werte engmaschig zu überwachen.

Preis-Leistung: No-Name vs. Marke

Die Frage, die jeder stellt: Muss es ADA sein, oder tut es auch das No-Name-Set von Amazon? Die ehrliche Antwort liegt — wie meistens — in der Mitte.

Vergleich Premium- vs. Budget-Aquascaping-Werkzeug: Spitzenqualität und Verarbeitung im Detail

Das Premium-Segment: ADA, Tropica, Chihiros

ADA (Aqua Design Amano) ist die Apple-Marke der Aquascaping-Welt. Jedes Werkzeug ist aus chirurgischem Edelstahl, perfekt verarbeitet, in einer schicken Box verpackt und kostet das Drei- bis Fünffache eines No-Name-Produkts. Eine ADA Pro-Pinzette: 40–70 Euro. Eine ADA Pro-Schere: 90–140 Euro.

Ist das gerechtfertigt? Teilweise. Die Verarbeitung ist tatsächlich hervorragend. Spitzen schließen perfekt, Scheren schneiden butter-weich, das Handling ist angenehm. Wer jeden Tag im Becken arbeitet, wird den Unterschied spüren. Für den Hobby-Garnelenhalter, der einmal pro Woche ein paar Blätter schneidet? Übertrieben.

Tropica bietet mit seinen Werkzeugen eine gute Alternative — qualitativ nah an ADA, preislich etwas moderater. Chihiros macht vor allem Beleuchtung, bietet aber auch Werkzeuge an, die solide und fair bepreist sind.

Das Mittelfeld: JBL, Dennerle, Dooa

JBL und Dennerle kennt jeder Aquarianer. Ihre Werkzeuge sind solide Gebrauchsware: guter Edelstahl, vernünftige Verarbeitung, faire Preise (Pinzette 10–20 Euro, Schere 12–25 Euro). Nicht die schickste Optik, aber sie tun, was sie sollen, und halten Jahre.

Dooa (ein ADA-Subbranding) bietet interessante Produkte, die qualitativ zwischen Premium und Mittelfeld liegen, preislich aber näher am Premium-Segment.

Budget: No-Name-Sets

Amazon ist voll mit Aquascaping-Tool-Sets für 15–25 Euro: vier bis sechs Teile, Edelstahl (angeblich), Samtbeutel dabei. Taugen die was?

Gemischte Erfahrung. Manche sind überraschend brauchbar — ordentlicher Stahl, passable Spitzen, sauber geschliffene Scheren. Andere sind Schrott: Spitzen, die nicht schließen, Klingen, die nach zwei Monaten rosten, Griffe, die bei leichtem Druck verbiegen.

Mein Tipp: Ein Mittelfeld-Set plus eine gute Pinzette. Kauf ein Budget-Set für den Anfang und teste die Teile. Die Schere funktioniert meistens okay, die Pinzetten sind oft der Schwachpunkt. Wenn die Pinzette nichts taugt, investiere 15–20 Euro in eine einzelne Markenpinzette (JBL ProScape oder vergleichbar). Das ist die Kombo, die die meisten Garnelenhalter am Ende fahren: ein solides Mittelklasse-Set plus ein, zwei Premiumteile, die sich im Alltag bewährt haben.

Worauf du achten solltest — egal bei welcher Marke:

Materialcheck. Bei Pinzetten und Spateln gilt: Guter austenitischer Edelstahl (304/316) ist nicht magnetisch. Bei Scheren ist Magnetismus dagegen normal und sogar gewünscht — Scherenklingen brauchen härtbaren, martensitischen Stahl, der immer magnetisch ist.

Spitzentest. Pinzette zusammendrücken, gegen Licht halten. Spalt zwischen den Spitzen? Zurückschicken.

Scherentest. Papier schneiden. Wenn die Schere quetscht statt schneidet, ist sie stumpf oder schlecht geschliffen.

Finish. Grate an den Kanten? Scharfe Ecken am Griff? Das verletzt dich und kann Garnelen verletzen, wenn sie drankommen.

Rostschutz. Auch guter Edelstahl mag keine Dauerfeuchtigkeit. Nach jedem Gebrauch das Werkzeug trockenwischen und trocken lagern. Ab und zu mit einem Tropfen Kamelienöl, Ballistol oder speziellem Werkzeugöl einreiben — das schützt vor Korrosion. Keine Speiseöle wie Olivenöl oder Kokosöl verwenden: Die werden ranzig, verharzen das Gelenk und bringen beim nächsten Eintauchen organische Fette ins Aquarienwasser. Nie nass in die Schublade werfen.

Fazit für Garnelen-Halter: Investiere in eine gute Pinzette und eine gute gebogene Schere. Den Rest kannst du billig kaufen oder improvisieren. Und denk dran: Das teuerste Werkzeug der Welt macht kein schönes Aquascape — das machen Geduld, ein gutes Auge und die richtigen Pflanzen.

Alle Artikel im Garnelen-Wiki

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