Fächergarnele (Bamboo Shrimp)

Fächergarnele (Bamboo Shrimp): friedliche Filterkünstlerin, die Futter aus der Strömung siebt. Haltung, Futter und Beckengröße.

Steckbrief — Fächergarnele (Bamboo Shrimp)
Größe8–10 cm
Lebensdauer1–3 Jahre (bei optimaler Haltung bis 5 Jahre möglich)
Beckengrößeab 80 Liter (80 cm)
Temperatur22–28°C
pH-Wert6,5–7,5
Gesamthärte (GH)6–15°dGH
Karbonathärte (KH)3–8°dKH

Herkunft & Lebensweise

Die Fächergarnele stammt aus Südostasien, genauer gesagt aus Indonesien (Bali, Kalimantan, Sulawesi, Sumatra), den Philippinen, Sri Lanka und Thailand. In der Natur lebt sie in fließenden Gewässern — Bächen und Flüssen mit klarem, sauerstoffreichem Wasser und moderater bis starker Strömung. Dort sitzt sie bevorzugt auf Steinen, Wurzeln oder umgestürzten Bäumen, die in die Strömung ragen.

Fächergarnele (Bamboo Shrimp): Herkunft & Lebensweise

Ihr wissenschaftlicher Name Atyopsis moluccensis verrät die Herkunft von den Molukken, einer indonesischen Inselgruppe. Im Hobby trägt sie viele Namen: Bamboo Shrimp, Fan Shrimp, Wood Shrimp, Holzgarnele oder Singapurgarnele. Egal welcher Name — gemeint ist immer dasselbe beeindruckende Tier.

Mit 8 bis 10 cm Körperlänge ist die Fächergarnele ein echter Riese im Vergleich zu den gängigen Zwerggarnelen. Männchen werden tendenziell größer und haben deutlich kräftigere Vorderbeine als Weibchen. Die Färbung variiert stark: von hellem Beige über Rotbraun bis zu tiefem Dunkelbraun. Ein heller Längsstreifen über den Rücken ist typisch, aber nicht bei jedem Tier gleich deutlich ausgeprägt.

Was viele überrascht: Fächergarnelen können ihre Farbe innerhalb von Minuten bis Stunden verändern. Das hat nichts mit Krankheit zu tun, sondern ist eine natürliche Anpassung an den Untergrund. Dunklere Färbung auf dunklem Holz, hellere auf hellen Steinen — pure Tarnung.

Das Besondere: Filtrierende Ernährung

Hier wird es richtig spannend, denn die Fächergarnele frisst komplett anders als jede Zwerggarnele. Statt über den Boden zu krabbeln und Aufwuchs abzuraspeln, stellt sie sich in die Strömung und fächert ihre umgebauten Vorderbeine auf. Diese zwei Paar fächerförmigen Fangbeinchen (also vier Fächer) funktionieren wie feinmaschige Siebe: Sie fangen Schwebstoffe, Mikroalgen, winzige Organismen und Futterpartikel direkt aus dem Wasserstrom ab.

Fächergarnele beim Filtrieren auf einer Wurzel — alle vier Fächerchen aufgespannt in der Strömung Fächergarnele (Bamboo Shrimp): Das Besondere: Filtrierende Ernährung

Das sieht faszinierend aus. Die Garnele sitzt auf einem erhöhten Punkt — einer Wurzel, einem Stein, einem Moospolster — und hält ihre Fächer rhythmisch in die Strömung. Alle paar Sekunden führt sie einen Fächer zum Mund, streift die gefangenen Partikel ab und streckt ihn sofort wieder aus. Dieses Verhalten kann stundenlang andauern und ist einer der Gründe, warum Fächergarnelen so faszinierend zu beobachten sind.

Im Aquarium brauchst du deshalb unbedingt fein gemahlenes Futter, das im Wasser schwebt. Spirulina-Pulver, Staubfutter für Jungfische, zerkrümelte Futtertabletten oder sogar aufgelöstes Frostfutter funktionieren gut. Normale Garnelensticks oder Pellets bringen nichts — die Fächergarnele kann sie schlicht nicht mit ihren Fächern fangen. Mehr zum Thema Ernährung findest du im Fütterungs-Guide.

Ein wichtiges Warnsignal: Wenn deine Fächergarnele über den Boden läuft und mit ihren Fächern den Untergrund abkratzt, bekommt sie nicht genug Schwebfutter. Das ist kein normales Verhalten, sondern ein Zeichen von Hunger. In dem Fall musst du häufiger Staubfutter direkt in die Strömung geben.

Beckeneinrichtung

Die Beckeneinrichtung dreht sich bei der Fächergarnele um ein zentrales Thema: Strömung. Ohne ausreichend Wasserbewegung kann diese Garnele nicht fressen. Eine kräftige Filterströmung oder eine zusätzliche Strömungspumpe sind deshalb keine Option, sondern Pflicht.

Die Haltung der Fächergarnele unterscheidet sich deutlich vom Standard der meisten Zwerggarnelen. Mindestens 80 Liter sollte das Becken fassen, besser mehr. Die Länge ist dabei wichtiger als die Höhe — ein 80-cm-Becken gibt der Strömung mehr Raum, sich aufzubauen. Weil Fächergarnelen gerne in Gruppen leben, plane für jedes weitere Tier etwa 15 bis 20 Liter zusätzlich ein.

Der Schlüssel zur guten Einrichtung sind erhöhte Sitzplätze in der Strömung. Große Wurzeln, die quer im Becken liegen, Steine, die bis knapp unter die Wasseroberfläche ragen, oder kräftige Moospolster auf Hardscape — all das bietet ideale Filtrierplätze. Platziere diese Elemente so, dass die Strömung direkt darüber streicht. Die Garnelen werden sich genau dort positionieren.

Versteckmöglichkeiten sind trotzdem wichtig. Fächergarnelen häuten sich etwa alle zwei bis drei Monate und ziehen sich dafür in geschützte Bereiche zurück. Tonröhren, Höhlen aus Steinen oder dichte Pflanzengruppen geben ihnen die nötige Sicherheit während der verletzlichen Häutungsphase. Pflanzen wie Javamoos, Anubias oder Javafarn sind gute Begleiter — sie wachsen auf Wurzeln und Steinen und vertragen die kräftige Strömung besser als filigrane Stengelpflanzen.

Vergesellschaftung

Fächergarnelen sind ausgesprochen friedlich. Sie haben keinerlei aggressives Verhalten gegenüber anderen Beckenbewohnern und verbringen ihren Tag damit, ruhig an ihrem Lieblingsplatz zu sitzen und zu filtrieren. Das macht die Vergesellschaftung relativ unkompliziert.

Kleine, friedliche Fische wie Panzerwelse (Corydoras), strömungsliebende Rasboras oder Honiggouramis sind gute Partner. Auch Schnecken und kleinere Garnelenarten wie Neocaridina oder Amano-Garnelen funktionieren problemlos. Die Fächergarnele wird weder Jungfischen noch Zwerggarnelen gefährlich — dafür ist sie einfach nicht gebaut.

Verzichte dagegen auf große, räuberische oder hektische Fische. Barsche, größere Salmler, Fadenfische oder Schmerlen können die Garnelen stressen oder sogar verletzen. Besonders nach der Häutung, wenn der neue Panzer noch weich ist, sind Fächergarnelen verletzlich und brauchen Rückzugsmöglichkeiten.

Ein oft übersehener Punkt: Fächergarnelen sind gesellige Tiere. Halte sie nicht einzeln — in einer Gruppe von mindestens drei Tieren zeigen sie deutlich mehr natürliches Verhalten. Oft sitzen mehrere Tiere nebeneinander auf derselben Wurzel und filtrieren gemeinsam. Das ist einer der schönsten Anblicke im Garnelenaquarium.

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