Teil von: Garnelenarten im Überblick — Von Neocaridina bis Caridina
Tiger-Garnele
Tiger-Garnele: robust, wunderschön gestreift und Startpunkt vieler Farbvarianten. Haltung, Zucht und Wasserwerte im Steckbrief.
| Größe | 2–3,5 cm |
|---|---|
| Lebensdauer | ca. 2 Jahre |
| Beckengröße | ab 20 Liter |
| Temperatur | 18–25°C |
| pH-Wert | 5,5–7,5 |
| Gesamthärte (GH) | 4–12°dGH |
| Karbonathärte (KH) | 0–8°dKH |
Herkunft & Geschichte
Die Tiger-Garnele kommt aus Südchina, genauer aus dem Hinterland von Hongkong. Dort lebt Caridina mariae in flachen Bergbächen und Feuchtwiesen mit viel organischem Material — Laub, Gras, Totholz. Das Wasser ist kühl, sauerstoffreich und eher weich.
Lange Zeit wurde die Art als Caridina cf. cantonensis geführt, was zu einiger Verwirrung geführt hat, weil unter diesem Namen auch Bienengarnelen liefen. Inzwischen ist klar: Tigergarnelen sind Caridina mariae, Bienengarnelen sind Caridina logemanni. Zwei verschiedene Arten, die sich allerdings untereinander kreuzen können — die Kreuzung ergibt sogenannte TiBees. Die Taiwan Bee hingegen entstand durch eine spontane Mutation innerhalb der reinen Bienengarnelen-Linie.
In der Aquaristik sind Tigergarnelen seit Anfang der 2000er-Jahre etabliert. Sie waren immer ein bisschen im Schatten der schillernden Crystal Red, haben aber eine treue Fangemeinde, die den natürlichen Charme der gestreiften Tiere schätzt.
Aussehen & Farbvarianten
Das Tigermuster ist namensgebend: Dunkle Querstreifen auf einem durchscheinenden Körper. Bei der Wildform sind die Streifen dunkelbraun bis schwarz, der Körper leicht gelblich-transparent. Weibchen wirken oft kräftiger gefärbt und sind merklich größer als die schlankeren Männchen.
Die Züchter haben aus dieser Grundform eine beeindruckende Palette entwickelt:
Rote Tiger: Rotes Tigermuster statt Schwarz auf hellem Körper. Hübsch, aber selten in wirklich guter Qualität.
Blaue Tiger: Hellblauer bis kornblumenblauer Körper mit schwarzen Streifen. Gibt es auch mit orangenen Augen (OE-Variante) — die sehen wirklich spektakulär aus.
Super Tiger: Breitere, kräftigere Streifen und eine orange-gelbliche Färbung an Kopf und Schwanzfächer. Sozusagen die Wildform auf Steroiden.
Black Tiger: Hier gibt es ein eigenes Grading-System von BT-5 (leicht verbreiterte Streifen) bis BT-0 (Black Diamond Tiger, komplett schwarz mit orangenen Augen). Je niedriger die Zahl, desto mehr Fläche deckt die schwarze Farbe ab.
Haltung & Wasserwerte
Tigergarnelen sind etwas toleranter als andere Caridina, was die Wasserwerte angeht. Der pH-Bereich von 5,5 bis 7,5 und eine GH von 4 bis 12°dGH geben mehr Spielraum. Trotzdem laufen sie in weichem, leicht saurem Wasser am besten. Die meisten Züchter setzen auch bei Tigergarnelen auf Osmosewasser mit Aufhärtesalz.
Die Wildform und einfache Farbvarianten kommen sogar mit Leitungswasser klar, solange es nicht zu hart ist. Für Hochzuchten wie Black Tiger oder blaue Varianten mit OE empfiehlt sich aber der Osmose-Weg.
Die Temperatur sollte unter 25°C bleiben — ideal sind 20 bis 23°C. In kühlerem Wasser leben die Tiere länger und zeigen intensivere Farben. Ein Becken ab 20 Liter reicht für eine Zuchtgruppe, aber 30 Liter oder mehr sind komfortabler.
Tigergarnelen brauchen viel Sauerstoff. In den Bergbächen ihrer Heimat ist das Wasser stark belüftet — ein Schwammfilter mit ordentlicher Luftpumpe oder ein Mattenfilter kommt dem am nächsten. Im Sommer bei höheren Temperaturen steigt der Sauerstoffbedarf noch mal deutlich.
Zucht & Vermehrung
Tigergarnelen gehören zum spezialisierten Fortpflanzungstyp: 20 bis 40 große Eier, etwa 4 bis 5 Wochen Tragezeit, fertige Jungtiere beim Schlüpfen. Die Kleinen sind winzig, aber sofort selbstständig und weiden Biofilm und Moos ab.
Die Vermehrungsrate ist solide — nicht so explosiv wie bei Neocaridina, aber zuverlässiger als bei Taiwan Bees. In einem gut laufenden Becken wächst die Population stetig, ohne dass es zur Überpopulation kommt.
Was die Zucht besonders macht: Die Kreuzungsmöglichkeiten. Tigergarnelen lassen sich mit Bienengarnelen kreuzen. Aus Tiger x Crystal Red können sogenannte TiBees entstehen — Tiere mit gemischten Merkmalen beider Arten. Das ist die Grundlage für viele moderne Hybridzuchtlinien. Wer das gezielt macht, braucht allerdings mehrere Generationen und ein gutes Auge für die Nachkommen.
Bei Black Tigern solltest du konsequent selektieren. Tiere, die nicht dem gewünschten Grad entsprechen, in ein separates Becken umsetzen. Ohne Selektion fällt die Farbqualität über Generationen ab.
Besonderheiten & Tipps
Tigergarnelen sind der perfekte Einstieg in die Caridina-Welt für alle, die von Neocaridina kommen. Sie sind nicht ganz so empfindlich wie Bienengarnelen, gewöhnen dich aber an weiches Wasser und die Arbeit mit Osmoseanlagen.
Ein besonderer Tipp: Achte auf die Augenfarbe. Tiere mit orangenen Augen (OE) tragen ein rezessives Gen, das für viele Züchter interessant ist. OE-Tiger lassen sich gezielt mit anderen OE-Caridina verpaaren und ermöglichen spannende Zuchtprojekte.
Vergesellschaftung ist begrenzt möglich. Sehr kleine, friedliche Fische wie Mini-Bärblinge oder Otocinclus stellen kein Problem dar. Größere Fische oder auch nur mittelgroße Salmler fressen den Nachwuchs aber zuverlässig weg. Im Artbecken fühlen sich Tigergarnelen am wohlsten.
Übrigens: Tigergarnelen sind anfällig für Planarien. Wenn du Planarien im Becken entdeckst, handle schnell — die Plattwürmer können Jungtiere angreifen. Planarienfallen und bei starkem Befall eine Behandlung mit No Planaria (Wirkstoff: Betelpalme) helfen zuverlässig.
Mehr zu dieser und anderen Arten findest du in der Garnelenarten-Übersicht. Grundlagen zur Haltung erklärt der Haltungs-Guide für Einsteiger.
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